Der Eiskeller in Bergedorf
Spätestens seit dem Mittelalter ist Bier aus den Wirtshäusern Hamburgs nicht mehr wegzudenken. Rund um Elbe und Alster eröffneten hunderte Brauereien, die ihre direkte Umgebung mit Gerstensaft versorgten.
Bier aus Bergedorf
Auch vor den Toren der Hansestadt florierte der Bierhandel. 1608 zählte das kleine Städtchen Bergedorf neun Brauereien - ihre Zahl blieb über fast 300 Jahre nahezu konstant. Erst im Ersten Weltkrieg sind nahezu alle Brauhäuser verschwunden. Heute zeugen im seit 1937 zu Hamburg gehörenden Bergedorf nur noch wenige Spuren von den Aktivitäten der Brauer-Zunft. Viele Betriebe mussten Neubauten weichen, die ehemalige Brauerstraße ist mittlerweile nach einem ehemals ansässigen Musikwissenschaftler benannt. Auf den ersten Blick leicht zu übersehen, hat dennoch ein imposantes Bauwerk die Jahrhunderte überstanden: Unter dem Sand des Geesthangs sind die Eiskeller der ehemaligen Actien-Bier-Brauerei zu Bergedorf nahezu unverändert erhalten.
Die Actien-Brauerei
Doch um Sorten zu brauen, die heute als Pils oder Lager bekannt sind, galt: Während der mehrwöchigen Gärung musste es kalt sein; am besten zwischen 8 und 14 Grad Celsius. Leistungsfähige industrielle Kühlanlagen gab es nicht, sie standen erst nach der Entwicklung des Linde-Verfahrens um 1900 zur Verfügung.
So wurde der verzweigte Eiskeller im Bergedorfer Geesthang direkt unter den Brauereigebäuden zu einem Herzstück der Anlage. Durch das eingelagerte Eis sank die Temperatur in den gemauerten Hallen mitunter bis zum Gefrierpunkt, in vielen vergleichbaren Anlagen wurde Stroh als Isolierschicht eingesetzt. So konnte das Bier das gesamte Jahr über unter idealen Temperaturen hergestellt und kühl gelagert werden. Zudem bescherte das gefrorene Nass der Brauerei eine zusätzliche Einnahmequelle - denn das Eis wurde im Sommer an Gasthäuser verkauft.
Das Bergedorfer Lager Beer
Trotz des weltweiten Absatzes endete auch die Geschichte der Vereinsbrauerei nach verhältnismäßig kurzer Zeit. 1914 wurde der Bergedorfer Betrieb von der Hamburger Holsten-Brauerei übernommen, die bald darauf die Produktion auf dem Geesthang einstellte. Hintergrund sollen schon vor knapp 100 Jahren wirtschaftliche Konzentrationsprozesse zur Ausschaltung unliebsamer Konkurrenz durch Aufkauf gewesen sein.
"Bergedorf Beer" blieb hingegen erhalten - bis heute. Allerdings war bei der Übernahme durch Holsten eine Klausel ausgehandelt worden, dass die Marke nur noch exportiert werden darf. So waren und sind die Flaschen nur in Westafrika erhältlich. Im nigerianischen Umuahia stellt mittlerweile eine Brauerei den Gerstensaft in Lizenz her. In Bergedorf wurde das Getränk 1959 nachweislich zum letzten Mal ausgeschenkt: Ausnahmsweise gab es das kühle Blonde zur Eröffnung des neugestalteten Gasthofs "Stadt Hamburg". Heute verhindert das Deutsche Reinheitsgebot den Ausschank. Aber die Flaschen und Dosen des "Bergedorf Beer" tragen nach wie vor das Abbild der alten Bergedorfer Brauerei auf dem Etikett.
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(Bild: hamburg e. V.)
Geschichte des Eiskellers
Die Gebäude der Brauerei fielen im Dezember 1965 einem Feuer zum Opfer. Geblieben ist nur der teilweise zweistöckige Eiskeller. Er wurde unter anderem als Gaststätte und Unterstand für einen Automobilclub genutzt. Unbestätigten Angaben zur Folge soll es nach dem Zweiten Weltkrieg auch eine Champignonzucht in den Räumen gegeben haben. Ebenso unbelegt sind derzeit noch Aussagen, dass die Gewölbe im Zweiten Weltkrieg Anwohnern als Luftschutzräume dienten.
Die aus Ziegelsteinen gemauerten Gewölbegänge wurden 1984 mit mehreren Wohnblöcken überbaut und beherbergen heute unter anderem eine Garage, Lager, Trockenräume und ein Vereinslokal. Der überwiegende Teil der Gänge ist trotz der Nutzung nahezu im Originalzustand. Erhaltene hölzerne Luken deuten auf ein Transportsystem für Fässer oder Eisblöcke hin. Selbst Reste der vermutlich ursprünglichen elektrischen Verkabelung lassen sich an den Wänden erkennen. Zusammen mit den ebenfalls noch vorhandenen Brauereiteichen wird das Ensemble als "denkmalwerte Gesamtanlage" eingeschätzt.
Führungen
Wenn Sie den historischen Eiskeller besichtigen möchten, finden Sie hier weitere Informationen. Der Verein "unter hamburg" lädt regelmäßig zu Führungen, für ein geringes Entgeld in Höhe von 4 Euro (erm. 3 Euro), ein.
Autor: Kai Gerullis








1 Kommentare
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B.Müller | 1. Februar 2013 19:04:59
Auf der Seite steht: Die Führungen wurden aus organisatorischen Gründen eingestellt ! http://www.unter-hamburg.de/Eiskeller_Bergedorf.306.0.html
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