Die Verhörzelle und der literarische Garten
Im Herbst 1988 fand Gerd Stange bei einem Elbspaziergang einen Stahlhelm aus dem 2. Weltkrieg. "Soll ich den jetzt wegwerfen, oder soll ich mich der Geschichte stellen", hat er sich damals gefragt. Stange entschied sich gegen das Vergessen und entwickelte die Idee der "Verhörzelle". Mit finanzieller Unterstützung der Hamburger Kulturbehörde und der Weiße Rose - Stiftung, konnte Stange die "Verhörzelle" im Oktober 1990 in der Geschwister-Scholl- Straße fertigstellen.
Durch einen Gitterrost im Boden, blickt der Betrachter auf die zwei Meter tief im Boden versenkte, fast leere Zelle. Was man sieht ist nicht mehr als ein Wehrmachts-Stahlhelm, ein abgewetzter Stuhl und eine nackte Glühbirne. Drei harmlose Gegenstände und doch ein Arrangement der Angst. Denn unwillkürlich hängt das Todesurteil im Raum und man sieht, wie die Guillotine das Urteil vollstreckt.
Vis á vis hat Stange seinen "Literarischen Garten" angelegt. Achtzig Rosenstöcke mit weißen Blüten hat er hier gepflanzt und eine großzügige, in schönem Schwung geformte Bank lädt zum Verweilen ein. Während die in die Erde versenkte "Verhörzelle" Klaustrophobie auslösen kann, steht der "Literarische Garten" für Bildung und Humanismus der Geschwister Scholl. "Die Bank ist das Gegenstück zur Zelle", erklärt der Künstler, der seine Aufgabe darin sieht, "Gewalt in ein menschliches Prinzip umzuwandeln".
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