Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz

Informationen Medizinische Versorgung von Flüchtlingen

Auf dieser Seite finden Sie grundlegende Informationen und weiterführende Links zur Gesundheitsversorgung von Flüchtlingen in Hamburg.

Medizinische Versorgung Flüchtlinge Übersicht Hamburg

Eingangsuntersuchung neu ankommender Flüchtlinge

vergrößern Arzt misst bei einem Patienten den Blutdruck. (Bild: Philipp Flury/www.pixelio.de) In der Zentralen Erstaufnahme (ZEA) werden Flüchtlinge im Rahmen von Gesundheitsuntersuchungen nach Paragraf 62 des Asylverfahrensgesetzes (AsylVfG) auf übertragbare Krankheiten untersucht.

Bei der Gesundheitsuntersuchung durch einen Arzt oder eine Ärztin werden bestehende Impflücken aufgespürt sowie Blut zur Diagnostik von Infektionskrankheiten abgenommen. Eventuell bestehende Impflücken können durch ein Impfangebot geschlossen werden. Außerdem wird unter anderem nach Allergien, Schwangerschaft und (chronischen) Krankheiten gefragt. Im Rahmen der Gesundheitsuntersuchung nach § 62 AsylVfG werden auch die Atmungsorgane geröntgt, mit der eine Tuberkulose-Erkrankung festgestellt werden kann.

Die Gesundheitsuntersuchung findet grundsätzlich in der Anlaufstelle der Zentralen Erstaufnahmeeinrichtung (ZEA) in der Harburger Poststraße statt. Die Röntgenuntersuchungen werden zentral durch die Tuberkulosebekämpfungsstelle des Gesundheitsamtes im Bezirksamt Hamburg-Mitte vorgenommen.

Weitere medizinische Versorgung von Flüchtlingen

Flüchtlinge haben auf Grundlage des Asylbewerberleistungsgesetzes (AsylbLG) grundsätzlich Zugang zur allgemeinen medizinischen Versorgung im ambulanten und stationären Bereich. Asylbewerberinnen und Asylbewerbern steht nach der leistungsrechtlichen Ersterfassung und Anmeldung bei der AOK Bremen/Bremerhaven das medizinische Behandlungsspektrum gesetzlich Krankenversicherter offen. Dies ermöglicht auch die freie Wahl des behandelnden Arztes. Diese Versorgung hat bundesweit Vorbildcharakter und wird sonst nur noch in Bremen praktiziert. Nordrhein-Westfalen und Scheswig-Holstein planen aktuell die Einführung eines vergleichbaren Systems.

Allgemeinmedizinische Sprechstunden in Erstaufnahmeeinrichtungen

Die gesundheitliche Versorgung der Flüchtlinge stellt die Stadt und ihre medizinischen Einrichtungen vor eine große Herausforderung. Um die Krankenhäuser, wie auch niedergelassene Ärztinnen und Ärzte zu entlasten, wird in den Erstaufnahmeeinrichtungen eine allgemeinmedizinische Basisversorgung angeboten. Diese wird in Abstimmung mit der Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz (BGV) durch das Gesundheitsamt Altona koordiniert.

In den Sprechstunden werden sowohl Honorarkräfte und Ehrenamtliche eingesetzt, die sich insbesondere auf den Aufruf der Ärztekammer Hamburg hin gemeldet haben, wie beispielsweise auch medizinisches Personal von Hamburger Krankenhäusern, des Bundeswehrkrankenhauses, der Hilfswerke und des Öffentlichen Gesundheitsdienstes. Diese allgemeinmedizinischen Sprechstunden sollen die medizinische Versorgung der Flüchtlinge bis zu ihrer Erfassung und Anmeldung bei der AOK Bremen/Bremerhaven verbessern und eine erste und direkte Anlaufstelle bei gesundheitlichen Problemen sein.

Für die Sprechstunden wurden sowohl für den Umfang der Versorgung, wie auch für die Ausstattung mit Medikamenten und Hilfsmitteln sowie der Räumlichkeiten in einer behördenübergreifenden Koordinierungsgruppe unter Leitung der Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz (BGV) fachliche Standards erarbeitet. Diese gelten für alle allgemeinmedizinischen Sprechstunden gleichermaßen, unabhängig davon, durch wen das medizinische Personal gestellt wird. Auch die finanzielle Vergütung oder Mindestpersonalausstattung wurden festgelegt. Bei Bedarf können diese Standards zeitnah angepasst werden. Die Koordinierungsgruppe berät dazu in Zusammenarbeit mit allen behördlichen Trägern regelmäßig über die aktuelle Situation.

Psychologische und psychotherapeutische Betreuung

Zur Feststellung und Behandlung etwaiger psychischer Störungen bei Flüchtlingen können alle Einrichtungen der psychiatrischen Versorgung in Hamburg sowie alle niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten konsultiert werden.

Derzeit etabliert sich die Zusammenarbeit zwischen Krankenhäusern mit Fachabteilungen für Psychiatrie und Psychotherapie und Erstaufnahmeeinrichtungen. So bieten einzelne Krankenhäuser vor Ort in Erstaufnahmeeinrichtungen regelmäßig psychiatrische Sprechstunden ihrer Institutsambulanzen (PIA) an. Die Zuweisung in die fachärztlichen Sprechstunden erfolgt in der Regel durch vor Ort tätige Allgemeinmediziner beziehungsweise durch den dortigen Sozialdienst oder die in einzelnen Erstaufnahmeeinrichtungen tätigen Psychologen/-innen beziehungsweise psychologischen Psychotherapeuten/-innen.

Für minderjährige und junge volljährige Flüchtlinge steht mit der Flüchtlingsambulanz am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf ein spezialisiertes Hilfeangebot zur Behandlung von Traumafolgen zur Verfügung. Der Landesbetrieb Erziehung und Beratung als Träger der Hamburger Erstversorgungseinrichtungen für unbegleitete Minderjährige hat Kooperationsvereinbarungen mit den Hamburger Kinder- und Jugendpsychiatrien geschlossen, um bei Bedarf schnelle psychiatrische Hilfe sicherzustellen.

Medizinisches Fachpersonal für Erstaufnahmeeinrichtungen

Ärztinnen und Ärzte sowie medizinische Fachkräfte, die sich bei der Versorgung von Flüchtlingen engagieren wollen, können sich per E-Mail unter der Adresse medizinische-versorgung-fluechtlinge@altona.hamburg.de beim Gesundheitsamt des Bezirks Altona melden, das das entsprechende Angebot koordiniert. Es wird um Verständnis gebeten, dass die Sichtung der Freiwilligen und  die Koordination seitens der Behörde etwas Zeit in Anspruch nehmen kann.

Weiterführende Informationen

Für Leistungserbringer im Gesundheitswesen (insbesondere Ärztinnen und Ärzte, Zahnärztinnen und Zahnärzte, Krankenhäuser sowie Apotheken) gibt es weiterführende Informationen zum aktuellen Verfahren zur Sicherstellung der medizinischen Versorgung der Menschen in der Zentralen Erstaufnahme (ZEA).