Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz

Informationen Gesundheit und Straßenverkehrslärm

Die Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz (BGV) informiert hier über gesundheitliche Auswirkungen von Straßenverkehrslärm. Dies betrifft besonders Menschen, die an lauten Straßen wohnen.

Gesundheitliche Auswirkungen von Straßenverkehrslärm

Wann ist Lärm Lärm?

Lärm ist unerwünschter Schall, den wir als störendes Geräusch wahrnehmen. Ob wir ein Geräusch als Lärm oder als angenehmes Hörvergnügen empfinden, hängt damit ab, welche Erinnerungen mit dem Geräusch verbunden wird. Löst es unangenehme oder angenehme Gefühle aus? Welche Einstellung habe ich zu dem Geräusch? Wie laut ist es? Die Lautstärke allein ist nicht immer ein Kriterium: viele Menschen hören Musik gern lauter. Bei Meeresrauschen reagiert ein Mensch anders als bei einem gleich lauten Straßenverkehrsgeräusch. Wichtig ist also auch der Informationsgehalt eines Geräusches. 

Was ist Umweltlärm?

Umweltlärm kann zum Beispiel Straßen- oder Schienenverkehrslärm sein sowie Fluglärm, Lärm von Gewerbebetriebe oder Arbeiten im Freien. Er kann von Häfen stammen oder Vergnügungsparks, Freizeitveranstaltungen, Nachbarn oder auch von Krähen.

Welche gesundheitlichen Auswirkungen kann Lärm haben? Was ist für die Gesundheit wichtiger, Ruhe am Tag oder Ruhe in der Nacht?

Lärm wirkt am Gehör und außerhalb des Gehörs. Lärm kann das Gehör beeinträchtigen und schädigen oder auch die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit verringern und krank machen. Er kann das Nervensystem negativ beeinflussen. Lärm kann den Schlaf, die Erholung und das Wohlbefinden, die Kommunikation, das Arbeitsvermögen stören und psychische Beeinträchtigungen auslösen. Es kommt darauf an, wie laut Lärm ist, wie lange ein Mensch dem ausgesetzt ist und welche Einstellung er zu Lärm hat. Das Risiko für Krankheiten des Herz-Kreislauf-, des Magen-Darm- und des Immunsystems kann steigen. Bei langer Wohndauer an verkehrsreichen, lauten Straßen ist das Risiko, an Bluthochdruck zu leiden oder einen Herzinfarkt zu bekommen, höher als in ruhigen Wohngegenden. Wie eine Studie kürzlich feststellte, erhöht eine ständige Lärmbelastung durch Straßenverkehr tagsüber von 65 Dezibel und mehr am Wohnort das Herzinfarktrisiko.

Gewöhnt man sich an Straßenverkehrslärm?

Manche Anwohner an lauten Straßen scheinen sich mit dem Lärm abgefunden zu haben und fühlen sich nicht gestört. Das Ohr verarbeitet aber permanent die Geräuschinformation und gibt sie an das Gehirn weiter. Dies geschieht unabhängig davon, ob der Mensch den Lärm bewusst wahrnimmt oder nicht, ob er sich dadurch gestört fühlt oder nicht. Als Folge davon reagiert unser Nervensystem immer auf Lärm. Bei Straßenverkehrslärm sind wir auf die Reaktion „Achtung“ eingestellt. Straßenverkehrslärm aktiviert deswegen unser Nervensystem stärker als zum Beispiel Meeresrauschen.

Gibt es Untersuchungen zu gesundheitlichen Wirkung von Straßenverkehrslärm?

Ja. Ab einem Tagespegel von etwas 60 Dezibel kommt es zu einem kontinuierlichen Anstieg des Herzinfarktrisikos. In Studien finden sich ab einem Tagespegel von 65 Dezibel vergleichsweise konsistent erhöhte Risiken. Ab diesem Schallpegel sind daher aus gesundheitlicher Sicht Schutzmaßnahmen erforderlich. Eine Grenze für eine Belästigung – sofern es sie gibt - liegt nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO 2000) mit etwa 55 Dezibel niedriger.

Bei welchen Lärmpegeln muss ich nicht mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen rechnen?

Schlafen ohne Störungen können die meisten Menschen, wenn es im Schlafzimmer unter 30 Dezibel bleibt und einzelne Geräusche leiser als 45 Dezibel sind. Ist es tags draußen lauter als 55 Dezibel, ist zunehmend mit Beeinträchtigungen zu rechnen.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt als Richtwert für den vorbeugenden Gesundheitsschutz im Freien in Wohngebieten einen Mittelungspegel von höchstens 55 Dezibel tags und 45 Dezibel nachts. Den Nachtwert hat die WHO Europe auf 40 Dezibel gesenkt. Für Wohn- und Schlafräume INNEN empfiehlt die WHO höchstens 35 Dezibel tags und 30 Dezibel nachts. Eine Grenze der Gesundheitsverträglichkeit ist nicht genau definiert. Sie dürfte für Innenräumen im Bereich von 25 bis 30 Dezibel nachts und bei 35 bis 45 Dezibel am Tag liegen.

Ist aktiver Lärmschutz für meine Gesundheit wichtig?

Aktiver Lärmschutz heißt, den Lärm an der Quelle zu bekämpfen. Zum aktiven Lärmschutz im Straßenverkehr zählen zum Beispiel lärmmindernde Maßnahmen an den Fahrzeugen selbst oder der Bau von Lärmschutzwällen und Lärmschutzwänden, das Aufbringen von „Flüsterasphalt“ oder eine Straße einzuhausen oder tiefer zu legen. Solche Maßnahmen führen dazu, dass es leiser wird.

Ist passiver Lärmschutz für meine Gesundheit wichtig?

Passiver Lärmschutz setzt dort an, wo der Lärm ankommt. Beispiele für passiven Lärmschutz bei Straßenverkehrslärm in Wohngebieten sind Schallschutz an Fenstern (Lärmschutzfenster), Türen, Wänden, Fassaden oder Dächern. Wichtig ist, bei den Fenstern auch auf gute Lüftung zu achten (lüftungsfähige Schallschutzfenster). Passiver Lärmschutz ermöglicht in Innenräumen ein weitgehend ruhiges Wohnen. Passiver Lärmschutz im Außenwohnbereich (Balkon, Garten) ist nur begrenzt möglich.

Da Lärm die Gesundheit beeinträchtigen oder schädigen kann, ist es wichtig, in Ruhe zu wohnen. Es sollten alle Schlaf- und Aufenthaltsräume vor Lärm geschützt werden. 

Welchen Schutz vor Straßenverkehrslärm hat der Gesetzgeber vorgesehen?

Grundsätzlich ist der Bürger vor Lärm zu schützen. Für Neuplanungen von Straßen oder anderen Verkehrswegen gibt es Normen, die langfristig zu einer Minderung der Lärmbelastung führen sollen, wie die 16. Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (16. BImSchV vom 12. Juni 1990). Dies gelingt aber nur begrenzt. Diese Vorschrift enthält Grenzwerte für den Lärmschutz an neu gebauten beziehungsweise baulich „wesentlich veränderten“ Straßen. Zum Schutz gegen Lärm haben aktive Lärmschutzmaßnahmen Vorrang vor passiven. Wenn aktiver Lärmschutz nicht möglich oder unverhältnismäßig teuer ist, hat der Bürger unter bestimmten Voraussetzungen grundsätzlich Anspruch auf die Erstattung der Kosten für passiven Lärmschutz. Für den Außenwohnbereich von Wohnungen kann eine Entschädigung gezahlt werden (§ 42 Bundesimmissionsschutzgesetz (BImSchG)).

Anwohner an bestehenden Straßen haben meist keinen Anspruch auf Lärmschutz. Die 16. BImSchV gilt hier nicht. Hier gibt es keine Grenzwerte und damit auch keinen Rechtsanspruch auf Sanierung oder Erstattungen für passiven Schallschutz, von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen.

Was kann ich für meine Gesundheit tun, wenn ich an einer lauten Straße wohne?

Als Eigentümer können Sie bei Ihrem Bezirksamt (Verbraucherschutzamt) fragen, ob Sie Anspruch auf passiven Lärmschutz haben. Straßenbaumaßnahmen, die einen Anspruch auf passiven Lärmschutz begründen, können schon ein paar Jahre zurückliegen. Als Vermieter können Sie sich bei Ihrem Vermieter erkundigen, ob und welche passiven Lärmschutzmaßnahmen in Ihrer Wohnung getroffen wurden oder vorgesehen sind. Sie können sich über Schallschutzmöglichkeiten fachkundig beraten lassen. Dafür kommen zum Beispiel öffentlich bestellte Sachverständige für Schallschutz, Architekten, Bauingenieurbüros und Bausachverständige in Frage.

Wo bekomme ich weitere Informationen? 

Lärm im Hamburg: Informationen der Behörde für Umwelt und Energie zu Akustik und Lärmschutz 

Der internationale "Tag gegen Lärm" findet seit 1995 statt. Initiiert hat ihn der Verband der Gehörgeschädigten. Dieser Tag soll Lärm als Gesundheits- und Umweltthema ins Bewusstsein rufen.

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