Ältere und pflegebedürftige Menschen als mögliche Opfer
Gewalt in der Pflege
(Polizei Hamburg)
Das Phänomen "Gewalt in der Pflege" - sei es im privaten Raum (Pflege durch Angehörige oder ambulante Pflegedienste) oder in Institutionen (Pflege in Heimen und Krankenhäusern) - tritt seit einigen Jahren immer mehr in den Fokus der öffentlichen Diskussion.
Ältere Menschen, die ohne fremde Hilfe leben, können sich einfach nicht vorstellen, dass sie einmal in eine Lage geraten, in der ihre körperliche Unversehrtheit verletzt oder ihre Wehrlosigkeit ausgenutzt wird.
In Hamburg wohnen 1.7 Millionen Menschen. Davon sind 311. 000 über 65 Jahre alt. In staatlichen Pflegeheimen leben rund 14.400 Menschen. Ein Großteil der älteren Bewohner lebt somit zu Hause.
Die möglichen Erscheinungsformen der Gewalt und sollen hier exemplarisch genannt werden.
- Verbale Übergriffe (z.B. durch Anschreien, Beleidigungen, abfällige oder diskriminierende Äußerungen)
- Psychische Gewaltausübung (Untersagen der Bedienung der Rufanlage, Verweigerung von Hilfe)
- Körperliche Gewalt in allen denkbaren Formen (Schlagen, Kratzen, aber auch pflegerische Behandlungen ohne Einwilligung, falsche Arzneimittelverabreichung)
- Freiheitsberaubung (z.B. durch Einschließen in der Wohnung oder Fixierung am Bett ohne vormundschaftsgerichtliche Genehmigung)
- Vermögensdelikte (finanzielle Ausbeutung durch Pflegekräfte, Angehörige oder Betreuer, indem diese mit dem Vermögen der anvertrauten Pflegebedürftigen nicht rechtmäßig umgehen)
Nicht alle Taten zum Nachteil von Seniorinnen und Senioren werden auch bekannt. Nach bisherigen Forschungserkenntnissen (z.B. Telefonbefragungen und Auswertungen von Beschwerdetelefonen) ist gerade in diesem Bereich ein erhebliches Dunkelfeld anzunehmen.
Das Hauptproblem ist das Erkennen der oben genannten Delikte, da sie in der Regel "hinter verschlossenen Türen" stattfinden. Gibt es Hinweise oder Vermutungen, so besteht die Gefahr, dass diese nicht ernst genommen werden, da sie durch Außenstehende mit dem allgemeinen Krankheitsbild in Verbindung gebracht werden.
Das Anzeigeverhalten ist in diesem Bereich aus unterschiedlichsten Gründen sehr gering. Scham- und Schuldgefühle, Isolierung und diverse Abhängigkeitsverhältnisse können auf Seiten der Opfer dazu führen, dass keine Hilfe gesucht wird und dass Taten nicht angezeigt werden. Diese Personengruppen benötigen daher einen besonderen staatlichen und gesellschaftlichen Schutz.
Angehörige, Pflegepersonal, Betreuer oder Betreuerinnen und Personen haben Zugang zu den potentiellen Opfern. Sie sind in der Position, Sachverhalte kritisch und aufmerksam zu hinterfragen und Fehlverhalten zu erkennen. Nur die kritischen Auseinandersetzung kann Veränderungen bewirken. Es gibt verschiedene Möglichkeiten zur Intervention. Ansprechpartner können beispielsweise die Heimleitungen, die Heimaufsicht oder auch die Polizei sein.
Die Polizeien der Länder und des Bundes haben zu diesen Themen die Broschüre "Der goldene Herbst" erstellt. Diese spricht gezielt die Gruppe der Seniorinnen und Senioren und deren Angehörige an. Neben allgemeinpräventiven Ratschlägen zum Leben im Alter werden auch Tipps zum Themengebiet "Gewalt in der Pflege" gegeben. Das Themenheft bietet so z.B Hinweise und Denkanstösse für Personen mit einem Angehörigen in der Pflege oder für Menschen, die sich selbst auf eine mögliche bevorstehende Pflegesituation vorbereiten möchten. Weiterhin wird beschrieben, welches die Ursachen für "Gewalt in der Pflege" sind und wie man sich sich selbst als pflegender Angehöriger vor einer drohenden psychischen oder physischen Überforderung schützen kann. Die Broschüre liegt an den Polizeidienststellen aus, kann aber auch über das Internet eingesehen werden.
Weitere Informationen zu den Themen Gewalt und Misshandlung in der Pflege, Behandlungsfehler, Unregelmäßigkeiten und Manipulationen in der Abrechnung bietet die Broschüre "Pflege zuhause – Schutz vor Gewalt, Betrug und Pflegefehlern"
Diese Informationsbroschüre wurde von der Verbraucherzentrale Hamburg, der Techniker Krankenkasse (TK), der Barmer GEK und der Polizei Hamburg erstellt.
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