Foodist-Gründer im Interview "Wir erweitern den Geschmackshorizont der Kunden"

Seit 2012 liefert Foodist Abo-Boxen mit Snacks und Delikatessen an seine Kunden. Wir haben den Gründer Alexander Djordjevic im neuen Office in der Speicherstadt getroffen und mit ihm über die Suche nach neuen Delikates­sen, Erfolgsrezepte beim Crowdinvesting und den Auftritt bei "Die Höhle der Löwen" gesprochen. 

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Höhle der Löwen Gründer Foodist

Wie funktioniert das Foodist-Konzept? 
Wir haben als Kernprodukt eine monatliche Gourmet-Überraschungsbox. Darin sind besondere Delikatessen, die es in Deutschland kaum oder noch gar nicht gibt. Wir schicken die Box an Abonnenten und bringen zwei Mehrwerte. Der eine Mehrwert ist, dass wir den Geschmackshorizont unserer Kunden erweitern, indem sie auf Produkte und Geschmacksrichtungen stoßen, die sie vorher noch nicht ausprobiert haben. Und der andere Mehrwert ist, dass wir Manufakturen fördern, die es schwer haben über Marketing und Vertrieb zu wachsen. Viele Foodproduzenten leiden darunter, dass es in der Lebensmittelindustrie einige wenige große Player gibt wie Nestlé oder Unilever.

Wo findet ihr diese innovativen Snacks und Delikatessen? 
Zum einen machen wir Desk Research. Das heißt, wir gucken über Blogs, Social Media und andere Onlineshops, was es Neues gibt. Wir kriegen mittlerweile auch extrem viel zugeschickt. Auf der anderen Seite fahren wir zu Messen, Wochenmärkten und Store Checks. Wir scouten viel in England, in Osteuropa und gucken uns auch Trends in New York und Asien an.

Und wonach entscheidet ihr, was in der Box landet? 
Alles wird von uns probiert und das ist natürlich ein extrem harter Job für jeden hier (lacht). Wir sind der erste Filter und entscheiden in erster Linie nach Geschmack. Wir setzen verschiedene Tasting-Runden auf und stimmen über Produkte ab. Manchmal gibt es viel Diskussion. Je mehr man probiert, desto kritischer wird man, weil man ähnliche Delikatessen vielleicht schon woanders in einer besseren Geschmacksrichtung oder anderen Konsistenz gegessen hat. So werden wir als Scouts auch immer besser. 

Hast du ein persönliches Lieblingsprodukt?
Wenn man so viele fancy Produkte probiert und zum Beispiel Bier trinkt, das nach Cheesecake schmeckt, dann besinnt man sich irgendwann wieder auf die einfachen Dinge. Mein Lieblingsprodukt ist ein stinknormales Butterbrotsalz. Das kommt in einem Weckglas und ist mit Zwiebel und Thymian angereichert. Ich liebe die Einfachheit des Produkts. 

Woher kommt deine Begeisterung für das Food-Thema? 
Beim Joggen bin ich immer am Wochenmarkt vorbeigelaufen und habe an den Seiten die Stände mit den handgemachten Produkten gesehen. Aber, wer in Hamburg lebt weiß es: Hier regnet es meist und dann sind auf den Märkten nur wenige Besucher. Das tat mir irgendwie leid und mein Grundgedanke war, diesen Manufakturen zu helfen und ihnen eine größere Plattform zu bieten. Das war der positive Motivationsfaktor, die Firma zu gründen. Und der negative war, Wut und Ärger darüber, wie Lebensmittelkonzerne die Gesellschaft mit Zucker vergiften. 

Neben den Abo Boxen habt ihr noch einen Online Shop, wo man einzelne Produkte nachbestellen kann. Außerdem platziert ihr die erfolgreichsten Produkte im deutschen Markt und habt eine eigene gesunde Produktlinie: Mission More. Welches Standbein ist am erfolgreichsten und was sind eure nächsten Pläne? 
Generell ist es wichtig, agil zu sein und die Strategie den Marktbedingungen anzupassen. Aktuell ist es so, dass das Online-Geschäft knapp 75 Prozent des Gesamtumsatzes ausmacht. Darunter fallen der Online Shop, die Abo Box und alles, was darüber läuft. Das liegt aber auch daran, dass wir das Geschäft seit fünf Jahren machen. Offline haben wir jetzt ein Jahr Lernphase gehabt und mussten uns beweisen. Wir haben bereits große Brands wie Propercorn erfolgreich in den Einzelhandel gebracht und unsere eigene Marke in über 3.000 Stores platziert. 

Foodist ist nicht das einzige Unternehmen, dass sich mit Abo-Modellen im Foodbereich etabliert. Wie schätzt du die Konkurrenzlage ein? 
Es gibt viele Nachahmer. Wir sind teilweise wirklich entsetzt, wie krass kopiert wird was Texte, Wording, Produktzusammenstellung, Design und auch unser Business Model angeht. Man kann sich rechtlich leider nicht wirklich schützen. Deshalb gehen wir jetzt auch bewusst in andere Märkte. Bevor uns die Marktanteile in den Nachbarländern weggenommen werden, kommen wir und machen es selber. Wir sind das Original. 

In welche Länder wollt ihr zuerst gehen?
Mit foodist.at und foodist.ch gucken wir uns erstmal Österreich und die Schweiz an. Besonders die Schweiz macht uns gerade Spaß, weil wir dort doppelt so hohe Warenkörbe und deutlich bessere Margen haben. Das nächste Land, das wir uns angucken, ist ebenfalls ein Nachbarland von Deutschland. 

Anfangs habt ihr über Crowdinvesting mehrfach Geld eingesammelt. In der letzten Runde habt ihr eine Million Euro bekommen. Wie schafft man es, viele Leute davon zu überzeugen, in die eigene Idee zu investieren?
Die erste Runde war relativ klein. Es waren 175.000 Euro. Wir haben damals davon profitiert, dass Crowdinvesting in den Kinderschuhen steckte und auch eine sehr beliebte alternative Finanzierungsform war. Dann mussten wir zeigen, dass wir mit dem Kapital vernünftig umgehen, Wachstum schaffen, Profitabilität fördern und klug investieren. Und wir sind mit den Investments sehr gut umgegangen, haben uns dadurch verdient, in der nächsten Runde über 300.000 Euro zu kriegen und in der dritten Runde dann 1.000.000 € einzusammeln. 

2014 habt ihr bei der Vox-Sendung Die Höhle der Löwen (DHDL) gepitcht. Die Investoren haben euch ein Angebot gemacht, aber ihr habt abgelehnt. Warum?
Das Angebot damals war nicht gut. Die Bewertung, die bei uns aufgerufen wurde, war ein Fünftel von dem, was uns die Crowdinvesting-Plattform damals geboten hat. Und Crowdinvesting hat schon eine konservative Bewertungsform. 

Hat euch der Auftritt dennoch genützt? 
Wir haben damals 300.000 Euro Umsatz in 48 Stunden gemacht. Nur, weil wir eine Viertelstunde ausgestrahlt worden sind. Genau aus dem Grund gibt es viele Startups, die nun in die Sendung gehen, um Screentime zu bekommen. Das sieht man daran, wie viele Deals im Nachhinein platzen.

2016 wurde Foodist von der Werbefirma Ströer übernommen. Du bist weiterhin Geschäftsführer. Wieso habt ihr euch für den Verkauf entschieden?
Wir wollen mit Foodist noch viel, viel mehr erreichen. Da brauchten wir einen großen Player an der Seite. Wir sind aber als Unternehmer sehr frei in unseren Entscheidungen. Es ist momentan eher so, dass wir selber dort durchklingeln und uns Tipps holen. Dort sitzen Leute, die ein MDax Unternehmen führen und die haben einen unglaublichen Erfahrungsschatz. Ich glaube, es wäre auch kontraproduktiv, wenn man den Unternehmen, die man einkauft, den unternehmerischen Spirit nimmt. Es ist von vornherein klar gewesen, dass die Gründer weiterhin im Lead sind. 

Ihr habt Foodist in Hamburg gegründet und groß gemacht. Was bietet die Stadt für junge Unternehmen?
Hamburg ist eine sehr angesehene und wunderschöne Stadt. Das hilft extrem beim Recruiting. Es gibt Coworking Spaces, Kreditvergaben, Startup Events und Preise. Die Gründerszene ist in einem Mikrokosmos im Austausch, aber es gibt wenig große Plattformen, auf denen sie gebündelt wird. Und es ist auch so eine Hamburger Mentalität, dass man eher auf Understatement setzt und jeder sein Ding macht. Das ist hier eine ruhigere Form als in Berlin. Hier gibt es weniger Bullshitting und hier haben viele den Kopf erstmal nach unten und arbeiten und halten sich nicht so viel auf Konferenzen und Dinner-Veranstaltungen auf. Dennoch ist Berlin auf Grund der Internationalität und der Pionierarbeit von Rocket Internet für die Startup Szene in meinen Augen weiter entwickelt. Aber darüber lässt sich streiten. 




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