Kale&Me-Gründer im Interview "Wir machen Säfte, keine Smoothies"

Das Startup Kale&Me produziert kaltgespresste Säfte aus frischem Obst und Gemüse. David Vinnitski, einer der Gründer, hat uns erzählt, was das Besondere an den Säften ist und was man bei einer Saftkur beachten sollte. 

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Detox: Entgiften mit gesunden Säften

Kale and Me stellt frische, gesunde Säfte her. Auf dem Smoothie Markt gibt es einige Mitbewerber. Wie grenzt ihr euch von den anderen Produkten ab? 
Wir machen keine Smoothies sondern kaltgepresste Säfte. Der große Unterschied zwischen uns und einem Innocent-Smoothie ist: Die nehmen eine Ananas und werfen sie in einen Mixer. Wir nehmen eine Ananas und pressen sie. Dann bekommt man nur die Flüssigkeit. Das bedeutet, unser Getränk hat weniger Kalorien und ist perfekt geeignet für eine Saftkur, bei der die Idee ist, zu entschlacken.
 
Wie produziert ihr eure Säfte?
Unsere Säfte werden kaltgepresst. In der Produktion wird darauf geachtet, dass keinerlei Hitze entsteht, denn ab 45 Grad werden Vitamine und Nährstoffe zerstört. Um die Säfte haltbar zu machen, arbeiten wir mit einem HPP Verfahren. Das machen weniger Hersteller, weil es ein aufwendiger und teurer Prozess ist. Der Saft wird unter Druck haltbar gemacht. Es werden mehrere hundert Meter Meerestiefe simuliert. So sterben Bakterien und Keime ab, aber die Vitamine und der Geschmack bleiben erhalten.
 
Wie viele verschiedene Säfte habt ihr aktuell im Angebot?
Mittlerweile haben wir acht verschiedene Säfte. Sechs pure Frucht- und Gemüsesäfte, einen Mandel- und einen Kürbiskerndrink.
 
Kommen bald neue Sorten dazu?
Ja, es werden höchstwahrscheinlich noch ein paar Säfte dazukommen. Wir sehen da noch Potenzial. England, die USA oder die skandinavischen Ländern sind Vorreiter. Dort ist es normal, kaltgepresste Säfte zu trinken. In Deutschland ist es noch ein Nischenthema, aber kaltgepresste Säfte sind im Kommen.

Man kann eure Säfte auch im Paket kaufen und eine mehrtägige Saftkur machen. Wie lange und wie oft kann man eine solche Kur machen? 
Es gibt eine Fastenmethode, die nennt sich intermittierendes Fasten. Das bedeutet, dass man dem Körper regelmäßig eine Pause gönnt. Wie oft man sich eine solche Pause gönnen will, ist individuell unterschiedlich. Einige sehr aktive Kunden machen quartalsweise oder alle sechs Wochen eine Saftkur. Es gibt auch einige Kunden, die einmal in der Woche einen Safttag einlegen.

Es gibt auch Kritik am Fastentrend. Einige sagen, es führt zu Vitamin- und Mineralstoffmangel und ruft Kopfschmerzen, Kreislaufprobleme und Müdigkeit hervor. Inwiefern ist diese Kritik berechtigt? 
Zu Vitamin- oder Nährstoffmangel kann es beim Heilfasten mit Wasser kommen. Mit einer Saftkur werden dem Körper aber genügend Vitamine und Nährstoffe zugeführt. Kopfschmerzen, Kreislaufbeschwerden oder Müdigkeit sind ganz normale Begleiterscheinungen. Sie sind ein Zeichen dafür, dass sich im Körper etwas tut und dass der Körper regeneriert. Um diese Begleiterscheinungen zu minimieren, sollte man den Körper ein bis zwei Tage vorher auf das Fasten vorbereiten. Man sollte viel trinken, nicht zu kalorienhaltig essen, auf Kaffee und Süßigkeiten verzichten und nicht rauchen.
 
Wie seid ihr auf die Idee gekommen, eigene Säfte zu produzieren? 
Meine beiden Mitgründer Annemarie und Konstantin haben gemeinsam ein Auslandssemester in Kapstadt gemacht und dort eine Saftkur ausprobiert. Sie hatten dann die Idee, Saftkuren mit neuen Sorten in Deutschland einzuführen. Ich habe mit Konstantin zusammen an der WHU studiert und es war immer unser Traum, zusammen zu gründen. Ich war bei der Idee sofort dabei.
 
Seid ihr selbst auch so gesundheitsbewusst wie eure Kunden? 
Ich habe schon immer viel Sport gemacht und viele Säfte getrunken. Annemarie kommt aus der Lebensmittelindustrie und hatte mit Ernährung immer viel zu tun. Wir haben zwar nicht Ökotrophologie studiert aber wir haben uns über die letzten drei Jahre alle wahnsinnig viel Wissen im Bereich gesunde Ernährung angeeignet. 

Welcher ist dein persönlicher Lieblingssaft? 
Ich trinke sehr gerne Al Avoca, den Saft mit Avocado. Gerade wenn ich mal nicht so viel Zeit zum Lunchen habe oder auf dem Weg irgendwohin bin, ist es sehr praktisch, den dabei zu haben.
 
Haben eure Kunden auch einen Favoriten? 
Das verändert sich tatsächlich regelmäßig. Billy Basil, der Saft aus Orange, Sanddorn und Basilikum ist aktuell unser Bestseller im Einzelverkauf. Amy Almond mit Mandeln und Dattel ist auch sehr beliebt. Und er ist auch verträglich für Kunden mit Nussallergie.
 
Ihr habt 2016 bei der Vox Sendung „Höhle der Löwen“ gepitcht. Damals habt ihr kein Investment bekommen. Wie ist es nach der Sendung bei euch weitergegangen?
Für uns war es enorm, drei Millionen Menschen auf einmal unser Produkt vorstellen zu können. Man müsste normalerweise sehr viel Geld in die Hand nehmen, um so ein Marketing betreiben zu können. Das wäre ohne die Sendung nicht möglich gewesen. Wir haben dann das Glück gehabt, dass wir nach der Show sehr viele wiederkehrende Kunden hatten. Sonst ist es oft so, dass man durch die Sendung einen starken Schub bekommt und danach geht es bergab. Bei uns sind viele Kunden geblieben und wir haben es geschafft, eine Struktur aufzubauen, mit der wir profitabel arbeiten können.
 
Neben dem Auftritt bei DHDL seid ihr durch Instagram bekannt geworden. Was sind die Vorteile des Influencermarketings im Vergleich zum klassischen Marketing? 
Als wir gestartet sind, hatten wir kein großes Marketingbudget. Vor zwei Jahren war Influencermarketing noch nicht so gehypt wie jetzt und wir hatten die Möglichkeit, ohne Gegenwert Reichweite zu bekommen. Ein weiterer Vorteil ist: gute Influencer sind ehrlich. Dadurch sind sie gute Testimonials. Wir müssen nicht irgendeinem Promi eine Lizenz zahlen, dass wir für ein Jahr mit ihm werben dürfen, sondern haben organische Testimonials.

Ist es nicht auch ein Risiko für euch, Influencern euer Produkt zum Testen zu schicken? Zum Beispiel wenn Ihnen die Säfte nicht schmecken…
Ein Risiko besteht auf jeden Fall. Aber wir verschicken unser Produkt zum freiwilligen Testen und zwingen die Leute nicht dazu, etwas zu posten. Sie können es ausprobieren und wenn es Ihnen gefällt, dann hoffen wir, dass sie etwas posten. Es sind immer ein paar Leute dabei, die sich nie wieder melden aber größtenteils haben wir wirklich sehr gute Erfahrungen gemacht. Ansonsten hätten wir das Konzept auch nicht so beibehalten. Aber es funktioniert. Mittlerweile haben wir Mitarbeiter nur fürs das Influencermarketing eingestellt.

Warum habt ihr euch für Hamburg als Unternehmensstandort entschieden?
In Hamburg sind sehr viele Food-Startups. Das macht Sinn wegen dem Hafen, dem Großmarkt und auch wegen der Lüneburger Heide und dem alten Land. Das ist voll mit Obst und Gemüse. Wir bekommen unsere Äpfel direkt von einem Landwirt. Auch gibt es unheimlich viele andere Startups hier, wovon wir sehr profitieren. Laut KfW Gründungsmonitor ist Hamburg seit 2017 die Stadt mit den meisten Gründern. Es ist nur noch nicht so auf dem Radar wie Berlin. Der Grad an Veranstaltungen und Vernetzung ist in Berlin definitiv höher. Da gibt es noch Ausbaumöglichkeiten in Hamburg. 


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