REBELLE-Gründerin Cécile Wickmann: "Traut euch und macht das"

Seit 2013 kann man über die Onlineplattform REBELLE Designermode kaufen und verkaufen. Das Hamburger Startup hat mittlerweile fast hundert Mitar­beiter. Gründerin Cécile Wickmann hat mit uns über die Anfänge des Unter­nehmens und den geringen Frauenanteil in der Gründerszene gesprochen. 

1 / 1

"Traut euch und macht das"

Cécile, wie kamst du auf die Idee, einen Secondhandshop für Designermode aufzubauen? 
Ich habe einige Jahre in der Modebranche gearbeitet und zu dieser Zeit viele Designerstücke angesammelt. Als ich umgezogen bin, habe ich einen Großteil der Sachen bei meinen Eltern im Keller eingelagert. Nach meinem Studium wollten die das aber loswerden. Da war ich in Hamburg und die Kisten waren in Berlin und ich wollte natürlich auch nicht alles auf dem Flohmarkt verramschen. Da dachte ich, es wäre wirklich cool, wenn jemand das abholen und verkaufen würde. Ich wäre auch bereit, einen Teil vom Erlös dafür abzugeben. Ich habe aber keinen Service gefunden und da dachte ich: Vielleicht kann ich sowas selber gründen.

Wie ging es dann weiter? 
Ich habe einen Businessplan geschrieben und ziemlich schnell Investoren gefunden. Unter anderem ist mein damaliger Arbeitgeber Hanse Ventures eingestiegen. Damals habe ich meinen Mitgründer Max Schönemann kennengelernt mit dem ich bis heute das Unternehmen führe.

Was steckt hinter dem Namen REBELLE? 
Rebelle war am Anfang nur unser Arbeitstitel. Ich musste dem Unternehmen im Businessplan einen Namen geben. Der ist mir auf einer Autobahnfahrt nach München eingefallen: RE für Recommerce und BELLE für schön, also: wieder schön. Als es dann darum ging, den richtigen Namen zu finden, hatten sich alle schon so an REBELLE gewöhnt, dass wir den Namen behalten haben und ich finde ihn auch sehr treffend. Heute interpretiert jeder den Namen ein bisschen anders. Manche denken auch an ‘rebellisch‘, denn wir waren die ersten, die secondhand Designermode über das Internet angeboten haben.

Welche Produkte kann man über REBELLE kaufen und verkaufen? 
Wir haben eine Markenliste, die über 600 Designer umfasst und führen Kleidung, Taschen, Accessoires, Schmuck und Schuhe.

Wie teuer sind die Produkte in eurem Shop? 
Es geht los bei ca. 80 Euro. Unser teuerstes Produkt im Shop liegt momentan bei ungefähr 110.000 Euro. Das ist eine Hermes Birkin Bag aus Albino Alligatoren-Leder. Ansonsten ist es ein relativ breites Feld. Das durchschnittliche Produkt bei uns kostet zwischen 200 und 250 Euro.

Und wie viel erhaltet ihr davon als Provision? 
Das ist abhängig vom Verkaufsservice und Produktpreis. Der Verkäufer hat die Möglichkeit, seine Produkte selbst einzustellen oder unseren Concierge-Service zu nutzen, bei dem wir den gesamten Verkaufsprozess übernehmen. Wir machen dann professionelle Fotos, gute Beschreibungen, beantworten Kundenanfragen, lagern die Produkte ein und verschicken sie an die Käufer. Die Provision ist bei beiden Verkaufsservices gleich und variiert je nach Verkaufspreis. Der Unterschied ist, dass beim Concierge-Service 15 Euro extra für die gesamte Wertschöpfung in Rechnung gestellt werden.

In Hamburg gibt es viele kleine Vintage-Läden. Glaubst du, dass diese Shops irgendwann durch Unternehmen wie eures ersetzt werden? 
Das glaube ich nicht. Letztendlich geht es nicht nur darum, ein Produkt zu kaufen, sondern auch um die physische Erfahrung. Wir alle wollen nicht, dass die Geschäfte aus der Innenstadt verschwinden. Kleidung ist ein sehr haptisches Produkt, man möchte es anfassen, anprobieren, da spielt nicht nur die Passform eine Rolle. Deswegen glaube ich nicht, dass der Online-Handel das jemals voll ersetzen wird.

Du wurdest für den Digital Female Leaders Award nominiert, mit dem herausragende Persönlichkeiten aus der Digitalwirtschaft auszeichnet werden. Worauf legst du Wert bei der Unternehmensführung? 
Flache Hierarchien sind uns sehr wichtig, denn Max und ich machen das ja auch zum ersten Mal und sind auf die Expertise in vielen Bereichen angewiesen. Wir versuchen, in den Fachbereichen Leute einzustellen, die viel besser sind als wir selbst. Das heißt aber auch, dass man den Leuten eine Stimme geben muss und wir auf sie hören müssen und nicht andersrum. Und ich glaube, es ist auch ein sehr freundschaftliches Miteinander, das wir bei uns leben.

Laut Studien des Deutschen Startup Monitors liegt der Frauenanteil in Gründerteams nur bei knapp 15 Prozent. Warum gründen Frauen so viel seltener als Männer? 
Ich glaube eine Erklärung ist, dass Frauen sich mehr Gedanken machen und größeren Respekt vor dem Scheitern haben. Und da ermutige ich wirklich alle: Traut euch und macht das! Und denkt vor allem nicht so viel darüber nach, was schiefgehen könnte. Man sollte natürlich nicht naiv in eine Gründung gehen, sondern sich bewusst machen, was auf einen zukommt und ob man das wirklich möchte. Aber bevor man jahrelang über eine gute Idee nachgrübelt, sollte man es einfach wagen. Und ich glaube kein bisschen, dass Frauen das weniger gut können als Männer.

Könnte die Politik bessere Bedingungen für Gründerinnen schaffen? 
Die Politik ist dran, familienfreundlichere Bedingungen zu schaffen. Im ersten Schritt für die Gruppe der Arbeitnehmer aber im nächsten Schritt vielleicht auch für Gründer. Es ist aber natürlich so: ein Unternehmen mitten in der Phase zu gründen, in der man gerade eine Familie gründet, ist vielleicht einfach ein bisschen viel, das muss man ehrlich sagen. Ich habe selber keine Kinder, aber wenn ich welche gehabt hätte, dann wäre REBELLE eine noch größere Herausforderung gewesen. Der Zeitpunkt zum Gründen ist für Frauen daher limitiert. Entweder man macht es bevor man Kinder bekommt oder später, wenn die Kinder aus dem Gröbsten heraus sind.

Du bist eigentlich Berlinerin, hast dann im Ausland studiert. Wieso hast du dich entschieden, in Hamburg zu gründen? 
Es ist eigentlich gar nicht planmäßig Hamburg geworden. Max und ich haben uns in Hamburg kennengelernt und hier angefangen. Wir haben aber auch schnell die Vorteile von Hamburg entdeckt. Zum Beispiel das relativ einfache Rekrutieren von guten Leuten. Gerade bei einem digitalen Geschäftsmodell ist man wahnsinnig darauf angewiesen, gute IT‘ler und Entwickler zu finden. In Berlin ist die Konkurrenz da sehr hoch, weil es dort so viele digitale Unternehmen gibt. Die Löhne sind explodiert in dem Bereich.

Könnte Hamburg noch mehr tun, um die Konditionen für Startups zu verbessern? 
Ja, aber das betrifft nicht nur Hamburg. Wir hatten in der Vergangenheit viele Probleme damit, Fachkräfte aus Nicht-EU-Ländern einzustellen. Man kann sich nicht vorstellen, was für unfassbare administrative Hürden einem in den Weg gelegt werden, um eine Arbeitserlaubnis zu bekommen. Und das in einem Land, in dem ein riesiger Fachkräftemangel herrscht. Es geht nicht darum, „deutsche Jobs“ zu schützen, sondern darum, dass wir uns als Land für die Zukunft aufstellen müssen. Dazu brauchen wir gute Leute, die diese Jobs ausfüllen.


 

 

Autor: