Oberhafenkantine - Windschiefer Imbiss am Hafen
Haus mit Seele
Betritt man das kleine windschiefe Backsteinhäuschen, kommt man sich fast vor wie in einer anderen Zeit. Die Oberhafenkantine ist nicht nur gemütlich, sondern auch etwas ganz Besonderes. Bereits 1925 erbaut, wurde sie 1997 von den Behörden für einsturzgefährdet befunden und war jahrelang vom Abriss bedroht. Als ihr Weiterbestehen gesichert war, hegte die Bahn Pläne, das Häuschen wegen einer Brückenverbreiterung umzusetzen. Aber die Oberhafenkantine blieb - und steht immer noch da wie 1925, nur ein bisschen schiefer.
Versorgungszentrum für Hafenarbeiter
Der Wirt Hermann Sparr erbaute die Oberhafenkantine 1925 als sogenannte Kaffeeklappe. Sie diente somit als "Versorgungszentrum" für die Hafenarbeiter. Hier konnten sie sich ab 7 Uhr morgens mit heißem Kaffee und einem leckeren Imbiss stärken. Kurz nach der Eröffnung holte Hermann Sparr seine damals zwölfjährige Tochter Anita als Küchenhilfe mit in den Betrieb. Unglaubliche 72 Jahre - bis zu ihrem Tod 1997 - arbeitete Anita Haendel in dem Imbiss.
Schließung wegen Einsturzgefahr
Sie erlebte mit, wie das kleine Häuschen nächtliche Bombenangriffe während des Krieges überstand und mehrfach durch Hochwasser überflutet wurde. Manchmal stand das Wasser sogar bis zur Unterseite der Theke. Auf Grund des unterspülten Fundaments hat das Gebäude ein bisschen Schlagseite bekommen. Nach Anita Haendels Tod schloss das Ordnungsamt deshalb die Oberhafenkantine wegen akuter Einsturzgefahr.
Im Jahr 2000 stellte die Stadt Hamburg das kleine Häuschen unter Denkmalschutz. Zwei Jahre später kaufte der Hamburger Kulturinvestor Klausmartin Kretschmer den Imbiss und ließ ihn 2005 aufwendig sanieren bis er wieder fast so aussah wie zu seiner Gründungszeit.
Wiedereröffnung 2006
Im April 2006 wurde die Oberhafenkantine nach neun Jahren Pause wiedereröffnet - unter der Leitung von Christa Mälzer, Mutter des TV-Kochs Tim Mälzer. Leider richtete das Sturmtief "Thilo" im November 2007 schwere Schäden an. Die Küche wurde komplett überflutet und Christa Mälzer gab den Betrieb auf.
Ihre Nachfolge trat im April 2008 der Hamburger Gastronom Thorsten Gillert an. Er bietet seinen Gästen traditionell deftige Hausmannskost wie in alten Kantinenzeiten. Auf der Speisekarte stehen neben täglich wechselnden Tagesgerichten unter anderem Matjes, frisches Zwiebelmett mit Brötchen, Hamburger Weißwurst, Bratkartoffeln, Frikadellen und Kartoffelsalat.
Adresse:
Stockmeyerstraße 39, 20457 Hamburg
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