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Das Hamburger Erzgebirge

Hamburgs Erzgebirge liegt unter der Köhlbrandbrücke. Die HANSAPORT Hafenbetriebsgesellschaft türmt hier schwarze und rote Berge auf – Kohle und Erz für Kraft- und Stahlwerke im norddeutschen Raum.

 

Hamburger Erzgebirge
(Bild: HHLA)

HANSAPORT ist der größte und leistungsfähigste Massenschüttguthafen Deutschlands. 2010 wurden hier 13,8 Millionen Tonnen Erz und Kohle gelöscht. Das entspricht knapp 20 Prozent der gesamten Eingangstonnage des Hamburger Hafens. Der Umschlagsbetrieb am Sandauhafen ist also ein Gigant unter den Hamburger Terminals.

Er entstand, weil seit den 70-er Jahren die Stahlproduzenten der Salzgitter AG ihre Hochöfen nur noch mit Import-Erz fütterten. Es kam mit mächtigen Bulk Carriern, für die ein Umschlagsplatz gefunden werden musste. 1977 ging HANSAPORT in Betrieb, gemeinschaftlich betrieben von der Salzgitter AG, die bis heute größter Kunde des Terminals ist und 51 Prozent hält, und der HHLA, der 49 Prozent gehören.

Geschäftsführer des Gemeinschaftsunternehmens ist Erhard Meller. Er kam aus dem Herzen der deutschen Montanindustrie und war 1991 noch Betriebsleiter (Elektrotechnik) im Stahlwerk der Salzgitter AG. Der studierte Diplom Ingenieur der Mess-, Regel- und Rechentechnik beschäftigte sich dort mit der Automatisierung von Prozessen. „Ich fand mich plötzlich wieder auf einem Massengutterminal in einer Stadt, in der eigentlich alle mit rechteckigen Augen rumlaufen“, beschreibt er seinen Einstieg bei HANSAPORT mit schmunzelnder Anspielung auf die Containerwelten in seiner Nachbarschaft. Mit 106 Mitarbeitern erwirtschaftete Meller 2010 einen Ertrag von 41 Millionen Euro. Das ist pro Kopf gesehen außerordentlich und bei der Jahrestonnage nur denkbar mit einem ausgeklügelten Automatisierungskonzept.

Gegen das Automatikwunder HANSAPORT verblasst selbst der benachbarte CTA ein wenig. Von der Wasserkante bis in die Güterwaggons der Bahn wandern Kohle und Erz nahezu ohne menschliches Zutun. „Unsere Anlagen arbeiten bis zu 90 Prozent im Automatikbetrieb“, sagt Meller. Lokomotiven, Förderbandstraßen, Schaufelradbagger – alles unbemannt, alles schafft und verortet sich mit Scannern, GPS-Systemen und mit Hilfe von Online-Daten-Netzwerken.

Nur die vier Löschbrücken, die mit einem Griff 25 Tonnen aus dem Schiffsbauch heben, werden noch per Hand gefahren. Aber nicht mehr lange. „Wir haben schon alle vier Brücken über längere Zeiträume gleichzeitig im Automatikbetrieb fahren lassen“, berichtet Meller. „Das Projekt Löschbrückenautomatik wird Ende 2011 abgeschlossen sein.“ Dann löschen sie unbemannt bis zu 110.000 Tonnen Erz und bis zu 70.000 Tonnen Kohle pro Tag.

Daneben bauen automatisierte Schaufelradbagger auf der 350.000m2 großen Lagerflächen ihre Kohle- und Erzberge. Sie verorten sich im Gelände mit Hilfe eines GPS-Systems und ermitteln mit dreidimensional messenden Laser-Scannern die entsprechende Haldengeometrie. „Die Technologie stammt aus der Raumfahrt und wurde dort für das Andocken der Spaceshuttles an die Raumstation entwickelt“, sagt Meller. „Wir haben sie hier erstmals im industriellen Einsatz erprobt und für uns weiter optimiert.“

Vom Lager geht die Reise meist zum terminaleigenen Bahnhof – per Förderbandstraße, versteht sich. Bis zu 15 Züge werden hier pro Tag automatisch abgefertigt – mit bis zu 44 Waggons und einen Gesamtgewicht von bis zu 6.000 Tonnen. Dafür stehen 14 Kilometer Gleisanlage, ein eignes Stellwerk und vier funkferngesteuerte Lokomotiven zur Verfügung. In die Beladestation, einen hohen, grünen Wellblechturm auf dem Gelände, können zwei Züge gleichzeitig einfahren. Im Inneren des Turmes prüfen Scanner den Zustand der Waggons, nehmen deren Daten auf und geben sie online an die Datenbank weiter.  Die bereitet schon einmal die Beladung der Waggons elektronisch vor. Die Belade-Automatik steuert derweil die Lokomotive. Sind alle Waggons erfasst, schiebt die Lok den Zug wieder zurück und lässt dabei jeden Waggon mit der errechneten Menge Kohle oder Erz beladen. Die Bahn holt sich ihren Zug schließlich wieder am Terminal ab und bringt die Fracht zum Beispiel nach Salzgitter.

Besonders nachhaltig reist ein erheblicher Teil der Rohstoffe, nämlich mit dem Binnenschiff nach Hannover, Berlin oder Braunschweig, zu den dortigen Kraftwerken. Natürlich werden auch sie Binnenschiffe automatisch beladen. „Wir brauchen für die Abfuhr der Materialien keinen Meter Straße“, sagt Meller mit Stolz. Wir wollen uns auch lieber nicht vorstellen, was es bedeuten würde, 13,8 Millionen Tonnen Erz und Kohle jedes Jahr auf Deutschlands Straßen herumzufahren.

 
 
 
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