St. Pauli Hafenstraße Kulturelle Straße mit Vergangenheit

Zwischen dem St. Pauli Fischmarkt und den Landungsbrücken verläuft die Hafenstraße mit bewegter Historie. Nur schwer vorstellbar sind heutzutage die bürgerkriegsähnlichen Zustände aus den 1980er Jahren. 

1 / 1

 Hafenstraße Hamburg

Adresse
St. Pauli Hafenstraße
Öffentliche Verkehrsmittel
U3 Haltestelle Landungsbrücken
S1, S3 Haltestelle Landungsbrücken
Buslinie 112 Haltestelle St. Pauli Hafenstraße
Parkplätze
Am Edgar-Engelhard-Kai und in der Van Smissen Straße


Das bunte Viertel direkt am Hamburger Hafen

Das Gebiet rund um die Hafenstraße hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einem beliebten und kulturell vielfältigen Viertel entwickelt. Direkt nebenan befinden sich die Landungsbrücken und der Park Fiction mit Grünflächen und gestalteten Palmen. Damit wurde der Sehnsucht nach einem eigenen kleinen Park für die Bewohner im Quartier entsprochen. Auch der angrenzende Golden Pudel Club ist ein Garant für die Vielfalt im Viertel. Sowohl nationale als auch internationale Künstler sind dort bereits aufgetreten. Im Sommer lockt zudem der sehr beliebte Beach-Club Strand Pauli an der Elbe viele Menschen an. Die Reeperbahn samt Davidwache ist fußläufig zu erreichen. Der Fischmarkt liegt ebenfalls nur wenige Gehminuten von der Hafenstraße entfernt und bietet jeden Sonntagmorgen unter anderem einen erstklassigen Panoramablick über den erwachenden Hamburger Hafen

Die Straße des Terrors

Bei einem Spaziergang durch die heutige farbenfrohe Hafenstraße lässt sich nicht erahnen, welche bürgerkriegsähnlichen Zustände dort in den 1980er Jahren herrschten: Denn in einem Zeitraum von fünfzehn Jahren kam es in der Hafenstraße und der Bernhard-Nocht-Straße zu Hausbesetzungen, Straßenbarrikaden, Festnahmen und Räumungen. Es waren diese Reaktionen des Widerstands gegen den Senat der Stadt, die die Hafenstraße zu einem wichtigen Kapitel der politischen Geschichte der Freien und Hansestadt Hamburg machen.  

Der Ablauf der Besetzungen in der Hafenstraße 

Ausgelöst wurde der Widerstand in 1981 durch illegale Besetzungen leer stehender Häuser in der Hafenstraße, die abgerissen werden sollten. Die acht sanierungsbedürftigen Gründerzeithäuser sollten verschwinden. Neubauten mit bis zu 22 Geschossen waren vorgesehen. Die Besetzer machten durch ein Transparent mit der Aufschrift "Besetzt – Ein Wohnhaus ist kein Abrisshaus" auf sich aufmerksam. Mietverträge über drei Jahre führten zu einer kurzlebigen Entspannung der aufgeheizten Situation. Doch am 20. November 1986 – kurz vor Ablauf der Verträge – gingen rund 12.000 Menschen auf die Straße, um gegen den Abriss der Häuser zu protestieren. Es kam zu schweren Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten. Die späteren Pachtverhandlungen wurden von beiden Seiten als gescheitert angesehen und alles deutete auf eine polizeilich angeordnete Räumung hin. Wochenlang wohnten bis zu 20 Leute in einem Zimmer, um dabei zu sein, wenn die Stadt anrücken würde. Dann kam der Tag und 5.000 Polizisten standen zur Räumung der Gebäude bereit. Tausende Menschen füllten an jenem Novemberabend die Straße. Für die Besetzer stellte der Aufbau von Barrikaden den einzigen Ausweg dar, um die drohende Räumung zu verhindern. Die Lage drohte zu eskalieren. Die Bevölkerung rechnete bei einer Räumung mit Todesopfern.

Das Wunder von St. Pauli

Der ehemalige Bürgermeister Klaus von Dohnanyi handelte gegen den Rat des Senats und bürgte mit seinem Amt für die Durchsetzung eines neuen Pachtvertrags, sofern die Bewohner die Barrikaden binnen weniger Stunden beseitigen würden. Tausende Hamburger entfernten die Befestigungen und es kam schließlich zur Unterzeichnung eines mühsam ausgehandelten Mietvertrages. Für diesen Alleingang wurde von Dohnanyi später die Theodor-Heuss-Medaille verliehen. Ein halbes Jahr später trat Dohnanyi überraschend zurück und der Hafenstraßen-Kritiker Henning Voscherau wurde neuer Bürgermeister. In 1993 wurde der Pachtvertrag der Bewohner der Hafenstraße erneut gekündigt. Überraschend bot Voscherau den Bewohnern im Folgejahr an, auf Räumung und Abriss zu verzichten, wenn die Bebauung von angrenzenden Freiflächen akzeptiert würde. Ohne große Proteste begann der Bau von 55 Sozialwohnungen. Gegen Ende 1995 verkaufte die Stadt die Häuser für rund 2 Millionen Mark an die durch einen Teil der Bewohner eigens zu diesem Zweck gegründete Genossenschaft "Alternativen am Elbufer".

Autor: