Hardy, der Herzenschreiber vom Hamburger DOM Ein Mann mit Herz(en)

Ein DOM ohne Lebkuchenherzen ist wie Schmalzkuchen ohne Puderzucker. Auf dem Hamburger DOM gibt es einen charmanten Mann, der seit über 30 Jahren Wunschherzen mit persönlichen Sprüchen beschriftet. Hartmut Clauß, mit Spitznamen Hardy über seine Arbeit als Herzenschreiber und seinen genialen Freund, der ihm zu seiner Berufung verhalf. 

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DOM-Herzenmaler

Ein Mann mit Herz(en)

"Mein Schatz mit Dir geht jeden Morgen die Sonne auf!", "Dumm stellen schafft Freizeit!", "Nur du und ich ein Leben lang", "Warum heiraten, Leasing ist billiger!": Die Wände des hölzernen Häuschens auf der DOM-Meile hängen voll mit bunten Lebkuchenherzen. Verziert mit weißem und rotem Zuckergussrand, Blumen in grün, blau und gelb, stehen auf allen Herzen Sprüche, die den Betrachter zum Schmunzeln, Lachen oder Nachdenken bringen. Die weiße Schrift kommt auf dem braunen Lebkuchenhintergrund ideal zur Geltung. Der rund vier Quadratmeter große Raum ist erfüllt von einem süßlichen Duft. Es ist 13 Uhr, um diese Uhrzeit hat der DOM noch geschlossen. Die ersten Rollläden der Schausteller werden hochgezogen, Waren an Grillbuden, Schänken und Süßigkeitenstände ausgeliefert. Bis zur Dom-Eröffnung um 15 Uhr treffen die DOM-Schausteller Vorbereitungen für den langen Arbeitstag, der sich für viele bis in die späte Nacht zieht. 

So gelingt die Zuckermasse

So auch der Mann, der inmitten der vielen Herzen steht. Er ist schlank, hat grau melierte Haare, eine hohe Stirn und vor allem ein einnehmendes sympathisches Lächeln, mit dem allein er schon jedes Herz gewinnen könnte. Vor sein blau kariertes Hemd hat er eine lange schwarze Schürze gebunden und rührt gerade die Zuckermasse für den Guss an. "Man nennt mich Hardy, den Herzenschreiber!". Für die Masse benötigt er nur zwei Zutaten. Zunächst erwärmt er Eiweiß im Wasserbad und schlägt es schaumig, dann fügt er langsam Puderzucker hinzu. Die Zuckerpaste rührt er so lange, bis sie die richtige Konsistenz zum Beschriften der Herzen hat. Das Ganze füllt Hardy in einen Metallbehälter, der über einen Schlauch und eine Luftdruckpistole verfügt. Ein kleiner Heizautomat unter dem Tresen sorgt dafür, dass die Masse immer gleich warm bleibt und sich unabhängig vom Wetter gut schreiben lässt. 

Vom Lackierer zum Herzenschreiber

Hardy, der eigentlich Hartmut Clauß heißt aber seinen Spitznamen viel netter findet, ist über mehrere Ecken an seine Berufung gekommen. Der Bramfelder ging mit 16 Jahren in die Ausbildung zum Autolackierer. 10 Jahre übte er diesen Beruf aus, bevor er in eine Schaustellerfamilie heiratete, die einen Zuckerwagen besaß. Nachdem immer mehr Kunden nach anderen Herzenssprüchen als die auf den gängigen DOM-Herzen fragten, baute ein guter Freund eine Maschine. Mit Bewunderung erinnert sich Hardy an seinen Freund: "Er war ein echtes Genie, konnte mehrere Sprachen und konnte wirklich alles bauen. Inzwischen ist er am Theater als Kulissenbauer angestellt!" Vier Jahre lange habe sein Freund während des DOMs die Herzen mit liebevollen und lustigen Sprüchen beschriftet. "Als er dann etwas anderes machen wollte, musste ich nun Herzen schreiben", sagt er mit einem Lachen auf den Lippen. So ist Hardy, der Herzenschreiber zu der Tätigkeit gelangt, die er von über 50 DOM-Jahren seit mehr als 30 Jahren mit ganzem Herzblut ausübt. Er ist der einzige Herzenschreiber auf dem Hamburger DOM.

Von Deutsch bis Chinesisch

Zwei Herzgrößen stehen zur Auswahl: 1200 und 400 Gramm. Doch egal wie groß - Hardy gibt sich bei allen Beschriftungen gleich viel Mühe. Vorsichtig schneidet er an den Seiten die Plastikfolie des Lebkuchenherzes auf und klappt sie um. Mit Präzision verteilt er die Buchstaben gleichmäßig und wie auf einer Linie in der Herzform. Kein Fehler, keine Korrektur, jeder Spruch gelingt auf Anhieb. In allen Sprachen habe er schon auf die Herzen geschrieben: auf Polnisch, Türkisch, Spanisch, Kroatisch und mehr. Voll Erstaunen stellte ein Reporter aus China einmal fest "Sie schreiben ja besser Chinesisch als ich!" und einen arabischsprachigen DOM-Besucher belehrte er einmal eines Besseren, als dieser behauptete, Arabisch könne man nur von rechts nach links schreiben: "Das geht, wart's mal ab, von links nach rechts geht auch." Mit ruhiger Hand und gleichmäßiger Stärke schreibt Hardy die Sprüche der Kunden auf die Herzen.

Herzen mit Individualität

"Ich liebe dich auf einem DOM-Herz bekommt man überall. Bei mir gibt es Herzen mit Namen und zu persönlichen Anlässen wie Hochzeiten und Geburtstagen." Neben den täglichen DOM-Besuchern übernimmt Hardy kleinere Aufträge von Firmen. Wunschherzen hat Hardy auch schon für viele Berühmtheiten wie Heidi Kabel, Freddy Quinn, Ilse Werner oder Nana Mouskouri gestaltet. Daran erinnert ein Film auf einem Monitor an der Rückwand des Häuschens. Natürlich weiß Hardy viele Anekdoten zu erzählen. So habe ihn mal ein Ehemann um die Aufschrift gebeten "Ich habe dich lieb, auch wenn du ganz schön hässlich bist". Als die Frau das Herz entgegennahm, habe sich ihre Freude schnell in Zorn verwandelt und sie zerschlug das Herz auf dem Kopf ihres Mannes. "Hat er auch verdient...", kommentiert Hardy mit einem schelmischen Lächeln. 

Sein Leben als Herzenmaler

In über 30 Jahren als Herzenmaler war Hardy kein einziges Mal krank. "Die Vertretung ist mein Kanarienvogel", antwortet Hardy auf die Frage, wer ihn denn bei einem Ausfall mal vertrete. "Jeden Tag stehe ich hier ab 11 Uhr und schreibe Herzen. Ich bin 73 Jahre und möchte damit nicht aufhören. Das Herzenschreiben ist mein Leben und ich möchte es so lange machen wie es geht." Als das Herz fertig beschriftet ist, verziert er es noch mit einem Smiley. Anschließend verschließt er das Herz erneut mit der Plastikfolie und klebt es mit Tesafilm zu. Es sieht aus als wäre es nie aufgemacht worden. Für den sicheren Transport legt er noch eine Pappe obendrauf und verstaut es in einer wasserfesten Tüte. 

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Ein DOM ohne Lebkuchenherzen ist wie Schmalzkuchen ohne Puderzucker. Auf dem Hamburger DOM gibt es einen charmanten Mann, der seit über 30 Jahren Wunschherzen mit persönlichen Sprüchen beschriftet. Hartmut Clauß, mit Spitznamen Hardy über seine Arbeit als Herzenschreiber und seinen genialen Freund, der ihm zu seiner Berufung verhalf. 
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