Reeperbahn Mehr als nur ein Rotlichtviertel

Auf der Hamburger Reeperbahn reihen sich Gastronomie, Bars, Theater, Diskotheken und Nachtclubs aneinander. Die bekannteste Ausgehstraße der Stadt inklusive ihrer Nebenstraßen ist der erste Anlaufpunkt für viele Nachtschwärmer und bietet viel Sehenswertes. 

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Reeperbahn in Hamburg

Adresse
Reeperbahn 1, 20359 Hamburg
Öffentliche Verkehrsmittel
U3 Haltestelle St. Pauli
S1, S2, S3 Haltestelle Reeperbahn
Parkplätze
Reeperbahn-Garagen, Spielbudenplatz 5

Hamburger Kiez

Im Gegensatz zum Sprachgebrauch in Berlin gibt es für Hamburger nur einen Kiez: das Vergnügungsviertel im Stadtteil St. Pauli rund um die sündigste Meile der Welt. Der Hamburger Kiez besteht grob umrissen aus der Reeperbahn, der Großen Freiheit, dem Hamburger Berg und dem Hans-Albers-Platz – zumindest in Bezug auf das Ausgehen am Abend. Am Tag erscheint der Kiez eher ruhiger und lädt ins ein oder andere Café ein. Doch mit einsetzender Dämmerung werden die Reeperbahn und die angrenzenden Straßen und Plätze zum Leben erweckt: Einheimische und Touristen gleichermaßen besuchen dann das bekannteste Ausgehviertel der Stadt. Leuchtende Schriftzüge blinken um die Wette, die angesagten Clubs öffnen und Pubs locken mit Live-Musik. Je später der Abend, desto voller die Straßen und ausgelassener die Menschen. So ist es schwer vorzustellen, dass die historische Reeperbahn ursprünglich ein Ort der Ausgestoßenen vor den Stadttoren Hamburgs war. 

Die Beatles auf der Großen Freiheit

In der Großen Freiheit, einer Seitenstraße zur Reeperbahn, wurde in den 1960er Jahren Musikgeschichte geschrieben, denn die Beatles hatten dort ihre ersten Auftritte. Zuerst im Club Indra, der nach einigen Umbauten heute noch geöffnet ist, dann im immer noch existierenden Kaiserkeller in der Großen Freiheit 36 und im berühmten Star Club, an den nur noch eine Gedenktafel erinnert. Mit dem einer Schallplatte nachempfundenen Beatles-Platz wurde der britischen Band in der Einmündung zur Großen Freiheit ein Denkmal gesetzt. Bis Ende Juni 2012 wurde im Beatlemania Museum zudem an den Werdegang der Beatles erinnert.

Zur Ritze

Eine der bekanntesten und ältesten Lokalitäten auf der Hamburger Reeperbahn ist die fensterlose, aber dennoch urige Kneipe Zur Ritze. In deren Keller hat sich der verstorbene Wirt Hanne Kleine Mitte der 70er Jahre einen eigenen Boxring einbauen lassen, da er früher selbst Boxer in der DDR-Nationalmannschaft war. Die Ritze ist ein letztes Überbleibsel des ursprünglichen St. Paulis und stellt einen augenscheinlichen Kontrast zu neueren Gebäuden in der Umgebung dar. Der Großstadtrevier-Schauspieler Jan Fedder und die Travestiekünstlerin Olivia Jones sind langjährige Fans der Kneipe.

Molotow

Ein über die Landesgrenzen hinaus bekannter Club ist das Molotow. Zu den Bands, die – oft vor ihrem kommerziellen Durchbruch – im Molotow gespielt haben, zählen The White Stripes, Die Toten Hosen, The Hives, Bright Eyes, Wir sind Helden, Mando Diao und The Killers. Gegründet im Jahr 1990 in einem Laden innerhalb der Esso-Häuser am Spielbudenplatz, musste das Molotow im Dezember 2013 aufgrund von Einsturzgefahr des Gebäudekomplexes schließen. Konzerte und Veranstaltungen wurden ausgelagert, ein vorübergehendes Exil fand der Club an der Holstenstraße. Im September 2014 bezog das Molotow die ehemaligen Räumlichkeiten der China Lounge am Nobistor, wo es bis zu der geplanten Rückkehr in einen Neubau am Spielbudenplatz residiert.

Auf der Reeperbahn nachts um halb eins…

Die Reeperbahn ist Dreh- und Angelpunkt des Hamburger Nachtlebens im Viertel von St. Pauli. Denn wie hat schon Hans Albers gesungen: "Auf der Reeperbahn nachts um halb eins, ob du n' Mädel hast oder auch keins, amüsierst du dich, denn das findet sich, auf der Reeperbahn nachts um halb eins". Auch Udo Lindenberg, der in Anlehnung an Hollywoods Walk of Fame als einziger Künstler einen Stern auf der langen Straße besitzt, besingt mit Jan Delay die Reeperbahn als "geile Meile". Dies sind nur zwei von vielen weiteren musikalischen Beispielen. Zudem ist Hamburgs bekannteste Straße Schauplatz in vielen Filmen, darunter "Der letzte Lude" aus dem Jahr 2003 und "St. Pauli Nacht" von 1998. Die Filme "Auf der Reeperbahn nachts um halb eins" von 1954 und "Große Freiheit Nr. 7" aus dem Jahr 1944 gehören zu den Klassikern der Filmgeschichte.

Erotik, Striptease und Burlesque

Was die Reeperbahn von anderen Ausgehvierteln mit Bars und Diskotheken unterscheidet? Hier werden vor allem die Herren von Besitzern ganz gewisser Etablissements angesprochen und ins Ladeninnere eingeladen. Leicht bekleidete Damen tanzen an den Stangen und versprechen dabei eine gute Show. Nachtclubs wie Susis Show Bar oder das Dollhouse sind Instanzen auf dem Hamburger Kiez, in dem sowohl Frauen als auch Männer strippen. Im Queen Calavera, Deutschlands erster Burlesque-Bar, legen Frauen in der Gerhardstraße ihre Kleider mit einem kleinen Tanz und viel Koketterie ab. 

Prostituierte und die Herbertstraße

In den Schaufenstern der Herbertstraße sitzen Frauen und bieten ihre Dienste an. Die Bordellstraße ist an beiden Enden mit Sichtblenden abgesperrt, nur zu Fuß durchlaufbar und der Zugang bleibt sowohl Minderjährigen als auch Frauen verwehrt. Außerdem stehen ebenfalls auffällig gekleidete Frauen an der Davidstraße, gegenüber der Davidwache, und am unteren Teil des Hans-Albers-Platzes.

Wachsfigurenkabinett Panoptikum

Im Panoptikum am Spielbudenplatz werden auf drei Etagen über 130 Figuren von historischen Persönlichkeiten in wertvollen Kostümen, internationale Berühmtheiten und Hamburger Stars in Wachs ausgestellt – darunter Elvis und Michael Jackson. Ebenso sind eine Gruselszene und ein sogenanntes medizinisch-historisches Kabinett vorhanden. Das Hamburger Panoptikum erinnert durch Ausstellungsfläche und Inszenierung an die Ursprünge der Wachsfigurenkabinette. Es ist Deutschlands ältestes und größtes Wachsfigurenkabinett. Gegründet wurde es in 1879 von dem Holzbildhauer Friedrich Hermann Faerber und ist seitdem in Familienbesitz.

Musical und Theater auf der Reeperbahn

Musicalbegeisterte kommen bei Vorstellungen im Operettenhaus auf ihre Kosten. Dort wurde bis 2001 das Musical "Cats" auf Deutsch uraufgeführt, das Abba-Musical "Mamma Mia" folgte von 2001 bis 2007. Anschließend spielte dort das Musical "Ich war noch niemals in New York" von Udo Jürgens, welches von "Sister Act" abgelöst wurde. Zwischen November 2012 und August 2015 wurde im Operettenhaus "Rocky – fight from the heart" gespielt. Ab Oktober 2015 gibt es hier den "Phantom der Oper"-Nachfolger "Liebe stirbt nie" zu sehen. Theaterliebhaber sollten das Schmidt Theater oder Schmidts Tivoli aufsuchen. Ein Dauerbrenner ist das Stück "Heiße Ecke", das erstmals in 2003 im Tivoli auf die Bühne gebracht worden ist. Auch das sich neben der Davidwache befindende St. Pauli Theater bietet eine weite Bandbreite an unterschiedlichen Inszenierungen. Es ist das älteste Theater in Deutschland und nicht nur die Außenfassade, sondern auch der Zuschauerraum steht unter Denkmalschutz. 

Tanzende Türme

Im August 2012 eröffneten an der Reeperbahn 1 die Tanzenden Türme – auf der Fläche einer ehemaligen Bowlingbahn und des Tanzlokals Trichter. Die Idee hinter dem Entwurf der geknickten Fassadenkonstruktion ist laut dessen Architekt Hadi Teherani eine Assoziation an ein Tango tanzendes Paar oder vielleicht auch an die X-Beine einer Prostituierten, die auf dem Kiez nach Freiern Ausschau hält. Durch die moderne Architektur des Gebäudes und die daraus zu stark entstandene Veränderung des Viertels geriet das Projekt bei Anwohnern in Kritik. Die Innenräume werden größtenteils als Büroflächen genutzt. Mit dem Reeperbahn Radio und dem Mojo Club im Erdgeschoss besitzt das Gebäude zudem zwei weitere Nutzungen. Im obersten Stockwerk befindet sich das Clouds – ein Restaurant mit Bar und toller Aussicht über die Reeperbahn und den Hafen.

St. Pauli Nachtmarkt

Der St. Pauli Nachtmarkt auf dem Spielbudenplatz ist ein ganz besonderer Wochenmarkt. Denn er öffnet jeden Mittwoch von 16 bis 22 Uhr seine Pforten. In den Sommermonaten sogar eine Stunde länger. Somit haben auch diejenigen eine Chance auf frische und regionale Produkte, die die morgendlichen Wochenmärkte der Stadt nicht aufsuchen können. Neben der Möglichkeit frisch zubereitete Gerichte zu kaufen, können die Besucher des Markts bei einem Cocktail entspannende Live-Musik in einem der Liegestühle genießen.

Reeperbahn Festival

Seit dem Jahr 2006 findet das mehrtägige Reeperbahn Festival gegen Ende September statt. Konzerte und Kunstveranstaltungen locken dabei immer viele Besucher an. Das Festival zählt zu den drei wichtigsten Treffpunkten der Musik- und Kreativwirtschaft auf europäischem Boden. Weitere jährlich stattfindende Großveranstaltungen sind der Schlagermove Anfang Juli und die Harley Days, deren Route stets mit einer Fahrt über die Reeperbahn endet.

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