Hamburger Reeperbahn
von Andres Lehmann
Öffentliche Verkehrsmittel:
S1 und S3 Haltestelle Reeperbahn, U3 Haltestelle St. Pauli
Buslinie 112, Schnellbusse 36 und 37 HVV-Fahrplanauskunft
Parkplätze: Reeperbahn-Garagen, Spielbudenplatz 5
Wer kennt ihn nicht, den von Hans Albers gesungenen Liedtext: "Auf der Reeperbahn nachts um halb eins..."
Die Betonung jedoch liegt auf nachts. Wer am Tage über den Hamburger "Kiez" läuft, findet eher eine ruhige Meile mit einigen Geschäften vor. Und wundert sich womöglich über viele geschlossene Türen.
Doch wenn es dunkel wird, dann tobt das Leben auf St. Pauli: Leuchtende Schriftzüge allerorten blinken um die Wette. Die angesagten Clubs entlang der Reeperbahn und am Hamburger Berg öffnen, Irish-Pubs am – natürlich – Hans-Albers-Platz locken mit Live-Musik.
Und geschäftige Herrschaften in Anzügen sprechen vor ihren "Läden" im Vergnügungsviertel gerade die Herren der Schöpfung an: "So hier Jungs, mal reinkommen und was erleben!"
Auf der Reeperbahn pulsiert zu nächtlicher Stunde das Leben.
Ihren Namen hat die Reeperbahn von Seil- und Taumachern erhalten, so genannten Reepschlägern, die eine lange Bahn für die Herstellung von Schifftauen benötigten.
Wenn in Hamburg vom "Kiez" die Rede ist, dann ist die Reeperbahn und von ihr abgehende Straßen gemeint.
Die Vergnügungsstraße verläuft vom Millerntor zum Nobistor.
Auf dem Kiez floriert das älteste Gewerbe der Welt.
Nur auf der Reeperbahn gibt es zwei Supermärkte, die sogar an Wochenenden und Feiertagen bis 23 Uhr geöffnet sind. Die Straße gilt als Sonderzone mit erhöhtem touristischen Durchgangsverkehr.
Allzeit bereit stehen die Taxis. Sie sind notwendig, schließlich gilt auch auf der Reeperbahn: Don't drink and drive.
Auf dem Weg zur Großen Freiheit
Im Herz von St. Pauli ist Paartanz angesagt
Tagsüber wirkt die etwa 930 Meter lange Vergnügungsmeile recht "unschuldig".
Berühmt und berüchtigt: Die Reeperbahn hat ihren ganz eigenen Charme.
Die Freiheit nehm' ich mir
In der Großen Freiheit, die von der Reeperbahn abzweigt, wurde Musikgeschichte geschrieben: Hier hatten die Beatles ihre ersten Auftritte auf deutschem Boden. Im Club Indra, der nach einigen Umbauten noch immer besteht, rockten die Briten Anfang der 60er Jahre allabendlich.
Auch im immer noch existierenden Kaiserkeller und im Star Club, an den nur noch eine Gedenktafel erinnert, spielten die "Fab Four" groß auf.
Mit dem einer Schallplatte nachempfundenen Beatles-Platz wurde der Combo in der Einmündung zur Großen Freiheit zudem ein Denkmal gesetzt und mit dem unweit gelegenen "Beatlemania" ein ganzes Museum gewidmet.
Großes Theater
Nachtclubs wie das Dollhouse gehören ebenfalls zum Kiez. Leicht bekleidete Damen räkeln sich an Stangen – so manch' Truppe eines Junggesellenabschieds kann davon ein Lied singen.
Es kommt auch schon mal vor, dass sich zuweilen zwei gegenseitig stützende Jugendliche lallend nach einem weiteren bekannten Straßenzug erkundigen: "Excuse me, where do we find the Herbert-Street?"
Die Herbertstraße unweit der Reeperbahn wird zur Prostitution genutzt: Frauen sitzen in Schaufenstern und bieten ihre Dienste an. Die Straße ist an beiden Enden mit Barrieren abgesperrt und der Zugang bleibt Minderjährigen und Frauen verwehrt.
Was zum Gucken – aber nicht Anfassen – gibt es auch im Panoptikum am Spielbudenplatz. Im Wachsfigurenkabinett auf drei Etagen kann sich unter anderem vor dem King of Rock'n'Roll und des Pops verneigt werden.
Für viele Musicalfreunde geht im Operettenhaus der Vorhang auf und Theaterliebhaber finden sich im Schmidts Tivoli oder St. Pauli Theater ein.
Die Vorstellung auf der Reeperbahn indes endet erst in den Morgenstunden.
Denn wie hat Hans Albers doch weiter gereimt: "Ob Dun' Mädel hast oder hast keins, amüsierst Du Dich, denn das findet sich, auf der Reeperbahn nachts um halb eins."
Weitere Sehenswürdigkeiten
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