Bezirk Harburg

Interessenbekundungsverfahren Regionale Kooperation Schule und Jugendhilfe


Regionale Kooperation Schule und Jugendhilfe

Interessenbekundungsverfahren zur Vergabe einer Zuwendung für eine regionale Kooperation zwischen Schule und Jugendhilfe für die Bildung und Betreuung von Kindern mit besonders herausforderndem Verhalten mit der Methode der Familienklasse

1.    Anlass und Kooperationspartner
Auf der Basis der Rahmenvereinbarung   sucht das Bezirksamt Harburg – Fachamt Jugend- und Familienhilfe einen geschäftsführenden Träger der Jugendhilfe in der Region Süderelbe für eine regionale Kooperation mit dem Allgemeinen Sozialen Dienst (ASD) Süderelbe, dem Regionalen Bildungs- und Beratungszentrum (ReBBZ) Süderelbe und den Schulen Am Johannisland und An der Haake. 
Es handelt sich dabei um ein in die Regelschule integriertes und individualisiertes Unterstützungsangebot für 6 Schülerinnen und Schüler durch ein multi-professionell und multi-institutionell zusammengesetztes Team. Dazu stehen eigene Räume in den jeweiligen Schulen  zur Verfügung.
Kooperierende Schulen sind:

•    GS Am Johannisland
•    GS An der Haake

Die Grundschule An der Haake ist eine Schwerpunktschule. Die Schule arbeitet inklusiv, d.h. es werden Kinder mit sonderpädagogischen Förderbedarfen in allen Klassen integrativ beschult. 
Die Klassen 1-4 werden als teilgebundene Ganztagsschule geführt, darüber hinaus bietet die Grundschule An der Haake den Kindern des Jahrgangs VSK ein offenes Ganztagsangebot an.
Gelegen ist sie in einem Einzugsgebiet mit dem Sozialindex 2, d.h. viele Kinder kommen aus Familien mit sozial schwachem Hintergrund und/ oder Familien nichtdeutscher Muttersprache. Zurzeit besuchen 380 Schülerinnen und Schüler die vierzügige Grundschule. Weiterhin wurden eine Basis-Klasse und zwei Internationale Vorbereitungsklassen (IVK) eingerichtet.

Die Ganztagsgrundschule Am Johannisland ist Teil des geplanten Bildungszentrums "bgz süderelbe" und eine gebundene Schule. 
Daraus folgt eine systematische und konzeptionell erfasste Vernetzung und Zusammenarbeit mit benachbarten Schulen und Institutionen des Stadtteils.
390 Schülerinnen und Schüler besuchen die vierzügige Schule. Es gibt vier Vorschulklassen und zwei internationale Vorbereitungsklassen. 

Konzept Familienklasse Zielgruppen 
Die Familienklasse basiert auf dem Ansatz die Eltern in die Verantwortung zu ziehen und diese am Lösungsprozess vor Ort zu beteiligen, ganz in dem Sinne „Unterstützung zur Erziehung“ in einem multiprofessionellen Team. Durch die professionelle Arbeit der Lehrkraft und des Jugendhilfe-trägers soll ein Transfer in Richtung Eltern erwirkt werden, der sich positiv auf die häusliche Situation auswirkt und nachhaltig einen positiven Trend der Erziehungsmaßnahmen und somit der emotionalen und sozialen Entwicklung des Kindes ermöglicht.   
Zielgruppe der Familienklasse
Die Familienklasse ist ein Modell für Grundschulkinder, die aufgrund von Bindungsschwäche, man-gelnde Kompetenz in zwischenmenschlichen Beziehungen, geringer Frustrationstoleranz, fehlender Ausdauer und Geduld, Regelverletzungen, Respektlosigkeit und/oder Gewalt nicht erfolgreich am Regelunterricht teilnehmen können und bei denen die bislang durchgeführten Interventionsversuche (reguläre sonderpädagogische Förderung, Insel, Elterngespräche, Schulbegleitung) ohne Erfolg blieben. 

Ziele der Familienklasse
Das vorrangige Ziel der Familienklasse besteht darin, die Eltern in ihrer Erziehungskompetenz zu stärken und zu fördern und im Ansatz verfestigende Schulverweigerung oder umfassenden Misserfolg ihres Kindes zu vermeiden. Die gewohnten Strukturen der Schule geben den Kindern Sicherheit. Sie müssen nach erfolgreicher Teilnahme nicht neu in den Regelschulbetrieb integriert werden. Die gestärkte Erziehungskompetenz der Eltern soll den Kindern Vertrauen schenken und ihre emotionale und soziale Entwicklung positiv bedingen, so dass die Schülerinnen und Schülern ihre Lern- und Leistungsbereitschaft steigern können. Im Rahmen der Aufgaben des Jugendhilfeträgers werden die in der Schule erarbeiteten Lösungswege in das System Familie durch wöchentliche Arbeit im häuslichen Umfeld transferiert.
Rahmenbedingungen der Familienklasse
Die Klasse besteht aus maximal sechs Kindern, die in Begleitung mindestens eines Elternteils kom-men. Hierfür steht an zwei festen Tagen der Woche ein separater Klassenraum zur Verfügung. Der Klassenraum der Familienklasse bietet ausreichend Platz für verschiedene angewandte Sozialformen (Sitzkreis, Arbeit am Platz, Bewegungspausen, etc.). In der Familienklasse arbeitet eine pädagogische Kraft der Schule mit einer  MA der Jugendhilfe zusammen. Voraussetzung hierfür ist, dass die Person einen Einblick in die jeweilige Problematik der Familie hat. Die pädagogische Kraft der Familienklasse erhält feste Zeiten für den regelmäßigen Austausch mit dem jeweiligen Team der Stammklasse. So wird sichergestellt, dass alle am Prozess beteiligten Personen das gleiche Ziel verfolgen und die erarbeiteten Strukturen schon vor Beendigung der Familienklassenzeit auch in den Regelunterricht einfließen können. Der zeitliche Umfang der Arbeit in der Familienklasse stellt sich wie folgt dar:

Zeit/Tage

Montag

Mittwoch

8:00 - 9:40 Uhr

Unterricht in der Regelklasse (inklusive Frühstück)

Unterricht in der Regelklasse (inklusive Frühstück)

9:40 - 10:00 Uhr

Reguläre Hofpause

Reguläre Hofpause

10:00 - 11:30 Uhr

Unterricht in der Familienklasse Teil 1

Unterricht in der Familienklasse Teil 1

11:30 – 12:00 Uhr

Mittag der Familienklasse

Mittag der Familienklasse

12:00 – 12:30 Uhr

Hofpause der Familienklasse

Hofpause der Familienklasse

12:30 – 13:30 Uhr

Unterricht in der Familienklasse Teil 2

Unterricht in der Familienklasse Teil 2

13:30 – 14:00 Uhr

Reguläre Hofpause

Reguläre Hofpause

14:00 – 15:30 Uhr

Unterricht in der Regelklasse

Unterricht in der Regelklasse

2.    Zugänge zur Kooperation

Voraussetzung für den Zugang: schulinterne Maßnahmen, die Bildungs- und Beratungsangebote der ReBBZ sowie die im Rahmen der Ganztagsschule entwickelten Regelangebote der Jugendhilfe haben  nicht zu einer Stabilisierung der Schulsituation beigetragen. Die Teilnahme am schulischen Leben ist nicht mehr gewährleistet. 
Die Zugänge erfolgen im Einzelfall über das zuständige ReBBZ (in Absprache mit den kooperierenden Schulen) und den zuständigen ASD.
Die Plausibilitätsprüfung obliegt dem ReBBZ (Kontaktaufnahme zur meldenden Stammschule, zu den Eltern, Beobachtung des Kindes im Unterricht, Kontaktaufnahme mit den kooperierenden Schulen). 

Die endgültige Entscheidung zur Aufnahme treffen gemeinsam das zuständige ReBBZ und die zuständige ASD-Abteilung. Bei der Entscheidungsfindung sind die beteiligten Schulen sowie der Träger, der für die Umsetzung der Maßnahmen beauftragt wurde, mit einzubeziehen.


3.    Formale und fachliche Anforderungen 
Der Träger ist in der Jugendhilferegion Süderelbe mit eigenen Angeboten gut verankert und er ver-fügt über fundierte Kenntnisse über die in der Region liegenden Sozialräume. Er kooperiert mit dem ASD Süderelbe dem ReBBZ Süderelbe und den kooperierenden Schulen. Sehr wünschenswert sind außerdem Kooperationen mit der Offenen Kinder- und Jugendarbeit und der Familienför-derung. 
Der Träger orientiert in Zusammenarbeit mit den Kooperationspartnern an den Inhalten des Angebotes Familienklasse.

Ein Schwerpunkt der Arbeit des Jugendhilfeträgers  ist die Elternarbeit:

Parallel zu den individuellen Hilfe- und Förderangeboten für die Kinder und Jugendlichen erfolgt eine zwischen allen Kooperationsbeteiligten abgestimmte, intensive Elternarbeit, über die die Eltern möglichst aktiv in die schulische Förderung ihrer Kinder mit einbezogen werden.
Gleichzeitig sollen die Erziehungskompetenzen der Eltern hergestellt oder wieder hergestellt werden. 

Die Elternarbeit erfolgt
•    In den Unterrichtszeiten der Familienklasse
•    durch jeweils einen Hausbesuch pro Woche, um die in der Familienklasse erarbeiteten Prozesse in den Familienalltag zu integrieren
•    in Einzelgesprächen sowohl mit einigen Familienangehörigen als auch mit der gesamten Familie.

Ziele der Elternarbeit sind:
•    Verstetigung der erarbeiteten Prozesse aus dem Schulbereich im Lebensalltag der Familien
•    Befähigung der Eltern, ihre Kinder im schulischen Bereich zu unterstützen

Folgende Prinzipien des fachlichen Handels liegen der Elternarbeit zu Grunde:
•    Förderung der Kooperation der Familien von Beginn an
•    Größtmögliche Akzeptanz der Autonomie der Familien - die Eltern sind Experten ihrer Kinder und ihrer familiären Themen
•    Sichtweise der Familie als Ganzheit, deren Beziehungen sich nach spezifischen Regeln gestalten (systemische Sichtweise)
•    Orientierung auf die ggf. durch Krisen und Belastungen überlagerten Fähigkeiten der Familien im Rahmen ressourcenorientierter Arbeit (Empowerment).

4.    Qualitätssicherung, Dokumentation und Evaluation
Der Träger sorgt für eine gute Einbindung seiner Fachkräfte in seiner und der schulischen Organisation. Zur fachlichen Weiterentwicklung sorgt er für die Teilnahme an Fortbildungen bzw. gemeinsamen Fortbildungsmaßnahmen mit den Kooperationspartnern, für die Teilnahme an gemeinsamer Fallreflexionen, Supervision und Praxisberatung vor Ort. 
Für die Kooperation gelten folgende Erfolgskriterien:
•    Teilnahme der Schülerinnen und Schüler an der Familienklasse und an den Regelunterrichtsangeboten gemäß Förder- und Hilfeplanung 
•    schulische Stabilisierung der Kinder und Jugendlichen gemäß Förder- und Hilfeplanung (Meilensteine)
•    aktive verbindliche Mitarbeit der Eltern gemäß Absprachen
Berichtswesen / Dokumentation
Der Jugendhilfeträger ist verpflichtet, am Ende eines Schuljahres am gemeinsamen Bericht der Kooperationspartner mitzuwirken. Form und Inhalte dieses Berichtes werden Hamburg weit einheitlich entwickelt und vorgegeben. Neben der Erfassung und Auswertung personeller und soziodemografischer Daten der teilnehmenden jungen Menschen werden auch die Erfolgskriterien und Unterstützungsleistungen erfasst und bewertet.
Des Weiteren ist der Träger verpflichtet gemäß dem Berichtswesen SHA zu berichten.


5.    Finanzierung
Die Finanzierung der Familienklassen erfolgt aus Mitteln des ReBBZ und der kooperierenden Schulen sowie durch das Bezirksamt Harburg, Fachamt Jugend- und Familienhilfe. Pro Jahr steht  dem Träger eine Zuwendung in Höhe von 56.000 Euro für Personalmittel zur Verfügung. Mit den Mitteln sollen zwei 0,5 Stellen Sozialpädagogen geschaffen werden. 
Sachmittel, evt. notwendige Honorarkosten etc. werden aus den Ressourcen der Schulen gestellt. 
Dazu stellt der Träger einen Zuwendungsantrag beim Bezirksamt Harburg mit konkretem Bezug zur Zielgruppe und den Leistungen. 

6.    Bewerbungsvoraussetzungen 
Den Zuschlag kann ein Träger erhalten, wenn er 
•    eine detaillierte und aussagekräftige, mit den Kooperationspartnern abgestimmte, in sich schlüssige Konzeption zur Umsetzung der formalen und fachlichen Anforderungen mit Aus-sagen zur Qualitätssicherung, Dokumentation und Evaluation eingereicht hat,
•    über einschlägige Kenntnisse und Erfahrungen mit sehr sozialbelasteten Familien mit Kindern und Jugendlichen mit besonders herausfordernden Verhalten verfügt,
•    Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Schule nachweisen kann und Personal einsetzt, das über fundiertes sozialpädagogisches und sozialtherapeutisches know how verfügt und vielfältige Methoden zum Einsatz bringen kann,
•    mit eigenen Angeboten sehr gut in der Jugendhilferegion Süderelbe vernetzt ist, und auf gute Kontakte zu den in der Region tätigen Institutionen und Träger zurückgreifen kann,
•    durch seinen Geschäftsbetrieb die fachliche Qualität und die gebotene Quantität seiner Leistungen gewährleistet und über eine hinreichende technische und organisatorische Ausstattung verfügt.
•    der Finanzierung zustimmt.


7.    Fristen
Der Antrag und die vollständigen Bewerbungsunterlagen sind bis spätestens 12.03.2018 bei folgender Dienststelle einzureichen: 
Bezirksamt Harburg
Fachamt Jugend- und Familienhilfe 
Region Süderelbe
Neugrabener Markt 5
21149 Hamburg.

Maßgebend ist das Datum des Eingangsstempels des Bezirksamtes Harburg.


8.    Auskünfte
Für Rückfragen  wenden Sie sich bitte an Herrn Hinrichs unter +49 40 42871-5306.
Für Rückfragen, die den schulischen Bereich betreffen, wenden Sie sich bitte an Frau Michaelis unter +49 40 428 89-304.