Heiligengeistfeld Hamburgs „Festwiese“

Das Heiligengeistfeld auf St. Pauli beherbergt ein Fußballstadion, einen Hochbunker und drei Mal im Jahr findet das Volksfest Hamburger Dom statt.

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Heiligengeistfeld in Hamburg

Adresse
Heiligengeistfeld, 20359 Hamburg
Öffentliche Verkehrsmittel
U3 Haltestelle Feldstraße
U3 Haltestelle St. Pauli
Parkplätze
Parkplatz Heiligengeistfeld, Feldstraße Ecke Glacischaussee

50 Hektar im Stadtteil St. Pauli

Ist ein rund 50 Hektar großer Platz auf St. Pauli eine Sehenswürdigkeit? Das Heiligengeistfeld schon! Es wird im Osten von Planten un Blomen, im Westen von den Wohngebieten von St. Pauli und im Norden vom Schanzenviertel und Karolinenviertel begrenzt. Auf dem Gelände befindet sich neben dem Millerntor-Stadion des FC St. Pauli auch die in 2014 neu eröffnete Rindermarkthalle und ein ehemaliger Luftschutzbunker aus dem Zweiten Weltkrieg. In unmittelbarer Reichweite befindet sich auch die Reeperbahn.

Das größte Volksfest in Norddeutschland

Der rund 30 Hektar große östliche Teil des Geländes ist unbebaut und dient als Veranstaltungsgelände. Im Frühling, im Sommer und im Winter stürzen sich viele Hamburger und Touristen auf dem Hamburger Dom ins Vergnügen. Über 250 Schausteller bieten auf der 160.000 Quadratmeter großen Fläche wilde Runden in ihren Fahrgeschäften an. Vom Riesenrad genießt der Besucher die Aussicht auf die umliegende Skyline. Losbuden, Imbisse und Stände mit Naschwerk runden das vergnügliche Angebot ab.

Public Viewing, Wanderzirkusse und Musicals  

Bei den sommerlichen Fußballturnieren versammelten sich in den letzten Jahren stets bis zu 70.000 Menschen auf der größten Fan-Meile in Hamburg, um beim Public Viewing auf der Großleinwand die Spiele der Nationalmannschaften in der Gemeinschaft zu erleben. Zudem finden regelmäßig Wanderzirkusse oder etwa Musicals Platz auf der Freifläche. Zuletzt wurde vom 28. Dezember 2010 bis zum 20. Februar 2011 das Musical Cats in einem extra errichteten Zelt mit 1.800 Plätzen aufgeführt. Das Campen für Privatpersonen indes ist nicht gestattet, das Parken in Zeiten ohne Veranstaltung jedoch schon.

Hamburger Kessel

Am 8. Juni 1986 fand auf dem Heiligengeistfeld ein umstrittener Polizeieinsatz statt, der als Hamburger Kessel bundesweite Bekanntheit erlangte. An dem Tag versammelten sich auf dem Platz über 800 Menschen für eine Demonstration. Die Demonstration war eine Reaktion auf das Verhalten der Polizei am Vortag, als ein Zug Hamburger Demonstrationsteilnehmer zum Kernkraftwerk Brokorf im schleswig-holsteinischen Kleve angehalten wurde. Die Menschen wurden von der Polizei eingekesselt und bis zu 13 Stunden lang innerhalb von Absperrketten festgehalten. Das Verwaltungsgericht Hamburg erklärte den Einsatz später für rechtswidrig.

Hochbunker an der Feldstraße

Zwischen 1940 und 1942 wurde der unter Denkmalschutz stehende Flakturm IV auf dem Heiligengeistfeld errichtet. Mit seinen Maßen von 75 Metern Breite und Tiefe und einer Höhe von 39 Metern ist er der größte erbaute Hochbunker Europas. Er ist auf eine Kapazität von 18.000 Menschen ausgelegt, doch während der schweren Luftangriffe auf Hamburg im Juli und August 1943 suchten weit mehr Menschen in dem Bunker Schutz. Neben Luftschutzräumen befand sich in dem Flakturm auch eine Feuerleitanlage. Um den militärischen Betrieb nicht zu beeinträchtigen, gab es ein gesondertes Treppenhaus für die Soldaten. Nach dem Krieg wurden die militärischen Installationen samt Geschütze entfernt und der ehemalige Gefechtsturm von zivilen Mietern genutzt, weil im zerstörten Hamburg großer Wohnraummangel herrschte. In den Folgejahren wurde der Bunker dann auf unterschiedliche Weise genutzt. In 1950 wurde von dort die erste Fernseh-Testsendung durch den Nordwestdeutschen Rundfunk ausgestrahlt. Ab dem 26. Dezember 1952 wurde der tägliche Sendebetrieb aufgenommen und nur einen Tag später wurde mit der DFB-Pokal-Partie des FC St. Pauli gegen die Sportfreunde Hamborn 07 erstmals in Deutschland ein Fußballspiel direkt übertragen. Nach intensiver Sanierung wird der Bunker heute vor allem von Unternehmen der Medien- und Veranstaltungsbranche genutzt. Darunter befinden sich auch die drei Clubs: Uebel & Gefährlich, Terrace Hill und Turmzimmer. Seit Ende 2014 gibt es Pläne das Dach des Hochbunkers als terrassenförmigen Garten mit Amphi-Theater und Musikclubs anzulegen, der schon unten an der Straße, neben dem Eingang zur U-Bahnstation Feldstraßen, beginnen soll. 

Geschichte des Heiligengeistfelds

Die älteste Überlieferung des Namens Heiligengeistfeld stammt aus dem Jahr 1497 und bezieht sich auf den Namensgeber: Das Hospital zum Heiligen Geist. Dies war ein Klosterkrankenhaus, zu dessen Ländereien das spätere Heiligengeistfeld, damals Weideland, gehörte. Dieses damalige Weideland erstreckte sich bis zu der Straße Kohlhöfen, doch das Krankenhaus ist wahrscheinlich noch älter. Mit dem Bau von massiven Wallanlagen um die Alt- und Neustadt in den Jahren von 1616 bis 1625 ging der östliche Bereich des Geländes verloren. Das Krankenhaus wurde mit Gebieten in Hamm und Horn entschädigt. Der verbliebene Rest – das heutige Heiligengeistfeld – wurde unter anderem als Glacis und Exerzierfeld genutzt. Ab dem Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Gebiet zunehmend auch für Amüsierzwecke verwendet. Zu nennen wären eine Kunsteisbahn und ab 1893 auch erstmals der Hamburger Dom. Bis ins Jahr 1936 befand sich außerdem eine historische Getreidemühle auf dem Heiligengeistfeld.

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Hamburgs „Festwiese“
Das Heiligengeistfeld auf St. Pauli beherbergt ein Fußballstadion, einen Hochbunker und drei Mal im Jahr findet das Volksfest Hamburger Dom statt.
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