Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration

Fachinformationen Durch Salafismus radikalisierte Jugendliche

Salafistische Prediger machen aus der Religion Islam eine politische Ideologie. Sie verbreiten eine radikale Islam-Auslegung, in der Demokratie, Gleichheit und Menschenrechte keinen Platz haben. Nichtmuslime werden ebenso als Feinde angesehen, wie Muslime, die dieser Ausrichtung nicht folgen. Die gewalttätigste und menschenverachtendste Ausprägung findet sich derzeit in der Organisation Islamischer Staat (IS) wieder.

Fachinformationen zum Thema salafistisch radikalisierte Jugendliche

Was passiert mit Jugendlichen, die sich den Salafisten anschließen?

Die jungen Menschen verändern ihre Bekleidung und Lebensweise, ihre politische Sichtweisen und entfernen sich von ihren bisherigen Freunden und Interessen. Im Gegenzug erfahren sie ein neues Gemeinschaftsgefühl und Anerkennung – sofern sie sich an die Regeln halten.

Es gibt klare Regeln, was gut und richtig ist, orientiert an der vermeintlichen Lebensweise Muhammads, so wie Salafisten sie bis in das kleinste hinein interpretieren. Bisherige persönliche Misserfolge beim Heranwachsen der Jugendlichen werden von den radikalen Salafisten mit falschen Einflüssen und Werten erklärt.

Den Jugendlichen wird vorgegaukelt, sie können sich von ihrer Vergangenheit distanzieren und mit dem Islam (nach der salafistischen Sichtweise) ein neues Leben beginnen. Junge Menschen sprechen dann auch häufig vom Konvertieren zum „richtigen“ Islam, unabhängig davon, ob sie aus einer muslimischen oder nicht-muslimischen Familie stammen.

Salafisten vertreten unter anderem die Position, dass die Muslime Gerechtigkeit und Anerkennung erfahren, wenn die Gläubigen sich auf die Lebensweise und Rechtsprechung der ersten drei Generationen ab Muhammad besinnen. 

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Wo gibt es Unterstützung, Beratung und Hilfen?

Beratungsstelle "Legato"
In Hamburg gibt es die Beratungsstelle „Legato“. Die Beratungsstelle leistet:

  • Beratung für Angehörige von radikalisierten Jugendlichen und jungen Erwachsenen
  • Ausstiegsbegleitung für Betroffene
  • Selbsthilfegruppen für Eltern und Betroffene
  • Fachberatung und Fortbildung für Fachkräfte und Multiplikatoren

„Legato“ bedeutet „verbunden“. Die Bindung zwischen dem bisherigen Umfeld, insbesondere den Familien, und den jungen Menschen, die sich radikalisieren, soll gestärkt werden. Bisherige Erfahrungen zeigen, dass eine starke Bindung an die Familie oder einzelne Familienmitglieder vor der salafistischen Ideologie schützen bzw. die Radikalisierungsverläufe abschwächen kann.

Angehörige

Angehörige können sich an die Hamburger Beratungsstelle wenden, aber weiterhin auch an das bundesweite Projekt des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge unter der Rufnummer (0911) 943 43 43 

Einrichtungen

Einrichtungen der offenen Kinder- und Jugendarbeit können sich beim zuständigen Bezirksamt melden und Workshops beantragen, die sich mit Themen wie Demokratie, Islamismus und dem zukünftigen Leben befassen und von entsprechend ausgebildeten Peers durchgeführt werden (die Kosten werden vollständig von der Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration übernommen).

Fortbildung/Qualifizierung

Wo gibt es weitere Informationen zum Thema?

Nützliche Links

  • Auf der bundesweiten Website des Jugendhilfeportals sind interessante Beiträge unter verschiedensten Fragestellungen eingestellt. 
  • Der Berliner Verein ufuq.de – Jugendkultur, Medien und politische Bildung in der Einwanderungsgesellschaft e.V. - berichtet auf seinen Seiten unter anderem über Workshops, die mit Jugendlichen zum Thema Islamismus durchgeführt wurden.
  • Die Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes hat mit einem Träger der politischen Bildung Materialien für Unterricht und Bildungsarbeit erstellt unter dem Titel „Mitreden! Kompetent gegen Islamfeindlichkeit, Islamismus und dschihadistische Internetpropaganda“; enthalten sind unter anderem zwei Filme und ein Begleitheft.
  • Der Hamburger Verfassungsschutz informiert auf seiner Website über Islamismus.
  • Die Bundeszentrale für politische Bildung informiert ebenfalls und bietet Veranstaltungen an. 
  • Die Bundeszentrale für politische Bildung hat einen Infodienst für Fachkräfte der Jugendarbeit zum Thema Radikalisierungsprävention aufgebaut.

Hinweis

Interessante Medienberichte und Tagungsdokumentationen

  • Empfehlenswert: Dokumentation (PDF, 1,8 MB) der Fachtagung "Salafismus in Deutschland" (Stadt Köln, Alevitische Gemeinde Deutschlands und weitere; Juni 2013). 
  • Dokumentation (PDF, 1,9 MB) der Fachtagung "Von der Anziehungskraft der Salafisten" (Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz NRW, Juni 2015)
  • Die Deutsche Welle veröffentlicht in ihrem Internetauftritt verschiedene Artikel zum Thema Salafismus und Islamischer Staat.