Zweiter Runder Tisch für mehr Sicherheit im Bereich der Reeperbahn
Innensenator Christoph Ahlhaus: „Für Gewalttäter und Kriminelle ist auf dem Kiez kein Platz“
Maßnahmenkonzept zur Verbesserung der Sicherheit auf St. Pauli wird auch zukünftig konsequent eingesetzt
(10.11.08) Hamburgs Innensenator Christoph Ahlhaus hatte am Montag, den 10. November 2008, zum zweiten Mal nach Januar 2008 zum Runden Tisch für mehr Sicherheit im Bereich der Reeperbahn eingeladen. Neben Innenbehörde und Polizei nahmen Vertreter der Interessengemeinschaft St. Pauli, der Wirtschaft, der Unternehmensverbände, des für die Ordnung vor Ort zuständigen Bezirks Hamburg-Mitte sowie mehrerer Behörden teil.
Innensenator Christoph Ahlhaus: Ziel der Runde ist es, die Sicherheit im Bereich der Reeperbahn und der angrenzenden Straßen noch weiter zu steigern. Das ist mir insbesondere nach den Ereignissen vom vergangenen Wochenende ein wichtiges Anliegen und hat höchste Priorität. Jede Straftat ist eine zuviel. Das Maßnahmenkonzept gegen Gewalt auf dem Kiez wird auch zukünftig konsequent eingesetzt. Sollte das nicht reichen, schließe ich weitere Maßnahmen wie zum Beispiel ein Alkoholverzehrverbot nicht aus.“
Zur Entwicklung vor Ort:
St. Pauli hat sich in den letzten Jahren zu einer für Gäste aus aller Welt höchst abwechslungsreichen „Partymeile“ entwickelt. Die Besucherzahlen variieren zwischen 20.000 und 50.000 pro Nacht. An Wochenenden besuchen teilweise über 100.000 Menschen St. Pauli. Das sind nach Schätzungen der Polizei inzwischen mindestens 3 bis 4 Millionen Gäste pro Jahr, die sich im international bekannten Vergnügungsviertel amüsieren wollen. Das radikal geänderte Freizeitverhalten und die große Anziehungskraft der weltoffenen Metropole Hamburg haben den Hamburger Kiez in den vergangenen Jahren zu einer ständigen Attraktion mit Theatern, Discotheken, Kabarett und Kneipen verwandelt.
Insgesamt besuchten bislang im Jahr 2008 von Januar bis Oktober nach Schätzungen der Polizei rund 3,4 Millionen Menschen den Kiez. Dabei kam es bislang zu 2481 Körperverletzungsdelikten im Kontrollgebiet St. Pauli.
- 84% davon waren einfache Körperverletzungen mit bloßen Händen.
- In 6,7% der Fälle setzte der Täter das Tatmittel Glasflasche ein.
Innensenator Christoph Ahlhaus: „Die verstärkte Polizeipräsenz mit Schwerpunkteinsätzen und lageabhängigen Kontrollen, das Waffentrageverbot, die Videoüberwachung und auch die Selbstverpflichtung der Gastronomie zeigen Wirkung, wie diese Zahlen im Verhältnis zu den Besucherströmen deutlich machen. Trotzdem habe ich die klare Erwartung, dass alle Beteiligten gemeinsam gegen Gewalt und Kriminalität auf dem Kiez vorgehen. Für Gewalttäter und Kriminelle ist kein Platz auf St. Pauli. Gefordert sind wir alle, Innenbehörde und Polizei, aber auch die Interessengemeinschaft und die Wirtschaft bis hin zu Gaststätten und Kiosken – und nicht zuletzt sind auch die Besucher im eigenen Interesse aufgefordert, sich gewaltfrei zu amüsieren.“
Maßnahmenkonzept zur weiteren Verbesserung der Sicherheit:
Die Polizei setzte von Januar bis Oktober 2008 insgesamt 4649 Polizeibeamte bei gezielten Maßnahmen im Kontrollgebiet St. Pauli ein – dadurch gibt es im Bereich der Reeperbahn eine der höchsten Polizeidichten Deutschlands. Es gab
o 12.662 überprüfte Personen,
o 3.139 Platzverweise,
o 619 Ingewahrsamnahmen und
o 356 Festnahmen.
Der freiwillige Verkaufsverzicht zeigt erste positive Wirkung. Der Anteil von PET-Flaschen, Dosen oder Pappbecher ist nach Erfahrungsberichten der eingesetzten Polizeibeamten vor Ort deutlich gestiegen.
Die weiteren Ergebnisse des Runden Tisches:
- Die Vertreter der Gaststätten prüfen, ob in Kneipen das Umfüllen der Getränke von Glasflaschen in Papp- oder Plastikbecher umsetzbar ist.
- Alternativverpackungen anbieten: Die Vertreter der Brauereien prüfen die Anregung von Innensenator Christoph Ahlhaus, eine kultige „Kiez-Pulle“ (ebenfalls aus Plastik) zu entwickeln, um Glasflaschen zu vermeiden.
- Behörden und Bezirke prüfen, ob ein Glasflaschenverkaufsverbot rechtlich möglich ist oder nicht.
- Der Bezirk wird mit 15 zusätzlichen BOD-Mitarbeitern Kontrollen durchführen.
- Die freiwillige Selbstverpflichtung soll ausgeweitet werden, unter anderem in weiteren Treffen mit Kiosk- und Imbiss-Betreibern.
- Die polizeilichen Maßnahmen (Schwerpunkteinsätze, lageabhängige Kontrollen, hohe Polizeidichte vor Ort) werden konsequent fortgeführt.
- Die Sonderauswertung der Polizei im Bereich der Reeperbahn wird fortgesetzt.
Die Teilnehmer vereinbarten, sich auch künftig regelmäßig zum Erfahrungs- und Informationsaustausch zu treffen.
Innensenator Christoph Ahlhaus: „Die Reeperbahn ist ein Vergnügungsviertel. Das soll auch so bleiben. Menschen aus ganz Deutschland und der ganzen Welt kommen hierher, um ausgelassen zu feiern. Wir sind unseren Bürgerinnen und Bürgern sowie den zahlreichen Gästen gegenüber verpflichtet, dass die Zahl der Straftaten noch weiter zurückgeht und Hamburg noch sicherer und damit noch attraktiver wird. Die polizeilichen Maßnahmen werden auch in Zukunft konsequent und entschlossen fortgeführt. Der Blick auf das Tatmittel Glasflasche ist dabei unverändert wichtig. Von den Verbänden, aber auch den Wirten und Kioskbetreibern vor Ort erwarte ich deshalb, dass sie alles unternehmen, Glasflaschen zu ächten. Nach dem heutigen Treffen bin ich zuversichtlich, dass alle Beteiligten auch künftig dranbleiben und an einem Strang ziehen.“
Für Rückfragen:
Behörde für Inneres, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit,
Thomas Butter, Tel. 040 – 42839-2678
Fax 040 – 42839-2797; E-Mail: pressestelle@bfi-a.hamburg.de
(Innenbehörde)
Die Innenbehörde im Internet: www.hamburg.de/innenbehoerde
(Innenbehörde)

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