Behörde für Inneres und Sport

Verfassungsschutz Hamburg Der Wirtschaftsschutztag 2014

Der Wirtschaftsschutztag 2014

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Am 02. September 2014 hatte das Landesamt für Verfassungsschutz Unternehmensvertreter sowie Medienvertreter zum Wirtschaftsschutztag in die Handelskammer Hamburg eingeladen. Das Thema diesmal: „Gefahren durch Wirtschaftsspionage und Konkurrenzausspähung: Lösungsstrategien für Hamburger Unternehmen im internationalen Wettbewerb“. Rund 200 Besucher waren der Einladung gefolgt.

Torsten Voß, Amtsleiter des Landesamtes für Verfassungsschutz, freute sich, dass so zahlreiche Besucher der Einladung zum Wirtschaftsschutztag gefolgt waren. In seiner Begrüßungsrede hob er hervor, dass Spionageabwehr und Wirtschaftsschutz neben den wichtigen Aufgaben wie die Bekämpfung des religiös motivierten Terrorismus, des gewaltbereiten Rechts- und Linksextremismus auch künftig zentrale Aufgabenfelder des Nachrichtendienstes sein werden.

Ein wesentliches und wichtiges Anliegen des Wirtschaftsschutztages ist die vertrauensvolle Zusammenarbeit des Landesamtes für Verfassungsschutz insbesondere des Wirtschaftsschutzteams und den Hamburger Unternehmen in allen Fragen der Wirtschaftsspionage und auch Konkurrenzausspähung. Torsten Voß: „Wir bieten Hamburger Unternehmen jederzeit kostenlose Beratung im Vorfeld und bei Verdachtsfällen an. Darüber hinaus bieten wir Sensibilisierungsveranstaltungen in Unternehmen. Unterstützung finden die Unternehmen auch bei der Identifizierung des Know-hows, also der „Perlen“ eines Unternehmens.“

Volker Schiek, Staatsrat der Behörde für Inneres und Sport, führte in seiner Begrüßungsrede aus, dass mit dem Titel des Wirtschaftsschutztages ein wichtiger Themenbereich, der Schutz des Unternehmen Know-hows, in den Mittelpunkt gerückt wurde. Beim Schutz des geistigen Eigentums geht es um Wettbewerbsfähigkeit, Wachstum und Arbeitsplätze. Es geht insgesamt um die Grundlagen für volkswirtschaftlichen Erfolg - also um die Zukunft Deutschlands in einer globalisierten Welt. Volker Schiek: „Die Sicherheit der Hamburger Unternehmen betrachten wir als wichtigen Standortfaktor. Nutzen Sie das Angebot Wirtschaftsschutz und wenden sich im Verdachtsfall vertrauensvoll an den Hamburger Verfassungsschutz.“

Dr. Christoph Rojahn, Director Deloitte Forensic, Deloitte & Touche GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, referierte zum Thema „Risikobasierte Vorsorgemaßnahmen im Internationalen Umfeld“. Dr. Rojahn stellt bei Anfragen an sein Unternehmen fest, dass es den Unternehmen egal ist, wer ihnen die Daten klaut. Er weist seine Kunden zunächst darauf hin wie wichtig es ist, dass die Fragen der Sicherheit immer Chefsache ist. Die Sicherheitsvorkehrungen müssen immer von „oben“ vorgegeben werden. Fakt ist aber auch, absolute Sicherheit gibt es nicht. Dr. Christoph Rojahn: „Sicherheit greift in das Leben der Mitarbeiter ein und Sicherheit wird durch die Menschen ausgehebelt. Daher sollte der Bedarf der Mitarbeiter bei den Sicherheitsaspekten unbedingt berücksichtigt werden.“

Risikobasierte Vorsorgemaßnahmen im internationalen Umfeld lautete der Vortrag von Bernd Oliver Bühler, Janus Consulting und Absolvent der École de guerre économique (Schule für Wirtschaftskrieg) Paris. Die Gegebenheiten in der Wirtschaft haben sich durch die Globalisierung geändert. Bernd Oliver Bühler: „Das Wissen am Standort Deutschland ist in Gefahr. Deutschland muss sich gegen einen Wirtschaftskrieg wappnen, denn Wettbewerb endet da, wo der Wirtschaftskrieg beginnt.“

Die Podiumsdiskussion „Wie können Unternehmen dem internationalen Wettbewerb einschließlich der Wirtschaftsspionage begegnen?" fand anschließend unter der Leitung von Guido Malburg, Abteilungsleiter der Spionageabwehr im Landesamt für Verfassungsschutz, mit folgenden Teilnehmern statt: Herbert Kurek, Referatsleiter Spionageabwehr / Wirtschaftsschutz beim Bundesamt für Verfassungsschutz; Dieter Bode, Vorstandvorsitzender VSWN - Verband für Sicherheit in der Wirtschaft Norddeutschland e.V.; Bernd Oliver Bühler, Janus Consulting und Absolvent der École de guerre économique, sowie Dr. Christoph Rojahn, Director Deloitte Forensic, Deloitte & Touche GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft.

Herbert Kurek: „Der Wirtschaftsschutz wurde als Tätigkeitsfeld durch die Enthüllungen des Edward Snowden nach vorn gebracht. Wie hoch der Schaden durch Wirtschaftsspionage tatsächlich ist, weiß niemand zu benennen. Deutschland ist eines der innovativsten Länder und bleibt das Ziel der Wirtschaftsspionage aber auch das Ziel fremder Nachrichtendienste.“

Dieter Bode: „Staatliche Stellen müssen für Unternehmen unbedingt Partner beim Thema Wirtschaftsschutz sein. Daher sollte der Wirtschaftsschutz ausgebaut werden.“

Bernd Oliver Bühler: „Der Wirtschaftsstandort Deutschland weckt Begehrlichkeiten bei anderen. Bei der Wirtschaftsspionage ist es so, dass die schnellen die langsamen fressen. Wenn also mehr als einer von ihrem Geheimnis weiß, so ist es kein Geheimnis mehr.“

Dr. Christoph Rojahn: „Für einen besseren Wirtschaftsschutz müssen staatliche Stellen Innformationen aus der Privatwirtschaft bekommen. Denn wenn ich gefragt werde, ob mehr geklaut wird, muss ich sagen, dass es schwer ist darauf eine Antwort zu geben. Wir müssen einfach besser beim Entdecken werden.“

Die einhellige Antwort auf die Frage der Podiumsdiskussion lautete: „Privatwirtschaftliche Unternehmen und staatliche Stellen müssen gemeinsame Konzepte gegen die Wirtschaftsspionage erarbeiten und sich über Vorgehensweisen austauschen. Öffentliche Stellen müssen für diese wichtigen Aufgaben ausgebaut werden.“

Abschließend sprach Ministerialdirektor Günter Heiß, Abteilungsleiter 6 - Koordinator der Nachrichtendienste des Bundes, Bundeskanzleramt, zum Thema „Wirtschaftsschutz - Aktuelle Herausforderungen für Staat und Wirtschaft“. Die Arbeit der Sicherheitsbehörden soll so transparent wie möglich sein. Entscheidend bei der Prävention ist die vertrauensvolle Zusammenarbeit aller Betroffenen. Wirtschaftsunternehmen müssen zunächst klären, was die „Kronjuwelen“ ihres Unternehmens sind. Dabei sind mittelständische und kleine Unternehmen besonders gefährdet, da sie oft ihre „Kronjuwelen“ gar nicht benennen können. Aber erst wenn die Frage beantwortet ist, können Schutzmaßnahmen festgelegt werden. Günter Heiß bat die Besucher: „Bitte melden sie den Sicherheitsbehörden Fälle aus ihren Unternehmen. Denn erst dann können staatliche Stellen auch Lösungsmöglichkeiten finden und aufzeigen. Nutzen sie die Beratungen der deutschen Sicherheitsbehörden.“

Die Teilnehmer und Besucher des Wirtschaftsschutztages waren sich einig, dass eine Veranstaltung wie der Wirtschaftsschutztag eine gute Möglichkeit bietet, Erfahrungen und Möglichkeiten der Prävention gegen Wirtschaftsspionage und Konkurrenzausspähung zu erarbeiten und umzusetzen.

 

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