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Interview mit Dennis Lisk

von Oliver Wasse

Ein Interview mit Dennis Lisk alias denyo, der mit den "Beginnern" groß rauskam und jetzt auch solo Erfolge feiert.

 

Denyo.tv
(Bild: Denyo.tv)

hamburg.de: Warum hast du den Song "Du bist Hamburg" gemacht?
denyo: Das hat natürlich mehrere Gründe - wie es oft so ist, wenn man Songs macht. Ein Grund war, dass damals noch diese "Du bist Deutschland"-Kampagne ziemlich am Kochen war. Da haben Leute mitgemacht, von denen ich im Nachhinein echt enttäuscht war. Für mich kam das irgendwie total schräg rüber: Erst nehmen wir euch Geld und Arbeitsplätze weg und dann sagen wir: Ihr seid für euch selbst verantwortlich. Und dann seid ihr Deutschland. Das war für mich eine sehr scheinheilige Art und Weise, das Volk zu verarschen. Deshalb wollte ich den Hamburgern mit diesem Song sagen: Ihr seid nicht Deutschland, ihr seid Hamburg! Und zwar unabhängig davon, woher ihr kommt. Ich selbst komme aus Hamburg und hab mit den Beginnern schon tausend Songs darüber gemacht, dass wir aus Hamburg kommen und das geil finden.

Glaubst du denn, dass wir in Deutschland mehr Patriotismus brauchen?
Ja, wir brauchen das schon. Jede Nation hat das, und es war schon sehr schwierig für die Deutschen, dass sie das nicht haben durften. Das ist ja auch völlig verständlich gewesen, aber die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus ist meinem Gefühl nach ziemlich ausgeschöpft. Was ich alles in der Schule darüber gelernt habe... Man darf auch mal wieder anfangen, stolz auf Deutschland zu sein. Positiven Patriotismus finde ich völlig in Ordnung. Aber natürlich bin ich noch viel stolzer auf Hamburg.

Denyo Foto: hamburg.de Denyo

(hamburg.de)

Hat sich an deiner Beziehung zu Hamburg etwas verändert, seit du mehr ohne die Beginner unterwegs bist und solo Musik machst?
Auf jeden Fall. Wenn du in Hamburg ein geiles Konzert gibst und weißt, die Leute sind nicht wegen den Beginnern da, sondern wegen denyo, hast du noch mal ein ganz intimes Gefühl dazu. Es ist schon ein Unterschied, ob du das Feedback, was du bekommst, durch drei teilst, oder es allein bekommst. Wenn wir wieder zusammenkommen, werde ich dieses Gefühl mitnehmen.

Warum wohnst du auf dem Kiez? Ist dir das sehr wichtig?
Jetzt schon. Als ich hierher gezogen bin, habe ich noch gedacht: "Na ja, mal gucken." Es gibt eindeutig auch Schattenseiten.

Aber man muss echt aufpassen: Wenn man hier einmal ein Jahr gewohnt hat, will man nicht mehr weg. Es ist einfach geil und hat sehr viele Vorteile, weil du einfach so scheißzentral bist. Und es ist einfach ein geiler Vibe, hier zu wohnen. Das merkt man vielleicht am Anfang noch nicht - da denkt man vielleicht: "Voll kaputt alles hier!" Aber wenn du einmal verstanden hast, was hier passiert, willst du nicht mehr weg. Dadurch, dass ich auf den Kiez gezogen bin, ist mein Bezug zu Hamburg noch viel stärker geworden.

Und was sind die Nachteile?
So ein paar Dinge, auf die ich auch verzichten könnte. Zum Beispiel, dass ich die Tür offen lasse und das Fahrrad ist dann noch da - gibt es nicht. Viele Leute verwahrlosen hier und kümmern sich nicht um ihr eigenes Viertel. Umso mehr freue ich mich über diejenigen, die hier was auf die Beine stellen. Mit denen kann ich mich identifizieren. Leute, die ihr eigenes Ding machen, und zwar das, was sie können und worauf sie Bock haben. Das sind derbe Talente, die aber nicht bei der Deutschen Bank anfangen, sondern sagen: "Ich hatte schon immer Lust, nen Laden aufzumachen, wo ich Süßigkeiten verkaufen kann, Platten und Latte Macchiatto." Völliger Schwachsinn eigentlich. Aber dann machen sie den Laden einfach auf - und irgendwie läuft's dann auch. Das find ich halt cool.

Was sagst du zur derzeitigen Hamburger Hip Hop-Szene?
Langweilig. Aber ich verfolge auch nicht alles. Es gibt immer viele Parallelszenen, in denen ich echt nicht drin bin. Aber das, was ich kenne, wie ich das fühle und was ich so höre… Es gibt nach wie vor geile Sachen, aber es ist schon sehr heiter bis wolkig. Da gibt's dann mal wieder ein paar geile Digger Dance-Songs, wo man dann wieder Hoffnung schöpft. Das Dendemann-Album fand ich auch geil.

Dendemann macht solo, du machst solo. Siehst du da einen Trend?
Nein, eigentlich nicht. Dendemann hatte ja keine andere Wahl: Wenn einer von Zweien in der Gruppe aufhört, gibt's halt die Gruppe nicht mehr. Deshalb war er quasi gezwungen, solo weiter zu machen, was für ihn anfangs echt schwer war. Bei uns Beginnern hat sich das ja langsam so eingependelt, dass wir immer mal wieder was allein machen. Wer langsam mal mit Soloprojekten anfangen sollte, sind die Massiven Töne. Da hätte ich mal Bock drauf. Wer nie solo gehen wird, sind die Töpfe. Ich glaube, dass die ihr Leben lang zusammen Musik machen.

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 Was hörst du außer Hip Hop?
Ich brauch immer mal eine Auszeit - wenn ich zwei Tage mit Soundsystem unterwegs gewesen bin, höre ich zum Beispiel einen Tag Jazz. Um die Ohren einfach wieder freizukriegen. Ist auch scheißegal, was für welchen, frag mich nicht nach den Namen. Ich mache es einfach an und komm wieder klar. Danach hab ich auch wieder Ohren für Hip Hop.

Arbeitest du an einer neuen Platte?
Jein - ich weiß noch nicht genau. Ich probier so ein bisschen aus. Wenn, dann wird es ziemlich schnell gehen. Ich hab lange Zeit viel Stress gehabt und bin jetzt in einer Phase, in der ich mal ein bisschen chillen kann.

Das Interview führte Oliver Wasse, Redaktion hamburg.de

 
 
 
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