Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration

Islamismus / Salafismus Gläubig oder gefährdet?

Sie wissen nicht, wann es angefangen hat, aber plötzlich hat sich Ihr Sohn oder Ihre Tochter erheblich verändert. Ihr Kind ist sehr religiös geworden und vollzieht einen radikalen Lebenswandel, der oft auch ein Bruch mit alten Freundinnen und Freunden und die Ausrichtung des neuen Lebens an einem religiösen Regelsystem bedeutet. Nun wird sein Tagesablauf durch Gebete bestimmt.

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Plötzliche Veränderungen...

Verbringt Ihr Kind plötzlich viel Zeit für ungewöhnliche Waschungen und surft auf Internetseiten mit religiösen Inhalten? Besteht es darauf, nur noch in bestimmten Läden einzukaufen? 

vergrößern Titelseite der Broschüre (Bild: BAMF) Verschwinden die Bilder der Popstars von den Zimmerwänden? Wird vorher gern gehörte Musik plötzlich für verboten erklärt? Ändert Ihr Kind den Kleidungsstil und trägt jetzt beispielsweise Kleidungsstücke mit arabischen Texten oder Symbolen, die Ihnen ungewöhnlich vorkommen? Wirft Ihr Sohn oder Ihre Tochter Ihnen vor, dass Sie keine echten Gläubigen seien und die religiösen Regeln nicht richtig einhalten? Werden die Krisen im Nahen und Mittleren Osten zunehmend thematisiert und als ein Krieg „des Westens“ und der „Feinde der Religion“ gegen „den Islam“ interpretiert?

Dann kann es sein, dass Ihr Kind sich in einem Prozess der Veränderung befindet, den Experten als „Radikalisierung“ bezeichnen und der möglicherweise noch umkehrbar ist. Doch zunächst gilt es festzustellen, ob dies tatsächlich der Fall ist.

Jugendliche und junge Erwachsene aus muslimischen oder nicht-muslimischen Familien werden teilweise von Freunden und Bekannten angesprochen und zu Diskussionsforen, zu Gebetskreisen oder auch mal in eine Shisha-Bar mitgenommen und mit Menschen in Kontakt gebracht, die sie verändern.

Danach erklären sie teilweise ihren Eltern, sie seien zum Islam konvertiert oder hätten nun den „wahren“ Islam entdeckt, würden den Glauben nun „korrekt“ praktizieren und seien nun Teil einer viel größeren weltweiten Gemeinschaft der wahren Gläubigen (umma). In nicht wenigen Fällen äußern sie auch die Überzeugung, gesellschaftliche und politische Verhältnisse müssten verändert werden.

Was tun?

Sie sind sich vielleicht nicht sicher, ob Sie sich über die neue Religiosität Ihres Kindes freuen oder sorgen sollen. Einige Veränderungen erscheinen zunächst positiv. Ihr Sohn oder ihre Tochter sagt nun, dass Respekt vor den Eltern ein wichtiger Glaubensbestandteil sei, trinkt keinen Alkohol mehr, lehnt Drogen ab und beteiligt sich nicht mehr abends an Partys.

Andererseits befürchten Sie, dass Ihr Kind und seine Suche nach dem Sinn des Lebens und der Wahrheit ausgenutzt werden und es in den Einflussbereich von Salafisten oder anderen Radikalen geraten ist, die die islamische Religion zu politischen Zwecken missbrauchen.

Sie wollen etwas gegen diese Veränderung unternehmen und Ihr Kind davon überzeugen, dass der von ihm eingeschlagene Weg möglicherweise ein Irrweg ist. Aber Sie haben Angst den Kontakt zu ihm zu verlieren. Vielleicht befürchten Sie auch, dass Ihr Kind aus Deutschland ausreisen will, um sich militanten Gruppen (im Nahen und Mittleren Osten) anzuschließen.

Wo können Sie kostenlos Beratung und Unterstützung erhalten?

Hilfe für Angehörige, Freunde und Freundinnen bieten die Hamburger Beratungsstelle Legato und die Beratungsstelle Radikalisierung des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge, die sie unter der bundesweiten Rufnummer 0911- 943 43 43 montags bis freitags von 9 bis 15 Uhr erreichen können.

Kompetente Berater und Beraterinnen beantworten Ihre Fragen, geben Ihnen Informationen und Unterstützung – nicht nur auf Deutsch, sondern zum Beispiel auch auf Türkisch, Englisch und Russisch. Sie vermitteln Ihnen bei Bedarf Ansprechpartner vor Ort.

Mehr Informationen

Weitere Informationen finden Sie in der Broschüre "Glaube oder Extremismus" des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge sowie auf der Internetseite des Hamburger Landesamtes für Verfassungsschutz zum Thema Salafismus.

Ausführliche Informationen für Fachkräfte finden Sie hier...

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