Karoviertel Entspannte Einkaufsmöglichkeiten zwischen St. Pauli und Schanze

Das Karolinenviertel lag einst außerhalb der Stadt und entwickelte sich vom "Armeleuteviertel" zum Szene-Viertel zwischen St. Pauli und der Sternschanze. Heutzutage lockt es mit zahlreichen Modegeschäften sowie urigen Cafés ein multikulturelles Publikum an.

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 Karoviertel Hamburg

Adresse
Karolinenviertel, 20357 Hamburg
Öffentliche Verkehrsmittel
U3 Haltestelle Feldstraße
U2 Haltestelle Messehallen
Parkplätze
im Bereich der Marktstraße


Zur Orientierung vom Karoviertel in Hamburg 

Das szenige Karolinenviertel, besser bekannt als "Karoviertel", liegt im Hamburger Stadtteil St. Pauli und wird im Norden und Osten durch die weitläufigen Messehallen begrenzt. Der historische Schlachthof trennt das Viertel zudem vom westlich benachbarten Schanzenviertel. Im Süden grenzen sowohl das Heiligengeistfeld, samt Millerntor-Stadion, als auch der Park Planten un Blomen an das Karoviertel. 

Marktstraße ist die inoffizielle Hauptstraße des Viertels

Die Marktstraße hat sich durch ihre zentrale Lage zur inoffiziellen Hauptstraße des Viertels entwickelt. Sie erhielt ihren Namen wahrscheinlich im Jahr 1841 und wurde vorher "Bei der Ölmühle" und "Bei der Glashütte" genannt. Ursprünglich verlief das westliche Ende der Marktstraße im Neuen Kamp, doch durch Erweiterung des Schlachthofes in den 1890er Jahren wurde die Einmündung in die Feldstraße verlegt. Ihr östliches Ende mündet in die Karolinenstraße. Schon um 1850 war die Marktstraße eine im Vergleich zu den umliegenden Straßen eher breite Straße mit großzügigen Gehwegen und bürgerlichen Vorderhäusern. Mit der Zeit wurde ihre Bebauung immer enger und selbst die Hinterhöfe wurden bebaut, so dass die Marktstraße und das Viertel allgemein immer mehr verkam. 

Ehemaliges "Armeleuteviertel" wird beliebtes Wohnquartier

Die mehrgeschossigen, aus der Gründerzeit stammenden Gebäude des Karoviertels waren Ende der 1980er Jahre baulich in einem schlechten Zustand. Das Viertel galt zudem als verarmt. Durch einen behutsamen Prozess der Stadterneuerung, der durch Senatsbeschluss am 26. April 1988 beschlossen wurde, entwickelte sich das Viertel in der Folgezeit zu einem beliebten Wohnquartier. Ein bis zum 4. November 2002 bestehender Platz in der Vorwerkstraße namens "Bambule" bot zudem Bauwagen- und Wohnwagenbewohnern rund zehn Jahre lang einen Aufenthaltsort in friedlicher Koexistenz mit den übrigen Viertelbesuchern. Die Bewohner stammten aus dem Wohnprojekt "Bahnhofsstraße" in der Marktstraße 107. Heute ist das Karoviertel besonders für ihre zahlreichen, teils alternativen Second-Hand-, Bekleidungs-, Design- und Modeläden bekannt. Neben einem Bummel und einer Pause in einem Café, bietet sich das Viertel auch für die Abendplanung an.

In der Alten Rinderschlachthalle am Rande des Ortsteils befindet sich das Knust – ein beliebter Veranstaltungsort mit Live-Konzerten und Diskoabenden. Die Alte Rinderschlachthalle wurde im Zeitraum von 1996 bis 1998 am Neuen Kamp 35 zu einem Standort für Gastronomie und Veranstaltungen, soziale Einrichtungen und Unternehmen in der Gründungsphase umgebaut. Am 30. Januar desselben Jahres wurden ebenda das Stadtteilzentrum "Schlachthof Hamburg" und die Schlachthofpassage von der Markt- zur Sternstraße eröffnet. 

Namensursprung und erste Bebauung des Viertels

Den Quartiersnamen verdankt das Viertel der Karolinenstraße, dessen Namensgeber möglicherweise ein ehemaliger "Patron" der Vorstadt war. Dieser wurde ursprünglich mit "C" geschrieben, wie an einer Inschrift zur "Carolinenpassage" noch ersichtlich ist. Ursprünglich wurde das Karoviertel auch "Schlachthofviertel", "Nord-St. Pauli" oder "Vor dem Holstent(h)or" genannt. Erst mit der langsam vorangehenden Sanierung ab den 1960er Jahren setzte sich die Bezeichnung "Karolinenviertel" durch.

Die erste Bebauung des Viertels begann vermutlich zu Beginn des 17. Jahrhunderts, denn in 1633 werden eine Ölmühle und eine Windmühle am nördlichen Rand des Heiligengeistfeldes erwähnt. Die vor den Wallanlagen entstehenden Vorstädte, darunter der Hamburger Berg, dienten nicht nur der Müllentsorgung, sondern waren unter anderem auch durch das Vorkommen von Quellen und kleinen Bachläufen auf ihrem höherliegenden Gebiet dazu geeignet Wasser in die Kernstadt zu leiten. Zudem wurden die außerstädtischen Gebiete als Bestattungsflächen genutzt. Während der fünftägigen Besetzung des Hamburger Bergs in 1686 wurde die Ölmühle zerstört. Eine in 1761 errichtete Glashütte in der Einmündung von der Markt- zur Karolinenstraße wurde um 1800 stillgelegt.

Franzosenzeit und Bauboom-Phase in der Vorstadt

Das Karoviertel fiel im Winter 1813/14, ebenso wie weitere Hamburger Vororte, an die Franzosen. Diese brannten im Januar 1814 die gesamte Vorstadt Hamburger Berg nieder, um freies Schussfeld zu haben. Unmittelbar nach Abzug der Franzosen am 30. Mai des gleichen Jahres wurde das Gebiet wieder aufgebaut. Im Viertel entstanden Garten- und Landhäuser und die nicht geradlinige Form der Marktstraße erinnert bis heute an den rapiden und ungeplanten Wiederaufbau. Die Architektur aus der Zeit ist nicht mehr erhalten, denn entweder wichen die Häuser neuen Bauwerken oder sie wurden durch Aufstockung, Vor- oder Anbau gänzlich verändert. Die Bebauung wurde zusehends enger und so entstanden immer häufiger Hinterhäuser und Terrassenzeilen, die an die innerstädtischen Gängeviertel des 19. Jahrhunderts erinnern. Diese Entwicklung beschleunigte sich noch als im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts die wirtschaftliche Prosperität der Gründerzeit in ganz Hamburg zunahm. Die Bebauung in der Marktstraße 7-9 erinnert an jene Epoche der Wohnterrassen und Passagen. Im Gegensatz dazu lassen sich nur noch wenige Architekturbeispiele des Jugendstils finden, darunter das in den Jahren 2003/04 sanierte bürgerliche Etagenhaus in der Marktstraße 114.

Ehemaliger Schlachthof als Verbindung zur Sternschanze

Die Schlachthöfe, wurden wie so viele andere lärmbelästigende oder gefährliche Betriebe, aus der Hamburger Kernstadt und in die Vorstädte eingegliedert. Darunter befand sich auch der zentrale Schlachthof. Nach mehrmaligen Verlegungen durch höheren Wohnungsbedarf innerhalb der Vorstadt, siedelte er sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Norden von St. Pauli an. Dieser bestand aus zwei Teilen, die östlich des Bahnhofs Sternschanze und nordwestlich des Heiligengeistfeldes errichtet wurden. In den Jahren 1887/88 wurde am Neuen Kamp zusätzlich die erste Zentralviehmarkthalle für Rinder- und Schafhandel gebaut. Nach Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg wurden die Markthallen und der Schlachthof in den 1950er Jahren wieder aufgebaut und erweitert. In den folgenden Jahrzenten siedelte sich die Fleischerbranche im Karoviertel an und es folgte der Bau weiterer Produktionsgebäude auf Zulaufstraßen zum Karoviertel – so ergab sich für das Viertel eine immer stärkere "Insellage".

Kraftwerk "Karoline"

In 1894/95 wurde das Kohlekraftwerk "Karoline" errichtet. Es wurde von dem Architekten Albert Winkler realisiert und lieferte vor allem im Zeitraum von  1930 bis 1960 den Betriebsstrom für die Hamburger und Altonaer Straßenbahnen. In späterer Zeit diente es der Fernwärmeversorgung. In 1988 wurde das Kraftwerk abgeschaltet und ein Großteil des Grundstücks wurde am Anfang der 2000er Jahre für den Bau der Hamburger Messehallen genutzt. Der gut erhaltene neugotische Backsteinbau des ehemaligen Verwaltungsgebäudes an der Karolinenstraße, dessen südlicher Teil jedoch zusätzlich teilweise abgerissen wurde, um einen Straßendurchbruch zu schaffen, wurde in den 1990er Jahren denkmalgerecht saniert. Es wurde zwar in die Architektur der Messehallen eingegliedert, steht aber offiziell nicht unter Denkmalschutz. 

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