Behörde für Umwelt und Energie

Klar zum Ändern Alte Medikamente gehören in den Restmüll

In unseren Gewässern finden sich Spuren von Arzneimitteln, das zeigen Untersuchungen. Für die Menschen ergeben sich zwar bisher keine gesundheitlichen Gefahren aufgrund der geringen Konzentrationen. Jedoch haben die vorgefundenen Arzneimittel auch in sehr geringen Konzentrationen Auswirkungen auf die Lebewesen im Gewässer.

1 / 1

Alte Medikamente gehören in den Restmüll

In einer repräsentativen Umfrage im Auftrag der Umweltbehörde haben mehr als 40 Prozent der Befragten angegeben, mindestens ein altes Medikament pro Jahr in der Spüle oder Toilette zu entsorgen. Jeder Zehnte von dieser Gruppe tut dies sogar mit mehr als zehn Arzneien pro Jahr. Die Umweltbehörde, HAMBURG WASSER und die Apothekerkammer appellieren an die Bevölkerung, für die Entsorgung die Restmülltonne zu  nutzen – und so unser Wasser auch langfristig zu schützen.

Umweltbelastung durch Arzneimittelrückstände

Arzneimittel dienen unserem Wohl und unserer Gesundheit. Der hohe Konsum, der zukünftig noch weiter ansteigen wird, hat aber auch eine Kehrseite. Bundesweit finden sich Arzneimittelrückstände in Oberflächengewässern sowie zum Teil auch im Grundwasser und im Trinkwasser. Oft weisen Medikamente eine hohe sogenannte Polarität auf – d.h. sie lösen und vermischen sich gut in Flüssigkeiten und Wasser -, dadurch sind sie in der Trinkwasseraufbereitung nur mit sehr hohem Aufwand zu entfernen. In Hamburg sind bisher keine Arzneimittel oder deren Abbauprodukte im Trinkwasser nachgewiesen worden, in unseren Gewässern aber schon. Auch wenn die gefundenen Konzentrationen für unsere Gewässer keine akute Gefahr darstellen, müssen wir uns aus Gründen des vorsorgenden Gesundheits- und Umweltschutzes um eine Reduzierung der Arzneimitteleinträge bemühen. Die Behörde für Umwelt und Energie BUE und HAMBURG WASSER haben sich daher für eine gemeinsame Kampagne zusammengeschlossen mit dem Ziel, den Eintrag von Medikamenten in die Hamburger Kläranlage Köhlbrandhöft / Dradenau zu verringern.

Wie gelangen Arzneimittel in die Gewässer?

Arzneimittel gelangen überwiegend durch den bestimmungsgemäßen Gebrauch – d.h. Einnahme, Körperausscheidung, Toilette, Abwassersystem – in die kommunale Kläranlage. Je nach Wirkstoff werden sie dort in vielen Fällen nur unzureichend oder kaum abgebaut und gelangen mit dem Klärwerksabwasser in die Gewässer. Langfristig ist nicht auszuschließen, dass Arzneimittel zudem durch möglicherweise undichte Abwasserkanäle in das Grundwasser gelangen könnten.

Ein nicht unerheblicher Teil wird durch eine unzulässige Entsorgung von Arzneimitteln über die Toilette oder den Ausguss in die kommunale Kläranlage und von dort in die Gewässer eingetragen.

Auswirkungen auf die Gewässerökologie

Arzneimittel können bereits in sehr niedrigen Konzentrationen nachteilige Wirkungen auf die Gewässerökologie haben. Derzeit wird rund 1.200 marktgängigen Humanarzneimitteln eine mögliche Umweltrelevanz zugesprochen, da sie toxisch und / oder langlebig sind. Mehr als 150 verschiedene Azneimittelwirkstoffe wurden bereits in deutschen Gewässern nachgewiesen, besonders häufig: jodierte Röntgenkontrastmittel, das Antiepileptikum Carbamazepin, das Schmerzmittel Diclofenac, das Antibiotikum Sulfamethoxazol, Lipidsenker, synthetische Hormone und Beta-Blocker.

Beispielhafte Auswirkungen im Gewässer:

  • Antibiotika hemmen das Wachstum von Pflanzen und Algen.
  • Schmerzmittel können Leber, Nieren und Kiemen von Fischen schädigen.
  • 17 α-Ethinylestradiol bewirkt in sehr geringen Konzentrationen eine Verweiblichung von männlichen Fischen und Schnecken. Dadurch wird deren Fortpflanzung gefährdet.

Öffentlichkeitskampagne zur Entsorgung von Medikamenten

Den Anstoß für eine Kampagne zur Entsorgung von Medikamenten gaben die Ergebnisse einer Studie im Auftrag des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft e. V. – BDEW. Der Studie zufolge:

  • wird sich der Arzneimittelverbrauch bis 2045 um bis zu 68,5 Prozent erhöhen,
  • steigt der Anteil der über 60-Jährigen an der Gesamtbevölkerung von heute 27% auf dann 36 %,
  • nimmt diese Bevölkerungsgruppe 20mal so viele Medikamente zu sich, wie 20-25-Jährige.

Mit einer speziell auf die Hamburger Bevölkerung zugeschnittenen Umfrage sollten die Ergebnisse der o. g. Studie verifiziert werden. Im Auftrag der Behörde für Umwelt und Energie und HAMBURG WASSER führte das Düsseldorfer Institut für empirische Sozial- und Kommunikationsforschung im Juni 2017 die Umfrage zum Entsorgungsverhalten der Hamburger Bevölkerung durch. Die Ergebnisse der Straßenumfrage bestärken die Notwendigkeit einer Aufklärungskampagne:

  • Nur 22 Prozent der Befragten fühlen sich gut darüber informiert, wie alte oder nicht mehr benötigte Medikamente entsorgt werden sollen.
  • Über 40 Prozent der Befragten gaben an, schon einmal Medikamente über die Toilette oder Spüle entsorgt zu haben. Dabei wurden über 80 verschiedene Produkte genannt.
  • Ältere Menschen entsorgen überdurchschnittlich häufig und deutlich mehr Medikamente über die Toilette oder Spüle.
  • Fast 62 Prozent wünschen sich mehr Informationen über das Thema.

Ein Baustein der Öffentlichkeitskampagne ist die Ausgabe von 175.000 Einkaufstüten durch die 350 Hamburger Apotheken, die eine Botschaft zur ordnungsgemäßen Medikamentenentsorgung enthalten. Diese Maßnahme wird unterstützt von der Apothekerkammer Hamburg sowie von vier Großhändlern (Gehe Pharma Handel GmbH, Sanacorp Pharmahandel GmbH, NOWEDA Arzneimittel AG und Phoenix Pharmahandel GmbH & Co KG).