Portugal in Hamburg Von den Sepharden bis zum Anwerbeabkommen

50 Jahre Anwerbeabkommen, ein Museumsschiff unter portugiesischer Flagge und Galão mit Natas auf den Wochenmärkten - Portugal ist aus Hamburgs Stadtbild und -kultur nur schwer wegzudenken. Wir haben uns auf Spurensuche begeben und sowohl in der Geschichte als auch im modernen Stadtbild Hamburgs nach den Einflüssen der mediterranen Kultur gesucht.

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Portugal in Hamburg

Vom schnellen Galão am Bahnhof über die Stamm-Pastelaria an der Ecke bis zu 50 Jahre Anwerbeabkommen - Portugals Einflüsse sind in Hamburg allgegenwärtig. Wer aufmerksam hinsieht, trifft auch jenseits der offensichtlichen Orte auf das ein oder andere Stück Portugal in Hamburg.

Geschichte der portugiesischen Einflüsse

Es ist nicht ganz klar wie weit die Einflüsse der Portugiesen auf Hamburg zurückreichen. Während die einen das Anwerbeabkommen in den 60er Jahren als Grund für den Einzug zahlreicher portugiesischer Gastarbeiter nennen, weisen die anderen auf den Umzug der Sepharden von der Atlantikküste an die Elbe gegen Mitte des 16. Jahrhunderts hin. 1531 setzte im Rahmen der Inquisition eine Verfolgungswelle der Juden Portugals ein, die meisten flohen in nordeuropäische Hafenstädte, viele ließen sich auch in Hamburg nieder. Wer tiefer in die Geschichte der portugiesischen Einwanderer einsteigen möchte, bedient sich am besten in der einschlägigen Literatur zum Thema. Das Buch Portugal in Hamburg von Michael Studemund-Halévy informiert über Sehenswürdigkeiten und die Geschichte Portugals, wer Näheres zu portugiesischen Kaufleuten in Hamburg lesen möchte, informiert sich bei Jorun Poettering. Des Weiteren bieten die offizielle Seite des Portugiesenviertels und die der Portugiesisch-Hanseatischen Gesellschaft (kurz PHG) interessante Einblicke in die Verbundenheit zwischen dem Mittelmeerland und der Hansestadt

Klassische Anlaufstelle: Das Portugiesenviertel

Das Portugiesenviertel bekam seinen Namen zwar nie offiziell verliehen, jedoch ist es in Hamburg als der Bereich zwischen Landungsbrücken, Venusberg und Neustadt bekannt. In den 60er Jahren stellte es dank seiner unmittelbaren Nähe zum Hafen einen großen Anziehungspunkt für die seefahrenden Portugiesen dar. Neuankömmlinge, die aufgrund der Rezession als Gastarbeiter in der Industrie keine Beschäftigung fanden, orientierten sich in die Gastronomie um. Besonders attraktiv als Standorte für Cafés, Restaurants und Bäckereien waren natürlich die Adressen in erster Reihe an Baumwall und Vorsetzen. Wer keinen Platz in solch prominenter Lage mehr ergattern konnte, wich auf das nahgelegene "Polenviertel" aus. Dort eröffnete in der Ditmar-Koel-Straße 1984 das Restaurante Porto. Es avancierte schnell vom Geheimtipp zum Vorbild für andere iberische Gastronome. Der Grundstein für Gastronomie und Geschäftstüchtigkeit im Portugiesenviertel, wie wir es heute kennen, war gelegt. Eine Auswahl unserer liebsten portugiesischen Restaurants finden Sie in unserem Restaurantführer-Portugiesenviertel. Für alle Spirituosen-Liebhaber: Der einzige in Hamburg destillierte Gin wird in der Altonaer-Spirituosen-Manufaktur von Hand hergestellt. Seine Wurzeln hat der "Gin Sul" an der Costa Vicentina im Südwesten Portugals. Das Besondere an diesem Hamburger Destillat ist die Verwendung echter Zistrosen-Blätter, die vor allem an der portugiesischen Atlantikküste wachsen und dort die Luft mit ihrem typischen Duft tränken.

Ein streitbares Fest

Was an für sich ein Grund zu feiern ist, sorgt seit Anfang 2014 für Unmut zwischen den Anwohnern und der Politik. Das Generalkonsulat in Hamburg und die portugiesische Botschaft in Berlin planen für den 7. und 8. Juni 2014 ein Fest zwischen Michel und Landungsbrücken. An diesem Wochenende jährt sich das Anwerbeabkommen zwischen Portugal und Deutschland zum 50. Mal, das soll in Hamburg rauschend gefeiert werden. Die an Festen vor ihrer Haustür und den damit anfallenden Unannehmlichkeiten wie Lärm, Parkplatznot, Müll und Touristenströmen nicht gerade unterversorgten Anwohner fühlen sich nun überlastet und wären gerne im Vorfeld bei den Planungen mit ins Boot geholt worden.

Veranstaltungen und Wissenswertes rund um Portugal

Abgesehen von den Feierlichkeiten rund um das Jubiläum des Anwerbeabkommens finden das ganze Jahr über Veranstaltungen zur deutsch-portugiesischen Freundschaft in Hamburg statt. Im Gutshaus in Glinde stellt der Fotograf Hans-Jürgen Odrowski ab dem 5. Juni bis zum 27. Juli in seiner Fotoausstellung seine Sicht auf Portugal vor. Im September können Sie ein Highlight des Fado im Völkerkundemuseum Hamburg erleben. Sängerin Cláudia Madur gibt am 20. September ein exklusives Konzert. Eintritt 20 Euro, PHG-Mitglieder 15 Euro.
Am Donnerstag, den 30.10.2014, findet im Kulturhaus Eppendorf eine PHG Buchvorstellung über das Werk "Mauern der Freiheit", das am 1. April 2014 erscheint, mit dem Herausgeber Karl-Eckard Carius statt. Ganzjährig zu besuchen ist die "Rickmer Rickmers". Sie ist neben dem Portugiesenviertel ein typisches Wahrzeichen der Hansestadt. In Zeiten des ersten Weltkrieges wurde sie als Segelschulschiff unter portugiesischer Flagge eingesetzt, was noch heute die Farben an und auf dem Schiff erklärt.
Eine portugiesische Tour durch die Hamburger Kunsthalle wird ebenso das ganze Jahr angeboten. Nach dem Motto "Vivenciar a Arte em Português: Kunst erleben auf Portugiesisch" führt die gebürtige Brasilianerin Ana de la Fontaine durch die Ausstellungen und lässt portugiesische Konversationen entstehen. Kurs mit sechs Terminen ab 42 Euro.

Gewürdigte Portugiesen in Hamburg

Vasco da Gama ist nicht der einzige Portugiese, der in Hamburg besonders gewürdigt wurde. Seine Statue steht an der Kornhausbrücke, am "Eingang" zur Speicherstadt.
In Hamburg-Altona, einem besonders portugiesisch geprägten Stadtteil, wurde im Jahr 2010 der Amália-Rodrigues-Weg samt Gedenktafel eingeweiht. Sie war Sängerin, Fado-Sängerin. Ein portugiesischer Musikstil, der vor allem in den Städten Lissabon und Coimbra beheimatet ist. Die Texte handeln meist von unglücklicher Liebe und saudades, der Sehnsucht. 

vergrößern Amália-Rodrigues-Weg Bild (Bild: www.panoramio.com) Die Benennung der Straße ist wichtig - für Hamburg und seine Einwohner. Die kleine Sackgasse symbolisiert die jahrhundertelange Beziehung zwischen der Hansestadt und der Seefahrernation. Denn Hamburg ist die "portugiesischste" aller deutschen Städte. Knapp 11.000 aus Portugal stammende Menschen wohnen hier. Vor allen in Hamburg-Mitte, Harburg und eben Altona. Außerdem ist die größte portugiesische Gemeinde im Ausland hier angesiedelt. Bereits im 18. Jahrhundert kamen die ersten Portugiesen nach Hamburg, um hier zu abreiten und sich niederzulassen.
Und gerade weil wir mit so vielen Portugiesen zusammen leben, wurde Amália Rodrigues mit diesem Weg geehrt. Sie gilt als Symbol und Identifikationsfigur der Portugiesen und deren Kultur. Dies symbolisiert noch einmal die Beziehung zwischen den beiden Hafenstädten Hamburg und Lissabon, welche die Geburtsstadt Amálias ist.
Da Gama entdeckte für uns neue Welten und Amália brachte der Welt die portugiesische Kultur näher.

Portugiesische Botschaften und Konsulate

Während es die nächste portugiesische Botschaft nur in Berlin gibt, hat das Generalkonsulat der Portugiesischen Republik seinen Sitz - wie die meisten Konsulate in Hamburg - an der Alster. Der Lateinamerika Verein, der im Jahre 1916 gegründet wurde ist ein Unternehmensnetzwerk und eine Informationsplattform für die deutsche Wirtschaft mit Interessen in Lateinamerika, unter anderem auch in Portugal.

Von den Sepharden bis zum Anwerbeabkommen
50 Jahre Anwerbeabkommen, ein Museumsschiff unter portugiesischer Flagge und Galão mit Natas auf den Wochenmärkten - Portugal ist aus Hamburgs Stadtbild und -kultur nur schwer wegzudenken. Wir haben uns auf Spurensuche begeben und sowohl in der Geschichte als auch im modernen Stadtbild Hamburgs nach den Einflüssen der mediterranen Kultur gesucht.
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