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Die Stadt der grünen Helden (5)

von Gunthild Kupitz

Diese Geschichte handelt vom Bau einer besseren, grüneren Welt: von sieben Menschen, die irgendwann aufhörten zu meckern – und anfingen, etwas zu ändern. In Labors, auf einem Segelboot in der Nordsee und einem Parkplatz auf St. Pauli.

 

HH Magazin Oktober 2010
Das Architektenpaar Ingrid Spengler und Manfred Wiescholek baut Häuser, die wenig Strom verbrauchen und einfach schön sind. Wie das Hamburg House für Shanghai oder die Katharinen-Grundschule. (Bild: Jens Boldt)



Erhard Maria Klein Einer, der mit dafür sorgt, dass es überhaupt Bioabfälle gibt, ist Erhard Maria Klein, 41. Klein ist Hobby-Imker – und damit zugleich Teil einer Bewegung: Denn es gibt sie in Manhattan genauso wie in London oder Hamburg. Diese Menschen halten Bienen mitten in der Großstadt – auf Hausdächern und Balkonen – und holen das Landleben auf diese Weise in die City. Das klingt romantisch, ist aber gleichzeitig wichtig für unsere Umwelt. Denn Bienen gehören zu den landwirtschaftlich wertvollsten Nutztieren – gleich nach Rindern und Schweinen. Sie bestäuben die Blüten zahlreicher Nutzpflanzen. Ohne die Bienen gäbe es kaum Gemüse, kaum Obst.

Doch die Bienen sterben, weltweit. Als Ursachen gelten Milben, verschiedene Viren, Umwelteinflüsse, Nahrungsmangel. Und das Problem betrifft nicht nur Honigliebhaber: Rund zehn Prozent des Wertes der weltweiten Agrarproduktion (etwa 150 Milliarden Euro) gehen auf die Bestäubung der Pflanzen durch Insekten zurück. Die New York Times bezifferte den durch das Bienensterben im Land entstandenen wirtschaftlichen Schaden bereits 2007 auf 14 Milliarden US-Dollar.

Imker sind also gefragt. Fünf Bienenvölker hält Klein zurzeit in seinem Schrebergarten in Hamburg-Altona. In einer Ecke, umgeben von Stachelbeersträuchern, Wacholder, Farnen und Stock-rosen sind die Kisten aufgebockt. Unablässig schwärmen Bienen zum „Weiden“, wie der Imker sagt, aus oder kehren mit gelben Pollen an den Hinterbeinen in den Stock zurück. „Hamburg ist ein Paradies für Imker“, sagt Klein. „Es gibt kaum einen besseren Ort als die Stadt, um Bienen zu halten.“ Hier blühen die unterschiedlichsten Blumen und Bäume in Gärten, in Parks und auf Friedhöfen. Sich mit Bienen zu befassen hat für Klein auch etwas Meditatives. „Die einen machen Yoga, ich imkere.“ Die Ernte ist ihm nicht wichtig. Entscheidend ist es für ihn, die Bienen so naturnah wie möglich zu halten.

Aber Klein ist mehr als nur ein Imker. Er ist der Erfinder einer Idee, mit der jeder ganz einfach auf seinem Balkon Bienen halten kann. Er entwickelte einen Bauplan, der es jedem Stadtbewohner erlauben soll, Bienen mit relativ wenig Zeit, Fachwissen und Geld artgerecht zu halten. Kernstück ist eine einfach konstruierte Holzkiste, ungefähr einen Meter lang. Die genaue Bauanleitung dafür hat Erhard Maria Klein auf seine Homepage (http://www.bienenkiste.de/) gestellt. Der Naturschutzbund NABU hat Klein, der beruflich eine Internetagentur betreibt, im vergangenen Jahr mit dem Hanse-Umweltpreis ausgezeichnet. Auch in der Hoffnung, auf diese Weise mehr Menschen zum Imkern zu inspirieren.

 
 
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