Senatskanzlei

Matthiae-Mahl 2018 Scholz: Europa braucht Mut und Realismus

Der Präsident der Europäischen Kommission, Jean-Claude Juncker, und Bundesminister a.D. Joschka Fischer waren am Freitag (2. März) die Ehrengäste des Matthiae Mahls 2018. Im Mittelpunkt der Reden: die Zukunft Europas.

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Scholz: Europa braucht Mut und Realismus

Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz begrüßte die beiden Ehrengäste um 18.50 Uhr traditionell im Rathaus auf dem sogenannten Spiegel. Danach trugen sich Jean-Claude Juncker und Joschka Fischer in das Goldene Buch der Stadt ein. Das eigentliche Festmahl begann dann um 20 Uhr mit dem Einzug der Ehrengäste an den Haupttisch im Großen Festsaal und dem Einmarsch der rund 110 Kellnerinnen und Kellner.

Scholz: Europa braucht Mut und Realismus

Höhepunkte des Mahls sind traditionell die Reden des Ersten Bürgermeisters sowie der beiden Ehrengäste, die zwischen den einzelnen Hauptgängen gehalten werden. Bürgermeister Olaf Scholz würdigte in seiner Rede zu Beginn des Mahls die Verdienste der beiden Ehrengäste für Europa: „Sie stehen beide mit Person und Werk für das, was jetzt nötig ist: Leidenschaft für das europäische Einigungsprojekt“. Scholz betonte, es sei notwendig, die Errungenschaften der Europäischen Einigung - Frieden, Wohlstand und Freiheit - zu bewahren und weiterzuentwickeln. Nationalstaaten und Europäische Union stünden dabei nicht im Widerstreit. Im Gegenteil: „Sie können miteinander an Stärke gewinnen“, sagte Scholz.

Die Europäische Union sei ein Friedensprojekt. Sie sei wichtig, damit „Demokratie, Recht und Sozialstaat nicht in den Wellen der Globalisierung und des technischen Wandels“ untergehen. Die Zeit für einen neuen Aufbruch sei dabei durchaus günstig, ist der Bürgermeister überzeugt: Die EU-Kommission und ihr Präsident, Ehrengast Jean-Claude Juncker, hätten eine Vielzahl „kluger Vorschläge“ vorgelegt. In Frankreich gebe es mit Präsident Macron eine „starke Stimme und einen wichtigen Partner für Fortschritt in Europa“. Auch in Deutschland stehe die Europapolitik in den Vereinbarungen zur Bildung einer neuen Regierung an erster Stelle.

Scholz wies in seiner Rede darauf hin, dass die Reaktion Europas auf drängende Probleme wie beispielsweise der Flüchtlingsfrage oft langsam gewesen sei. Die Skepsis mancher Bürgerinnen und Bürger gegenüber der Europäischen Union liege somit auch daran, dass sie daran zweifelten, dass die EU die ihr gestellten Aufgaben bewältige. Es sei daher wichtig, dass die Bürgerinnen und Bürger die Einsicht gewinnen, dass Europa ihre Interessen nach innen und außen vertrete.

Europa brauche Mut und Realismus. Es brauche „den Mut voranzudenken und ebenso den Realismus der Verwirklichung,“ schloss der Bürgermeister.

Junker: Hort von Wohlstand und Freiheit

Jean-Claude Juncker, Präsident der Europäischen Kommission, hob in seiner Rede hervor, dass Europa von einem Kontinent, der zwei Kriege erlebt habe, zu einem Hort von Wohlstand und Freiheit geworden sei. "Das Problem ist, dass wir das nicht zu schätzen wissen", sagte er. Juncker rief dazu auf, für ein besseres Europa zu arbeiten. Dafür sei es aber notwendig, mehr Geld in die Hand zu nehmen.

Fischer: Erfolg der EU ist im Interesse Deutschlands

Bundesminister a.D. Fischer mahnte, Europa habe nur gemeinsam eine Chance, in einer sich wandelnden Welt zu bestehen. Auch werde die EU sich mehr um die eigene Sicherheit und um die eigenen Interessen kümmern müssen. Ein weiteres verlorenes Jahrzehnt, das in dem Brexit-Votum Großbritanniens seinen negativen Höhepunkt gefunden habe, könne sich Europa nicht mehr leisten. Der Erfolg der EU sei aber auch im obersten nationalen Interesse Deutschlands. "Scheitert Europa und werden wir abgehängt, dann sehe ich schwarz", sagte Fischer. Eine zweite Chance wird es seiner Ansicht nach im 21. Jahrhundert nicht mehr geben.

400 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Kultur

Rund 400 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Kultur sind auch dieses Jahr der Einladung des Senats gefolgt. Dazu zählen neben den Senatorinnen und Senatoren auch Bürgerschaftspräsidentin Carola Veit sowie die Fraktionsvorsitzenden der Bürgerschaft. Das Vier-Gänge-Menü war bis kurz vor Beginn des Festmahls ein gut gehütetes Geheimnis.

Hintergrund

Der Name des historischen Ehrenmahls bezieht sich auf das Datum, an dem es traditionell stattfindet. Der Matthias-Tag am 24. Februar galt im Mittelalter als Frühlingsbeginn und Auftakt des Geschäftsjahres. Es entwickelte sich zu einem Brauch, "Vertreter der Hamburg freundlich gesonnenen Mächte" am Matthias-Tag zu einem Festmahl einzuladen. Seit 1356 feiern die Hamburger mit ihren Gästen dieses Mahl. Es ist damit das weltweit älteste heute noch begangene Festmahl.

Beim Matthiae-Mahl 2017 waren Bundesaußenminister Sigmar Gabriel und der kanadische Premier Justin Trudeau Ehrengäste.