Senatskanzlei

27. Februar 2009 Matthiae-Mahlzeit 2009: Ostseeregion im Mittelpunkt

Es ist das älteste noch begangene Festmahl der Welt: das Matthiae-Mahl. Jedes Jahr bietet es für Hamburg einen feierlichen Anlass, Traditionen aufleben zu lassen und zahlreiche Gäste aus Politik, Wirtschaft und Kultur im Hamburger Rathaus zu empfangen. Ehrengäste waren in diesem Jahr die Bundeskanzlerin Angela Merkel und Polens Ministerpräsident Donald Tusk.

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Matthiae-Mahlzeit 2009

Rund 400 Gäste aus Wirtschaft, Politik, Kultur und Gesellschaft waren der Einladung zum protokollarischen Höhepunkt des Jahres gefolgt.. Bürgermeister Ole von Beust begrüßte die Ehrengäste Angela Merkel und Donald Tusk kurz  vor 19 Uhr auf der Senatstreppe. Danach zogen sich Merkel und Tusk zu einem Gespräch zurück. Die Unterredung der Ehrengäste - in anderen Jahren eher eine Höflichkeitsplauderei - hatte wegen der aktuellen Diskussion um das Zentrum gegen Vertreibung eine politische Dimension bekommen. Anschließend trugen sich die beiden Ehrengäste ins Goldene Buch der Freien und Hansestadt Hamburg ein.

Tradition trifft Gegenwart
Die Matthiae-Mahlzeit ist seit 1356 historisch belegt und blickt damit auf eine lange Tradition zurück, dessen Elemente noch heute zelebriert werden. So wird zum Beispiel jedes Jahr der wohl gehütete Silberschatz des Rathauses geöffnet. Seine Tafelaufsätze und Schalen zieren die langen, festlich gedeckten Tische. Das absolute Highlight stellt dabei ein stattlicher Pokal dar, ein Geschenk von König Edward VII. von England aus dem Jahre 1904. Auch die lange Tradition des Hamburger Protokolls kommt an diesem Abend zum Ausdruck. Seine protokollarischen Regeln, die bis auf das 13. Jahrhundert zurückgehen, schreiben Hamburgs Erstem Bürgermeister beispielsweise vor, seine Ehrengäste am oberen Absatz der Senatstreppe zu empfangen. Die Ursprünge dieses Brauches finden sich in vergangenen Zeiten, in denen es noch üblich war, dass Jedermann zu Pferde reiste. Hamburgs erster Bürgermeister sollte beim Empfang seiner Ehrengäste niemals in die Verlegenheit geraten, seinen Gästen aus dem Sattel helfen zu müssen. Diese Gefahr besteht heute wohl nicht mehr – dennoch sind es nicht zuletzt diese rituellen Elemente, die das Festmahl zu einem besonderen Ereignis machen. Dieser feierliche Ablauf lässt Hamburgs Traditionen lebendig werden, inhaltlich beschäftigt die Gäste jedoch jedes Jahr ein Thema mit Gegenwartsbezug. "Dynamische Ostseeregion - 20 Jahre Partner in Europa" lautete das Thema in diesem Jahr.

Von  Beust: Europa als Chance begreifen
Nachdenkliche, aber auch zuversichtliche Worte  fand Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust in seiner Rede. Er ging auf die derzeit wohl größte Herausforderung Europas ein: den Umgang mit der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise. Von großer Bedeutung für den Weg aus der Krise sei vor allen Dingen die europäische Stärke. „Der Ostseeraum hat in den vergangenen Jahren von der Europäischen Integration und von der Globalisierung profitiert. Nun jedoch spüren wir dir Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise. Deshalb sollten wir unsere gemeinsamen Anstrengungen, das enorme Potenzial dieser dynamischen Region im Norden Europas nutzen“, sagte Beust. In diesem Zusammenhang hob der Bürgermeister auch die zentrale Stellung der Ostseeregion hervor, die nicht nur geographisch eine Einheit bilde, sondern auch ein großes wirtschaftliches Potenzial vereine. Gemeinsam sollen die Stärken genutzt werden: „Das Ziel ist eine Region mit Vorbildfunktion, in der eine erfolgreiche maritime Wirtschaft und ein gesundes Ökosystem keine Gegensätze mehr sind.“

Beust Gedanken waren zukunftsweisend, doch richtete er den Blick an diesem Abend auch mehrfach in die Vergangenheit zurück. Die gemeinsame Geschichte Deutschlands und Polens sei teilweise tragisch, besonders das Leid Polens unter der Herrschaft der Nationalsozialisten dürfe niemals in Vergessenheit geraten. „Heute jedoch begegnen sich Polen und Deutschland als Nachbarn, Verbündete und Freunde im gemeinsamen Europa“, sagte Beust und war damit wieder in der hoffnungsvollen Gegenwart.

Merkel: Beziehungen sind Herzensangelegenheit
Bundeskanzlerin Angela Merkel, die nach dem zweiten Gang sprach, nahm den Faden des Bürgermeisters auf. Sie nannte Tusk "einen Freund" und sagte weiter: "Für uns sind gute deutsch-polnische Beziehungen nicht nur eine politische Notwendigkeit, sondern eine wirkliche Herzensangelegenheit". Und auch Kanzlerin plädierte dafür, in Zeiten der Wirtschaftskrise Ökonomie und Ökologie nicht gegeneinander auszuspielen: " Wir setzen uns dafür ein, das Ökosystem Ostsee und den Wirtschaftsraum Ostsee nachhaltig zu entwickeln".

Auch der polnische Ministerpräsident Donald Tusk, nach dem Hauptgang Redner, plädierte für eine eine Weiterentwicklung der deutsch-polnischen Beziehungen in politischer und wirtschaftlicher Hinsicht.

Menü und Musik
Beim Kulinarischen und bei der Kunst gab's ein Premiere und eine Konstante. Erstmals war Karlheinz Hauser fürs Essen verantwortlich. Der Starkoch aus dem Blankeneser Süllberg tischte als Hauptgang Rücken vom Holsteiner Milchkalb mit Spargel, Waldpilzen und gefülltem Kartoffelbaumkuchen auf.

Die Musik unterstrich wieder ganz das Traditionelle des Mahls. Das Kammerorchester der Hochschule für Musik und Theater spielte die Tafelmusik Georg Philipp Telemanns. Sie komponierte er 1724 eigens für die Matthiae-Mahlzeit.

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