Senatskanzlei

Mediendialog 2015 Umbruch? Aufbruch! Medien in der digitalen Öffentlichkeit

Anlässlich des Senatsempfangs zum diesjährigen Mediendialog diskutierten am Dienstagabend rund 300 Gäste aus der Medien- und Kreativbranche im Rathaus die Herausforderungen einer digitalen Öffentlichkeit.

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Umbruch? Aufbruch! Medien in der digitalen Öffentlichkeit

Anlässlich des Senatsempfangs zum diesjährigen Mediendialog diskutierten am Dienstagabend rund 300 Gäste aus der Medien- und Kreativbranche im Rathaus die Herausforderungen einer digitalen Öffentlichkeit.

Beim Senatsempfang im Rathaus ging es um die Frage, wie die besondere Rolle von Kreativwirtschaft und Journalismus für die Demokratie in der digitalen Öffentlichkeit gesichert werden kann. „Öffentlichkeit entsteht in Freiheit – wirtschaftlich ebenso wie gesellschaftlich“, sagte Bürgermeister Olaf Scholz zum Auftakt des Mediendialogs Hamburg. Der Handlungsspielraum der Politik sei deshalb begrenzt. „Aber wir müssen uns um den Rahmen und die Prozesse kümmern, die ihr Entstehen ermöglichen.“

Neben der Herausforderung des digitalen Wandels betonte Scholz die Dringlichkeit, Antworten zu finden auf die mitunter drastische gesellschaftliche Kritik und Schmähung der Medien: „Auch inhaltlich gerät die Leistung unabhängiger Medien unter Druck. Wachsende Teile unserer Gesellschaft fühlen sich anscheinend in unserer Öffentlichkeit nicht mehr zu Hause“, so Scholz. Der Bürgermeister warb für ein größeres gemeinsames Bewusstsein der Medienbranche und für klare, verbindliche und faire Regeln für alle Marktbeteiligten.

Olaf Scholz setzte sich in seiner Grundsatzrede zudem mit der Bedeutung von Suchmaschinen und Sozialen Medien auseinander. Die Forderung nach einer Suchmaschinenneutralität gehe ins Leere, da Suchergebnisse zwangsläufig auf Auswahl beruhten. „Auch die Veröffentlichung des Algorithmus würde die besondere Funktion von Intermediären mehr gefährden, als ihr nutzen“, so Scholz. Denn bei Bekanntwerden seiner Funktionsweise wäre es viel leichter, durch Missbrauch ein höheres Ranking zu erreichen. Stattdessen müssten neue Instrumente und Mechanismen entwickelt werden, um eine Diskriminierung von Inhalten aus wirtschaftlichen oder politischen Motiven zu verhindern. Hamburg hat den Vorsitz einer Arbeitsgruppe der Bund-Länder-Kommission zu den Folgen der Konvergenz übernommen, die über zeitgemäße Regeln für neue Intermediäre berät. Als Intermediäre werden alle Akteure verstanden, die zwischen Inhalte-Anbietern und Nutzern agieren, also Suchmaschinen, soziale Netzwerke oder App-Stores.

Mit den weitreichenden Veränderungen, die das Internet für Innovation, Bildung und das Zustandekommen von Öffentlichkeit mit sich bringt, setzte sich anschließend Jōichi Itō in seiner Festrede auseinander. Dem Direktor des renommierten Media Lab am Massachusetts Institute of Technology (MIT) zufolge entstünden durch digitale Technologien völlig neue Ansätze des Lernens und Verstehens. Itō zeigte etwa, wie Journalisten mithilfe von Algorithmen schnell herausfinden, ob ein Gerücht im Netz eher zutreffend oder falsch ist. Ein anschließendes kurzes Gespräch zwischen Olaf Scholz und Jōichi Itō moderierte Professorin Amrita Narlikar, Präsidentin des Hamburger Leibniz-Instituts für Globale und Regionale Studien.

Am Nachmittag hatte Itō gemeinsam mit dem Präsidenten der Hamburger HafenCity Universität (HCU), Dr.-Ing. Walter Pelka, den offiziellen Startschuss für ein Kooperationsprojekt zwischen dem Media Lab des MIT und der HafenCity Universität gegeben. Das Projekt soll die mit der Digitalisierung verbundenen Veränderungen von Städten erforschen und konstruktiv mitgestalten.

Wie schon im Vorjahr bot der Mediendialog Hamburg 2015 jungen Führungskräften aus allen Medienbranchen die Gelegenheit zu einer Diskussion mit dem Bevollmächtigten des Senats für Medien, Dr. Carsten Brosda. Keynoter des Nachwuchsdialogs war der Journalist und Blogger Richard Gutjahr mit seiner Rede „‘Twitter ist mir zu textlastig!‘ – Digitale Inhalte zwischen üppigen Multimedia-Angeboten und Häppchen im Armbanduhr-Format“. 

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