Bezirk Hamburg-Mitte

Öjendorf Entwurf für das Wohnquartier Haferblöcken ausgewählt

Die Bürgerbeteiligung zu den geplanten neuen Stadt-Quartieren am Öjendorfer See ist mit der Sitzung des Auswahlgremiums vorläufig beendet. Natürlich geht der Planungsprozess und damit auch die Beteiligung mit dem anschließendem Bebauungsplanverfahren weiter. Die Mitglieder des Gremiums, darunter auch fünf Bürgervertreter und Bürgervertreterinnen haben sich bezüglich des Quartiers östlich Haferblöcken im Kern für eine neue Variante aus den Entwürfen zweier Planerteams entschieden. In den nächsten Wochen soll der Funktionsplan erstellt werden. Auch für das Quartier Haßloredder gibt es Entwürfe. Bevor diese jedoch weiter bearbeitet werden, wird zunächst berechnet, welche Kosten deren Realisierung mit sich bringen würde.

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Entwurf für das Wohnquartier Haferblöcken ausgewählt

In einer rund vierstündigen Sitzung haben die Mitglieder des Auswahlgremiums intensiv diskutiert. Die Entwürfe von vier verschiedenen Planerteams standen zur Auswahl. Anders als bei einem klassischen Wettbewerbsverfahren ging es aber nicht darum, einen „Siegerentwurf“ auszuwählen und zu prämieren. Von Anfang an war das vom Bezirk Hamburg-Mitte durchgeführte „Werkstattverfahren Quartiersentwicklung am Öjendorfer See“ auf Beteiligung und Kooperation ausgelegt. „Das war eine völlig neue Form des Arbeitens. Alle standen unter enormen Zeitdruck und hatten dabei in den Workshops einen intensiven Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern über deren Vorstellungen. In den Zwischenpräsentationen und insbesondere in der öffentlichen Planungswerkstatt konnte man sich über die unterschiedlichen Ansätze austauschen. Das Verfahren war dadurch sehr produktiv“, so Bodo Hafke, Baudezernent des Bezirks Hamburg-Mitte.

Das Werkstattverfahren war in dieser Form einzigartig in Hamburg. „Mit 14 Veranstaltungen in 12 Tagen mit verschiedensten Beteiligungsangeboten sind wir an die Grenzen unserer Leistungsfähigkeit gegangen. Aber es hat sich gelohnt. Wir haben unzählige sehr gute Anregungen und Ideen – ebenso wie kritische Hinweise – der Anwohnerinnen und Anwohnern aufnehmen können. Vieles davon findet sich ganz konkret in den einzelnen Entwürfen wieder“, erklärte Michael Mathe, Leiter des bezirklichen Fachamts Stadt- und Landschaftsplanung. „Mit diesem Ansatz haben wir die höchst mögliche Planungsqualität für das neue Quartier erreicht. Das war unser Ziel“, so Mathe weiter.

Stolz ist der Bezirk auch auf das eigene Planerteam aus Stadtplanern und Fachingenieuren, für dessen Entwurf des südlichen Planungsgebietes sich das Auswahlgremium einstimmig ausgesprochen hat. Für den nördlichen Teil des Gebietes sahen die Mitglieder des Gremiums den Entwurf des Büros Spengler und Wiescholek vorne. Beide Entwürfe werden nun zu einem Gesamtplan zusammengefügt und weiter ausgearbeitet.

Öffentlich vorgestellt wurden die Ergebnisse am 3. März 2016 in einer gemeinsamen Sitzung des bezirklichen Ausschusses für Wohnen und Stadtteilentwicklung und des Beirates Billstedt-Horn.

Bei der Auswahl der Entwürfe konnten fünf Vertreterinnen und Vertreter der Bürgerinnen und Bürger mitreden. In jedem Workshop wurde eine Person als Vertreter im Auswahlgremium bestimmt. Sie hatten die Aufgabe darauf zu achten, dass die zentralen Hinweise der Menschen, die sich ehrenamtlich engagiert haben, auch berücksichtigt werden. Den Bürgerinnen und Bürgern war unter anderem wichtig, dass die Grünbeziehungen zum Öjendorfer Park nicht zerstört werden, dass das neue Quartier nicht zu dicht bebaut wird, es unterschiedliche Wohnformen gibt und dass es mit dem bestehenden Quartier zusammenwachsen kann. Außerdem wurde gefordert, die Wohnungen für Flüchtlinge in dem Quartier zu verteilen und nicht nur im nördlichen Bereich zu realisieren, damit die Integration gelingen kann. Dieses Anliegen wird auch von den Investoren in dem Gebiet unterstützt, die sich über die Ergebnisse des Verfahrens durchweg positiv äußerten. Gebaut werden die Wohnungen von der SAGA GWG, der HANSA Baugenossenschaft und der Baugenossenschaft freier Gewerkschafter (BGFG).

Auch weitere Anregungen sind in die Planungen eingeflossen. „Wir haben öffentliche Parkplätze für die Besucher des Parks ebenso aufgenommen wie die Forderung nach einem zentralen öffentlichen Platz und nach Begegnungsstätten. Ein Haus der Begegnung wird – in welcher Form auch immer – umgesetzt werden“, bekräftigt Michael Mathe und verweist auf die jetzt anstehenden Verabredungen mit den verantwortlichen Stellen, um parallel zu den Wohnungen die erforderliche Infrastruktur zu bauen und zu betreiben.

Während des Werkstattverfahrens gab es auch zahlreiche Kritik, besonders am parallel geplanten Standort Haßloredder. Man könne sich nicht vorstellen, dass sich dort eine Wohnbebauung mit all der erforderlichen Infrastruktur finanziell rechne, so das oft vorgebrachte Hauptargument. „Wir kennen die schwierigen Rahmenbedingungen für dieses Wohnquartier. Wir werden daher eine ehrliche Rechnung erstellen und dann entscheiden, ob die Planungen für dieses Gebiet weiter betrieben werden“, erklärt der Baudezernent Bode Hafke. Sollte dies nicht der Fall sein, steht der Bezirk vor der Aufgabe, den notwendigen Wohnungsbau für Flüchtlinge an anderer Stelle zu entwickeln.