Behörde für Schule und Berufsbildung

Musteraufgaben 2016 Länderübergreifende Musteraufgabe Deutsch

Fachliche Einführung

Länderübergreifende Musteraufgabe Deutsch

1   Erläuterungen zur Aufgabenart materialgestütztes Verfassen argumentierender Texte

Das materialgestützte Verfassen argumentierender Texte ist – neben dem materialgestützten Verfassen informierender Texte – eine in den Bildungsstandards im Fach Deutsch für die Allgemeine Hochschulreife (BiSta AHR-D) in der Fassung vom 18.12.2012 definierte Aufgabenart:

„Das materialgestützte Verfassen argumentierender Texte besteht im Kern darin, zu strittigen oder erklärungsbedürftigen Fragen, Sachverhalten und Texten differenzierte Argumentationen zu entwickeln und diese strukturiert zu entfalten […]. Dabei nutzen die Schülerinnen und Schüler die vorgegebenen Materialien und die Ergebnisse eigener Analysen, Vergleiche und Untersuchungen ebenso wie eigene Wissensbestände und geeignete Argumentationsstrategien. Der dabei entstehende Text soll die Kontroverse sowie die Argumentation und die vom Prüfling eingenommene Position für den Adressaten des Textes nachvollziehbar machen“ (BiSta AHR-D, S. 26).

Das materialgestützte Verfassen argumentierender Texte stellt eine Weiterentwicklung der in den Einheitlichen Prüfungsanforderungen (EPA) Deutsch definierten Variante des gestaltenden Erschließens pragmatischer Texte (Sachtexte) dar (vgl. www.kmk.org/fileadmin/veroeffentlichungen_beschluesse/1989/1989_12_01-EPA-Deutsch.pdf, S. 23 f.).

Die Aufgabenart greift inhaltlich auf wesentliche Themenfelder des Deutschunterrichts zurück: Sprache, Medien, Lesen/Literatur. Die zugrunde gelegten Texte beziehen sich in der Regel auf aktuelle Fragestellungen und die Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler.

Im Abitur 2016 wird das materialgestützte Verfassen eines argumentierenden Textes in Form journalistischen Schreibens (z. B. in Form eines Kommentars) angeboten. Dabei gilt: „Der zu schreibende Text muss sich zum einen an den formalen und sprachlichen Bedingungen der vorgegebenen Gestaltungsform orientieren und zum anderen den kommunikativen Kontext, insbesondere die Adressatengruppe, berücksichtigen.“ (vgl. EPA Deutsch; S. 23).

 

2   Beschreibung der Aufgabenart

Das materialgestützte Verfassen argumentierender Texte erfolgt auf der Grundlage unterschiedlicher Materialien (kontinuierlicher/linearer Texte, aber auch diskontinuierlicher/nichtlinearer Texte). Sie dienen der argumentativen Auseinandersetzung mit einer Fragestellung unter Hinzuziehung eigenen Wissens und eigener Erfahrungen. Gefordert ist die eingehende, methodisch nachvollziehbare Auseinandersetzung mit den Materialien. Das argumentierende Schreiben fördert die Urteilsfähigkeit und Standpunktbildung in einer zunehmend pluralistischen Informationsgesellschaft und setzt in besonderer Weise die Kenntnis und die Verfügbarkeit geeigneter Argumentationsstrategien und -verfahren sowie sprachgestalterische Fähigkeiten voraus.

 

Für die Bearbeitung der Aufgabe werden folgende Operationen bzw. Leistungen erwartet:

  • sach- wie themengerechte, zielgerichtete Auswahl und Gewichtung inhaltlicher Aussagen;
  • Hinzuziehung eigenen Wissens und eigener Erfahrungen;
  • Erfassen der Positionen der Autoren linearer Texte und Erfassen der wesentlichen Aussagen nichtlinearer Texte im Hinblick auf die Aufgaben-/Problemstellung;
  • inhaltlich angemessene Aufbereitung der Materialien für die eigene Argumentation und Entwicklung einer eigenständigen Argumentationsstrategie;
  • Aufbau und Entfaltung der eigenständigen Argumentation;
  • begründete Urteilsbildung;
  • pointiertere Darstellung der eigenen Position;
  • der Textsorte angemessene sprachlich-stilistische Gestaltung;
  • deutlicher Adressatenbezug.

(vgl. EPA, S.18 f.; S.23 f.)

 

Das materialgestützte Verfassen eines argumentierenden Textes orientiert sich an folgenden Bildungsstandards:
Kompetenzbereich „Lesen“:

Die Schülerinnen und Schüler können

  • aus anspruchsvollen Aufgabenstellungen angemessene Leseziele ableiten und diese für die Textrezeption nutzen;
  • die Qualität von Textinformationen vor dem Hintergrund ihres fachlichen Wissens prüfen und beurteilen;
  • ihr Fach- und Weltwissen flexibel einsetzen, um das Textverständnis zu vertiefen und die Relevanz des Gelesenen einzuschätzen.

(vgl. BiSta AHR-D, S. 18)

 

Kompetenzbereich „Schreiben“:
Die Schülerinnen und Schüler können

  • anspruchsvolle Aufgabenstellungen in konkrete Schreibziele und Schreibpläne überführen und komplexe Texte unter Beachtung von Textkonventionen eigenständig […] strukturieren;
  • aus […] Informationsquellen Relevantes für die eigene Textproduktion auswählen und in geeigneter Form aufbereiten;
  • Schlussfolgerungen aus ihren Analysen, Vergleichen […] von Sachverhalten und Texten ziehen und diese in kohärenter Weise darstellen;
  • zu fachlich strittigen Sachverhalten und Themen differenzierte Argumentationen entwerfen, diese strukturiert entfalten;
  • in Anlehnung an journalistische […] Textformen eigene Texte schreiben;
  • Texte orthografisch und grammatisch korrekt sowie fachsprachlich präzise, prägnant und stilistisch angemessen verfassen.

(vgl. BiSta AHR-D, S. 16 f.)

 

Kompetenzbereich „Sich mit pragmatischen Texten auseinandersetzen“
Die Schülerinnen und Schüler können

  • zielgerichtet Zusammenhänge zu weiteren ihnen bekannten Texten herstellen und hierfür passende Wissensbestände aktivieren;
  • sich mittels pragmatischer Texte mit den eigenen Welt- und Wertvorstellungen […]

auseinandersetzen.

(vgl. BiSta AHR-D, S. 19)

 

3   Inhaltliche Ausrichtung

Die Aufgabe bezieht sich auf Inhalte und Themenfelder des Deutschunterrichts:

Sprache: aktuelle Entwicklungen der deutschen Sprache: Sprachnormen, Sprach-wandel, Sprachvarietäten 

Medien: Medienbegriff, Medienwandel, Medienkritik, mediales Handeln

Lesen und Literatur: Leseprozess, persönliche Leseerfahrungen, Funktionen von Literatur.

Überschneidungen sind möglich, z. B. indem der Einfluss bestimmter Medien auf Sprachnutzung und Sprachentwicklung thematisiert wird. Übergreifende Fragestellungen zielen auf Formen der Kommunikation sowie auf die Bedeutung von Sprache, Medien und Literatur für die persönliche bzw. gesellschaftliche Entwicklung.

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