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Live-Musik-Clubs auf Sankt-Pauli

von M/SL

„St. Pauli ist in gewisser Weise Opfer seines eigenen Erfolges geworden...“. Diesen Satz hört man inzwischen immer häufiger, und er unterstellt, dass der Erfolg ein zweischneidiges Schwert ist. Im konkreten Fall spielt er darauf an, dass die Gegend rund um die Reeperbahn inzwischen begehrt ist. Diese gewachsene Attraktivität hängt unter anderem mit der Vielfalt der Kultur und insbesondere der Musikkultur zusammen. Doch gerade diese scheint bedroht, wenn Grundstückspreise und Mieten steigen.

 

Live-Musik im Thomas Reed auf St. Pauli
(Bild: www.mediaserver.hamburg.de)

Allerdings beschreibt dieser Effekt und die darauf fokussierte Sichtweise nur ein Element der komplexen Struktur des Stadtteils St. Pauli, die durch eine Mischung geprägt ist, wie sie in Deutschland wohl in keiner anderen Stadt wieder zu finden ist. Gleichzeitig stellt die Einzigartigkeit der Mischung aber für die Stadt Hamburg ein hohes Gut dar. Es ist vielleicht das einzige Merkmal, das die Stadt auch international gegenüber ähnlich großen oder größeren Städten hervor hebt. Insofern wäre es kein Zufall, wenn nicht wenige Hamburger Akteure mit ihrer Aussage Recht hätten, dass der Name St. Pauli in der Welt bekannter sei als die Stadt Hamburg an sich.

Erste Untersuchungen haben ergeben, dass die breite kulturelle Vielfalt und insbesondere das Livemusikclub-Angebot besondere Alleinstellungsmerkmale des Stadtteils St. Pauli darstellen. Livemusikclubs (LMC) gehören deshalb mit zu den wichtigen städtischen Kulturbetrieben.

Zur Klärung der Situation hatte das Fachamt Stadt- und Landschaftsplanung ein Gutachten erstellen lassen. Es zeigt, dass grundsätzlich eine Reihe von Instrumenten denkbar sind, um die Bedingungen für Livemusikclubs zu verbessern. Zur Unterstützung von Livemusikclubs bedarf es räumlich und sachlich differenzierter Maßnahmenpakete und Strategien. Diese  sollten sowohl planungsrechtliche, insbesondere aber auch andere Handlungsansätze in sinnvoller Kombination umfassen.

Ausgangspunkt des Gutachtens ist, dass den Lifemusikclubs in der bunten Mischung St. Paulis eine große Bedeutung beizumessen ist. Sie sind Imageträger des Stadtteils mit weiträumiger Ausstrahlung und Ausdrucksform einer lebendigen Musikwirtschaft.  

Zusammen mit den ähnlichen Betriebsformen und ergänzenden gastronomischen und Vergnügungsangeboten sowie anderen Kulturbetrieben tragen sie erheblich zu der besonderen imageprägenden Mischung und Atmosphäre St. Paulis bei. Als Bestandteil der Night-time-economy sind Livemusikclubs zudem wichtige Träger des Kultur- und Nachtlebens sowie ein Indikator für Urbanität, Kreativität und Lebendigkeit.

Das Gutachten analysiert somit den Ist-Zustand und die Entwicklungsmöglichkeiten im „Kiez“. Im Ergebnis soll St. Pauli ein Stadtteil bleiben bzw. werden, in dem Wohnen und Livemusikclubs sowie andere publikumswirksame kulturelle Einrichtungen als Akteure der Kulturwirtschaft und sinnvoll ergänzende lokale Ökonomien sich in einem dynamischen und lebendigen Nutzungsmix entwickeln können. Dabei wurden insbesondere Wohnen und Musikclubs so gegeneinander abgegrenzt, dass sie in einem möglichst spannungsarmen Zusammenspiel koexistieren.

Im Gutachten ist auch die ehemalige Rindermarkthalle als potentieller Standort für eine Konzerthalle aufgenommen. Dieser Standort wird von den Anrainern äußerst kritisch bewertet und deshalb von der Politik und vom Fachamt Stadt- und Landschaftsplanung ergebnisoffen diskutiert. Für den Bezirk sind auch andere Standorte für eine Musikhalle vorstellbar. Aktuell wird seitens des Bezirksamtes eine Zwischennutzung für die alte Rindermarkthalle favorisiert. Denkbar sind die Unterbringung eines Supermarktes und eine Markthalle für die Nahversorgung des Stadtteils. Auch  der temporäre Fortbestand vorhandener Nutzungen (wie z. B. die Moschee) soll gesichert werden. Hierzu laufen Gespräche mit den zuständigen Ressorts (insbesondere mit der Finanzbehörde).

Das Ergebnis des Gutachtens, das die Situation und die  Entwicklungsmöglichkeiten von Live-Musik-Clubs untersucht, wurde am 09.12.2010 dem 4. Runden Tisch vorgestellt. Schwerpunkt der von Frau Birnkraut moderierten Veranstaltung, zu dem das Fachamt Stadt- und Landschaftsplanung eingeladen hatte, war die Vorstellung des Gutachtens und dessen Erörterung. An diesem Runden Tisch nahmen eine große Anzahl der Vertreter hiesiger Musik-Clubs teil, um mit Vertretern des Bezirksamts und der Politik  intensiv die Handlungsempfehlungen  zu diskutieren.

Bei den Downloads können Sie sich das Gutachten, dessen Zusammenfassung und die Ergebnisse des 4. Runden Tisches herunterladen.