Rathaus Bergedorf
Bergedorfer Rathaus
(Otto Steigleder)
Unter den Bauwerken des Bezirks Bergedorf tritt das stattliche Rathaus Bergedorf mit seinen ruhigen, schönen Linien, von zwei Seiten umgeben von einem herrlichen Park, besonders in Erscheinung.
Es ist aber keineswegs so, dass das Gebäude erbaut wurde, um darin die Verwaltung eines großen städtischen Gemeinwesens unterzubringen. Zu Beginn des vorigen Jahrhunderts befand sich das Terrain im Besitz von Karl Friedrich Wilhelm Schlebusch, einem offenbar sehr wohlhabenden Bergedorfer Bürger, nach dem eine Straße in Bergedorf benannt ist. Das Grundstück, auf dem sich heute das Rathaus befindet, wurde im Jahre 1839 von dem Ratmann und späteren Bürgermeister Dr. Dietrich Philipp August Lamprecht erworben. Bis zu seinem Tode im Jahre 1882 blieb es in seinem Besitz.
Im Jahre 1883 wurde es dann von Gustav Ritter, Pastor an der St. Michaeliskirche in Hamburg, gekauft. Als Sohn des Rektors Ritter, der die damalige Stadtschule neu geordnet und aufgebaut hatte, war er ein geborener Bergedorfer, dessen ganze Liebe seiner Heimatstadt galt. Gustav Ritter verkaufte das Grundstück schon bald wieder. So kam das Anwesen 1889 an Hermann Friedrich Messtorff, der das, wenn auch geräumige, so doch äußerlich bescheidene Haus durch den Aus- und Anbau von Gesellschaftsräumen, eines Wintergartens und eines stattlichen Turmes zu einem kleinen Schloss umbaute. Nach Krieg und Inflation waren die Erben des inzwischen verstorbenen Messtorff gezwungen, das Haus zu verkaufen. Am 8. April 1924 ging das gesamte Grundstück mit dem Haus in den Besitz der Stadt Bergedorf über. Nun wurde das Gebäude vollkommen umgebaut, so dass ein zweckmäßiges, geräumiges, allen - damaligen - neuzeitlichen Anforderungen gerecht werdendes Rathaus entstand. Am 12. März 1927 wurde das neue Rathaus im Beisein des Hamburger Bürgermeisters Dr. Carl Petersen sowie des Bürgermeisters von Bergedorf Wilhelm Wiesner (nach ihm wurde der Wiesnerring benannt) feierlich eingeweiht. Die heute zum Teil erhaltenen großzügig gestalteten repräsentativen Räume sind von ihrer Ausstattung her kunsthistorisch sehr interessant und erinnern wohl mehr an die für ein Schloss typischen Räume als an nüchterne Verwaltungsräume. Die besondere Atmosphäre dieses Hauses kommt in dem gediegenen Amtsleiterzimmer, dem prächtigen Spiegelsaal und dem in ruhigen, schönen Formen gehaltenen und doch zweckmäßig eingerichteten Sitzungssaal des Bezirksamtes zum Ausdruck. So entstand über Jahrzehnte hinweg aus dem bürgerlichen, behaglichen Wohnhaus zunächst ein Schloss mit reicher Geselligkeit und daraus wieder ein den Bürgern eines modernen Gemeinwesens dienendes Verwaltungsgebäude - das Rathaus des Hamburger Bezirks Bergedorf.
75 Jahre nach der Einweihung feierten die Bürgerinnen und Bürger am 19. März 2002 zusammen mit dem Hamburger Bürgermeisters -Ole von Beust- das Jubiläum. Eine Ausstellung, die die Entwicklung von der Großvilla des Kaufmanns Hermann Friedrich Messtorff zum Rathaus zeigte, war aus diesem Anlass fünf Wochen lang zu sehen. Die Broschüre mit dem Titel "Von der Villa zum Verwaltungszentrum - 75 Jahre Rathaus Bergedorf" begleitete die Gesamtveranstaltung. Sie ist im Bezirksamt, dem Museum für Bergedorf und die Vierlande und dem Museum für Hamburgische Geschichte zu erwerben.
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