Behörde für Schule und Berufsbildung

Dr. Rita Bake zum Umgang mit nationalsozialistischer Vergangenheit Straßennamen

Rund 33 Prozent aller Hamburger Straßen sind nach Personen benannt. Das sorgt oft für Konflikte – besonders dann, wenn es sich um Personen der Zeitgeschichte handelt, deren politisches Wirken sich im Nachhinein als undemokratisch herausstellt. Rita Bake über NS-belastete Straßennamen.

Straßennamen

Vorbermerkung

Dieser Aufsatz ist nicht der Leitartikel der Datenbank „Die Dabeigewesenen“, denn er widmet sich ausschließlich nur der Frage nach dem Umgang mit NS-belasteten Straßennamen, eine Debatte, die aktuell in vielen deutschen Städten geführt wird. In dieser Debatte werden die Termini “NS-Belastete“ und „NS-belastete Straßennamen“ benutzt. Deshalb werden in diesem Aufsatz ebenfalls diese Begrifflichkeiten verwendet, die jedoch nicht in den „Leitartikeln“ bzw. Erklärungen zur Datenbank auf der Startseite des Datenbankauftrittes benutzt werden. Hier wird nur der Begriff „Dabeigewesene“ verwendet, denn in die Datenbank aufgenommen, werden Menschen, die aus den unterschiedlichsten Gründen als Dabeigewesene bezeichnet werden können . Sie stützten das NS-System, indem sie z. B., ohne darüber nachzudenken und ohne zu hinterfragen, bereitwillig moralische und soziale Normen des NS-Staats übernahmen. Sind nach solchen Personen auch Straßen benannt, wird darauf hingewiesen. Dabei steht aber nicht die Frage im Vordergrund, ob eine, nach einem Dabeigewesenen benannte Straße umbenannt werden sollte. Für die Beantwortung dieser komplexen Frage, für die diverse Städte ganze Wissenschaftler-Kommissionen mit umfassender Ausstattung eingesetzt haben, kann die Datenbank mit ihren über 500 Kurzprofilen und weiteren über 200 Einträgen nicht die Grundlage bieten. Dies war auch nicht Intention der Datenbank. Die Landeszentrale möchte mit der Datenbank einen Anschub leisten, sich in unserer Stadt verstärkt mit den Dabeigewesenen zu beschäftigen. Dabei soll die Datenbank „Die Dabeigewesenen“ ein Pendant zur Stolperstein-Datenbank sein, um zu verdeutlichen, dass das NS-System, das so viele Opfer hervorbrachte, nur deshalb funktionieren konnte, weil es so viele „Dabeigewesene“ (in den unterschiedlichsten „Schattierungen“) gab. Gleichzeitig, indem die Adressen der Wirkungs- und Wohnadressen der Dabei gewesenen aufgenommen wurden, soll mit der Datenbank ein topografischer Blick sowohl auf die Dabei gewesenen als auch auf die Opfer des Nationalsozialismus geworfen werden können (Letztere stehen mit ihren Wohnadressen in der Stolpersteindatenbank). Damit soll deutlich gemacht werden, wie eng beieinander Opfer und Dabeigewesene in Hamburg lebten und wirkten. Deshalb wird bei einigen Dabei gewesenen-Profilen auch auf die in der unmittelbaren Nachbarschaft wohnenden Opfer des Nationalsozialismus hingewiesen, ohne damit behaupten zu wollen, dass sich Dabei gewesene und Opfer kannten.

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