St. Petri Hamburg Die älteste Pfarrkirche Hamburgs

St. Petri – im Volksmund einfach Petrikirche – zählt zu den fünf Hauptkirchen Hamburgs. Ihr Turm war einst der höchste der Stadt und auch heute noch bietet sich dem Besucher auf 123 Metern Höhe eine tolle Sicht auf die Hansestadt. 

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Informationen zu der Petrikirche

Adresse
Bei der Petrikirche 2, 20095 Hamburg
Telefon
040 32 57 40-0
E-Mail
info@sankt-petri.de
Homepage
Hauptkirche St. Petri
Öffnungszeiten
Montag bis Freitag 10 bis 18:30 Uhr (Mittwoch bis 19 Uhr)
Samstag 10 bis 17 Uhr
Sonntag 9 bis 20 Uhr
Öffentliche Verkehrsmittel
U3 Haltestelle Rathausmarkt
U2 Haltestelle Jungfernstieg
S1, S3 Haltestelle Jungfernstieg,
Parkplätze
Parkhaus in der Großen Reichenstraße


Grundlegendes zur Geschichte der Petrikirche

St. Petri ist seit Abriss des Hamburger Mariendoms in 1805 die älteste noch bestehende Kirche in Hamburg. Der erste Bau der Petrikirche war eine Holzkapelle aus dem Beginn des 11. Jahrhunderts, die ihre erste urkundliche Niederschrift in 1195 fand. Heute wie damals befindet sie sich an der Mönckebergstraße, in unmittelbarer Nähe zum Jungfernstieg, Hauptbahnhof und Thalia Theater. Der Namenspatron von St. Petri ist seit der Ernennung durch Papst Honorius III. in 1220 der Apostel und Märtyrer Petrus. Wann der Holzbau durch einen Steinbau ersetzt wurde ist historisch nicht überliefert. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts ermöglichte der zunehmende Wohlstand der Hamburger Bürger den Ausbau der Kirche zu einer dreischiffigen gotischen Hallenkirche aus Backstein. Ein bronzener Türzieher, der einen Löwenkopf darstellt, ist das älteste noch erhaltene Kunstwerk der Hansestadt. Seine Umschrift belegt die Grundsteinlegung des Turms im Jahr 1342. Mit dem Anbau eines zweiten südlichen Seitenschiffes gegen 1418 waren die wesentlichen Erweiterungsbauten abgeschlossen. Der von 1513 bis 1516 umgebaute Kirchturm war mit 127,5 Metern Höhe der höchste der Stadt – bis im Jahr 1518 der 135 Meter hohe Kirchturm von St. Nikolai fertiggestellt wurde.

Aussichtsplattform auf dem Kirchturm

Wer die 544 Stufen des Kirchturmes nicht scheut, den erwartet eine wunderbare Aussicht durch Bullaugen. Mit 123 Metern ist die Plattform von St. Petri die höchste in ganz Hamburg. Das Rathaus oder die Binnenalster können unter anderem aus der Vogelperspektive in Augenschein genommen werden. Möglich ist der Aufstieg montags bis samstags in der Zeit von 11 bis 16:30 Uhr und sonntags zwischen 11:30 und 16:30 Uhr. Entworfen wurde der heutige Turmhelm von Johann Maack und wurde am 7. Mai 1878 eingeweiht – auf den Tag genau 36 Jahre nach der Zerstörung durch die Flammen des Großen Brandes.

Einschneidende Erlebnisse für den Kirchenbau von St. Petri

Der Zeitraum von 1806 bis 1814 wird in der Lokalgeschichte als Hamburger Franzosenzeit bezeichnet. Die Stadt stand damals unter französischer Besatzung, um eine Wirtschaftsblockade über die britischen Inseln durchzusetzen. Der Handel mit Großbritannien wurde verboten und alle englischen Waren innerhalb der Hansestadt beschlagnahmt. So blühte der Schmuggel mit dem dänischen Umland auf – dazu gehörte auch Altona. Mit der Zeit wurden die Lebensmittel immer knapper. Durch die französischen Besatzer wurden alle Hauptkirchen als Pferdeställe entweiht, die Einrichtung wurde zuvor herausgerissen. Nur St. Michaelis blieb vor diesem Schicksal befreit, da Gemeindemitglieder unter großen Anstrengungen anderweitige Unterkünfte für die Pferde fanden.

Während des Großen Brandes brannte die Kirche am 7. Mai 1842 völlig aus. Ein Großteil der Mauern fiel anschließend in sich zusammen. Das ehemalige Südportal, das sowie die meisten Kunstwerke vor den Flammen gerettet werden konnte, kann heutzutage im Innenhof des Hamburg Museums besichtigt werden. Doch bereits zwei Jahre später wurde sie mit einer Ausrichtung in Richtung Kanzel erneut aufgebaut. Sieben Jahre später konnte der Kirchenbau, der sich teils an seinem mittelalterlichen Vorgänger und teils an neuen Elementen orientierte, geweiht werden. Mit der Umstrukturierung der Hamburger Altstadt, dem Abriss der Gängeviertel und der Errichtung des Kontohausviertels verlor die Gemeinde viele Mitglieder.

Die Luftangriffe der Operation Gomorrha während des Zweiten Weltkrieges überstand St. Petri annähernd unbeschädigt. In 1962 wurden bei dem Bau des kirchlichen Gemeindezentrums die Fundamente des mittelalterlichen Bischofsturms entdeckt. Infolge des Atomunfalls im Kernkraftwerk Three Mille Island am 28. März 1979 besetzten einen Monat später zirka 400 Atomkraftgegner rund drei Wochen lang die Petrikirche. Ihr Ziel war es auf die Gefahren von Kernenergie aufmerksam zu machen. Unter den Teilnehmern befanden sich auch zehn Pastoren, die später von der Kirchenleitung gerügt wurden.

Das Gotteshaus und seine Schätze

Begrüßt wird der Kirchenbesucher von vier Marmorskulpturen, die die Evangelisten Lukas, Matthäus, Markus und Johannes zeigen. Die Statuen wurden im Jahr 1888 durch August Herzig geschaffen. Drei Orgeln geben im Inneren den Ton an. Konzerte und Veranstaltungen werden in unregelmäßigen Abständen abgehalten.

Die größte der drei Läuteglocken im Kirchturm ist den Aposteln Peter und Paul geweiht und wiegt über 6.000 Kilogramm. Alle drei Glocken entgingen den Schmelzöfen des Zweiten Weltkrieges und gehören zu den wenigen Kirchenglocken, die diese Zeit unbeschädigt überstanden haben.

Der Besucher findet in Backsteinkirche unter anderem auch zwei Darstellungen des ersten Hamburger Bischofs Ansgar von Bremen vor. Dabei handelt es sich um ein Tafelgemälde aus der Mitte des 15. Jahrhundert und eine Holzstatue vom Ende desselben Jahrhunderts. Diese befanden sich bis 1805 im gegenwärtig abgerissenen Mariendom am Speersort. Erzbischof Ansgar gilt als Apostel des Nordens, da er sich zeitlebens für die Missionierung der nördlichen Gebiete einsetzte.

Das Gemälde mit dem Namen Weihnachten 1813 in St. Petri wurde in 1817 vom Amt der Müller und ihrer Martins-Brüderschaft gestiftet und erinnert an die Zeit der französischen Besatzung. Der geschichtliche Hintergrund des Bildes bezieht sich auf Davout, der von Napoleon eingesetzte Stadthalter für Hamburg, und dessen Forderung an die hamburgische Bevölkerung sich mit Nahrungsmittelvorräten für sechs Monate einzudecken. Für viele war dies unausführbar, denn sie lebten kaum von der Hand in den Mund. Insgesamt mussten mehr als 30.000 auf fremde Lebensmittel angewiesene Personen – das war knapp ein Viertel der damaligen Bevölkerung – Hamburg verlassen. Auf dem Gemälde sind rund 2.000 Menschen am Heiligabend zu sehen, die nach vorherigen Hausdurchsuchungen in die Petrikirche eingesperrt und bei Tagesanbruch des ersten Weihnachtstages der Stadt verwiesen wurden. Bei strenger Kälte machte sich ein Großteil auf den Weg ins benachbarte Altona, das zum mit Napoleon verbündeten Dänemark gehörte. Über die Hälfte der Menschen ließ unterwegs ihr Leben.

Kirchenführungen und Audio-Guides

Kostenlose Kirchenführungen werden mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten angeboten. Der 1. Donnerstag im Monat informiert um 12:30 Uhr zum Thema "Kunst am Mittag – Kirchenführung kurz und knapp". Zwei Wochen später, an jedem 3. Donnerstag im Monat, findet um 15 Uhr eine Führung zum Thema "Ansgar bis Zimbelsternchen" statt. Zudem wird eine weitere Kirchenführung an jedem 1. Sonntag im Monat um 11:30 Uhr nach dem Gottesdienst abgehalten. Speziell auf Kinder und Jugendliche angepasste Führungen werden ebenso angeboten, wie für Sehbehinderte und Blinde. Gruppenführungen sollten telefonisch oder per E-Mail vereinbart werden. Als erste Kirche in Deutschland bietet St. Petri die Möglichkeit die Kirche mittels eines Audio-Guides zu erkunden. Er ist sowohl für Nichtsehende als auch für Sehende konzipiert und kann im Kirchen-Shop neben dem Haupteingang ausgeliehen werden. Andenken können dort ebenfalls erworben werden.

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