Senatskanzlei

Bremen Scholz ist Ehrengast bei der 474. Schaffermahlzeit

Seit 1545 treffen sich Kaufleute, Kapitäne sowie deren Gäste zum ältesten "Brudermahl" der Welt im Bremer Rathaus: zur Schaffermahlzeit. Traditionell dürfen Gäste nur ein einziges Mal in ihrem Leben teilnehmen. 2018 gebührt diese Ehre Hamburgs Erstem Bürgermeister Olaf Scholz.

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Scholz ist Ehrengast bei der 474. Schaffermahlzeit

300 Teilnehmer, ein reichhaltiges Mahl mit fünf Gängen sowie zwölf Reden: Die Schaffermahlzeit findet seit 1952 am jeweils zweiten Freitag des Februars statt. Um Punkt 14.30 ist die offizielle Eröffnung in der Oberen Rathaushalle. Davor wird der jeweilige Ehrengast über den Marktplatz geführt. Vom "Haus Schütting" der Handelskammer geht es in das historische Rathaus. Bürgermeister Olaf Scholz, Ehrengast der 474. Schaffermahlzeit, hat sich dort am Freitag (9. Februar) in das Goldene Buch der Stadt eintragen.

Vom Handel über die Schiffahrt bis zur Industrie

Ein Höhepunkt der Schaffermahlzeit sind die Reden. Zwischen den einzelnen Gängen sprechen die Schaffer - drei kaufmännische Schaffer sowie sechs Kapitänsschaffer - zu den Gästen. Diesen Titel erhalten laut Bremer Senat übrigens nur Personen, die schon etwas "geschafft" haben und das Ansehen Bremens nach außen hin fördern. Sie werden von der Generalversammlung des "Haus Seefahrt" gewählt und tragen die Kosten der Veranstaltung. Der Fokus der Reden liegt dabei auf den Themen Handel, Schifffahrt und Industrie - vor allem mit Blick auf den Standort Bremen. Zudem werden der Bundespräsident und das Land geehrt.

Von großem Interesse ist die Rede des Ehrengastes. Bürgermeister Olaf Scholz sprach gegen Abend zu den Vertretern aus Politik, Wirtschaft, Schifffahrt, Kunst und Kultur. In seiner Rede betonte er die historisch enge Verbindung zwischen den beiden Hansestädten: "Hamburg und Bremen stehen einander seit Jahrhunderten nahe. Als große Handelsmetropolen am Fluss haben wir schon im Mittelalter die Vorzüge fairer Wirtschaftsbeziehungen erkannt und uns fremden Ländern aufgeschlossen und in friedlicher Absicht zugewandt."

Einen Schwerpunkt legte er in seiner Rede auf die Herausforderungen der Globalisierung und die Rolle der Europäischen Union bei deren Bewältigung. Nach seiner Meinung bräuchten Städte wie Bremen und Hamburg ein starkes und kooperatives Europa. Man könne das an ganz konkreten Beispielen festmachen: "Internationale Spitzenforschung etwa, wie sie in Hamburg jetzt am European XFEL betrieben wird, ist nur noch durch internationale Kooperationen finanzierbar." Deshalb stehe die Zukunft Europas wie nie zuvor im Mittelpunkt, sagte Scholz. Abschließend bedankte er sich nochmals ausdrücklich für die Einladung zum Schaffermahl, einem wirklich "einzigartigen Erlebnis".

Im Anschluss an die Reden und das Essen begann der Seefahrtball.

Die traditionelle Schaffermahlzeit

Gemäß dem Bremer Senat galt das Schaffermahl ursprünglich als eine Möglichkeit zur letzten Besprechung, zu der sich Schiffer, Schiffseigner und Kaufleute trafen, bevor es im Frühjahr nach der Eisschmelze wieder auf See ging. Heute dient diese Tradition dazu Kontakte, zu knüpfen und zu stärken. Aber auch ein sozialer Zweck steht im Vordergrund: Die finanzielle Unterstützung altgedienter Seefahrer und deren Angehörige. So findet beim Schaffermahl eine Sammlung von Spenden für die Bremer Stiftung "Haus Seefahrt" statt.

"Schaffen, schaffen unnen un boven - unnen un boven schaffen!" - mit diesen Worten wird das Festessen übrigens seit Jahrhunderten eröffnet. Es folgt einem festen Ritus. Beispielsweise orientiert sich die Speisefolge immer an einer alten Tradition: Bremer Hühnersuppe wird zu Beginn gereicht, beendet wird die Schaffermahlzeit mit Rigaer Butt. Dazwischen gibt es Seefahrtsbier, Stockfisch, Kohl mit Pinkel und Kalbsbraten. Mokka und Tonpfeifen bilden den Abschluss des Festmahls.