Senatskanzlei

Internationaler Frauentag Vier Frauen und zwei Ämter

Senatorin Katharina Fegebank und Bürgerschaftspräsidentin Carola Veit stellen bedeutende Frauen in der Geschichte der Hamburger Politik vor

Vier Frauen und zwei Ämter

Am 19. März 1911 demonstrierten Frauen in Dänemark, Deutschland, Österreich, der Schweiz und den USA für die Gleichstellung zwischen Mann und Frau, für Frauenrechte und insbesondere für das Frauenwahlrecht. Damit riefen sie den ersten Internationalen Frauentag ins Leben. Es dauerte aber noch bis 1918, ehe das aktive und passive Wahlrecht für Frauen in Deutschland eingeführt wurde. Selbst 100 Jahre später hat das Thema keineswegs an Relevanz verloren. Das Motto des Weltfrauentags am 8. März 2018 „#PressforProgress: Auf Fortschritt beharren“, bringt dies zum Ausdruck. Noch immer ist keine vollständige Gleichstellung der Geschlechter verwirklicht.               

Heute ist es selbstverständlich, dass Hamburg Senatorinnen, eine Frau als Zweite Bürgermeisterin und eine Bürgerschaftspräsidentin hat. 1918 war das anders, und es bedurfte der Pionierarbeit einiger herausragender Frauen, dies zu ändern. Die beiden Hamburgerinnen Paula Karpinski und Elisabeth Kiausch haben in der Hansestadt Geschichte geschrieben.

Paula Karpinski: Erste Senatorin Hamburgs

Katharina Fegebank ist nicht nur Senatorin für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung, sondern als Zweite Bürgermeisterin auch stellvertretende Regierungschefin. Als Senatorin steht sie in der Nachfolge von Paula Karpinski, die 1946 die erste Frau im Hamburger Senat wurde. Paula Karpinski wurde 1897 in Hammerbrook geboren. Ihr späteres Senatorenamt sei ihr nicht in die Wiege gelegt worden, betont Katharina Fegebank. „Das lag nicht nur daran, dass sie das Kind einer Arbeiterfamilie war. Es lag viel mehr daran, dass sie ein Mädchen war“, erklärt die Zweite Bürgermeisterin. Sie gehörte damit zu jener Frauengeneration, die überall die ersten waren und oft auch die einzigen. Darüber hinaus wurde sie als überzeugte Sozialdemokratin von den Nationalsozialisten unterdrückt und interniert. „Paula Karpinski konnte selbst kaum Vorbildern folgen, sondern musste Mut, Stärke und Zutrauen aus sich selbst schöpfen“, stellt die Zweite Bürgermeisterin heraus. „Gerade damit ist sie für meine Frauengeneration ein Vorbild.“ Im Rathaus laufe sie oft an einem Gemälde von Paula Karpinski vorbei: „Manchmal habe ich für einen Moment den Eindruck, sie zwinkert mir zu. So als wollte sie sagen: ‚Rücken grade. Du kannst das.‘“

Zu den wichtigsten Erfolgen der damaligen Jugendsenatorin Paula Karpinski zählte die Durchsetzung einer Jugendherberge auf dem Stintfang. Diese setzte Paula Karpinski gegen den Widerstand des damaligen Bürgermeisters durch. Darüber hinaus engagierte sie sich für Waisenkinder und initiierte pädagogisch betreute Kinderspielplätze.

Elisabeth Kiausch: Erste Bürgerschaftspräsidentin Hamburgs

Bürgerschaftspräsidentin Carola Veit steht in der Nachfolge von Elisabeth Kiausch. Die Hamburgerin war nicht nur die erste Präsidentin der Hamburgischen Bürgerschaft, sondern sogar die erste Präsidentin eines bundesdeutschen Landesparlaments. „Gut’ Ding will Weile haben – heißt es“, sagt Carola Veit: „Unsere Heimatstadt hat sich mit der Emanzipation lange Zeit gelassen. Es mussten 128 Jahre vergehen und 18 Männer unserem Landesparlament vorstehen, bis 1987 – endlich – mit Elisabeth Kiausch die erste Präsidentin der Hamburgischen Bürgerschaft gewählt wurde.“

Elisabeth Kiausch, Bürgerschaftspräsidentin a.D. und die Präsidentin der Hamburgischen Bürgerschaft Carola Veit Am 13. Februar 2018 hat die Bürgerschaftspräsidentin Carola Veit ihrer ersten Amtsvorgängerin Elisabeth Kiausch bei einem Senatsempfang zum 85. Geburtstag gratuliert. (Bild: Susanne Ahrens / Hamburgische Bürgerschaft )




Auch in ihrer späteren Funktion als Finanz- und Rathaussenatorin war Elisabeth Kiausch die Erste. Carola Veit ist stolz, ihre Amtsvorgängerin persönlich kennen und schätzen gelernt zu haben. Sie sei eine Frau, die sich in ihren politischen Ämtern stets durchgesetzt habe, sagt Carola Veit: „meinungsstark, geradlinig, niemals von oben herab und zugleich versöhnlich und auf Menschen zugehend. Ein besseres Vorbild im Amt kann ich mir nicht vorstellen.“

Ebenso wie Karpinski setzte sich Elisabeth Kiausch für die Belange von Kindern und Jugendlichen ein. Mit dem heute fest etablierten Planspiel „Jugend im Parlament“ öffnete sie die Bürgerschaft für Schülerinnen und Schüler. Außerdem setzte sie sich für den Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz ein.

Vorbilder für Frauen

Paula Karpinksi und Elisabeth Kiausch sind Vorbilder für Frauen, die sich politisch engagieren wollen. Sich als erste Frau in einem bis dahin männerdominierten Amt zu etablieren, war nicht immer einfach. Auch wenn Paula Karpinski rückblickend sagte, sie sei im Hamburger Senat immer loyal behandelt worden, so sei die anfängliche Frauenarbeit sehr schwierig gewesen. Nicht selten habe sie an sich gezweifelt, was unter anderem an verankerten Rollenbildern gelegen haben kann. 


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