Behörde für Schule und Berufsbildung

Veranstaltungsreihe vom 3.3. bis 4.4.2016 Ein Gedächtnis der Stadt

Nach Frauen und Männern benannte Straßen, Plätze, Brücken und andere Verkehrsflächen in Hamburg

Ein Gedächtnis der Stadt

4 Veranstaltungen im Zeitraum vom 3. März bis 4. April 2016
im Gästehaus der Universität Hamburg, Rothenbaumchaussee 34, 20148 Hamburg
Beginn jeweils 18 Uhr
Eintritt frei

Straßennamen sind Teil der persönlichen Adresse jeder Bürgerin und jedes Bürgers. Über achteinhalbtausend benannte Verkehrsflächen durchziehen Hamburg. Durch ihre tägliche Begehung dringen ihre Namen in unser Bewusstsein, werden zu einem Gedächtnis der Stadt, denn durch die Benennung von Straßen nach Personen, Orten und Ereignissen sollen bestimmte Erinnerungen wachgehalten werden. Dabei kann mit Straßenbenennungen ein bestimmtes Geschichtsbild vermittelt, d. h. „Erinnerung gesteuert werden“.

Rund 33 Prozent aller in Hamburg benannten Straßen, Plätze und Brücken sind nach Personen benannt. Hinter dieser Prozentzahl verbergen sich 2503 nach Männern und 363 nach Frauen benannte Verkehrsflächen. Das bedeutet: rund 87 Prozent der nach Personen benannten Straßen, sind nach Männern und gerade mal ca. 13 Prozent nach Frauen be- und mit benannt.

Der Anteil der nach Frauen benannten Straßen ist allerdings noch zu gering, um ein kollektives Gedächtnis der Stadt zu schaffen, dass dem Gleichberechtigungsartikel des Grundgesetzes entspricht.

Die Veranstaltungsreihe gibt einen Überblick über die nach Frauen und Männern benannten Hamburger Straßen, denn um künftig Straßen geschlechtergerechter zu benennen, müssen festgefahrene Wege und Denkmuster verändert werden.

Dazu bedarf es z. B. wendiger „analytischer Bagger“, mit deren Hilfe die Gründe für diesen „Männerüberschuss“ bei der Benennung öffentlicher Verkehrswege freigelegt werden, wie etwa zähe oder steinige Schichten patriarchaler Denkstrukturen.

Mit dieser Thematik beschäftigen sich die beiden ersten Veranstaltungen am 3. und 14. März.

Bedeutsam bei der Analyse der nach Personen benannten Straßen ist der Umgang der Stadt Hamburg mit Straßennamen, die nach ehemaligen Nationalsozialisten oder Befürwortern des Nationalsozialismus benannt sind. Um dieses Thema geht es in der Veranstaltung am 4. April 2016.

In den letzten Jahren ist auch das Thema „Hamburg und seine koloniale Vergangenheit“ stärker in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Thema der Veranstaltung am 22. März sind in diesem Zusammenhang die nach Kolonialakteuren benannten Hamburger Straßen.

Termine:

Donnerstag, 3. März

Straßenbenennung: Seismographen gesellschafts- und gleichstellungspolitischer Bewegungen
Wieso, weshalb, warum? Welche Kriterien können für eine Benennung nach Personen ausschlaggebend sein? – Ein historischer Überblick
Referentin:
Dr. Rita Bake, Sozial- und Wirtschaftshistorikerin, stellvertretende Leiterin der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg

Montag, 14. März

Wer steckt dahinter? Nach Frauen benannte Straßen in Hamburg
Referentin:
Dr. Rita Bake, Sozial- und Wirtschaftshistorikerin, stellvertretende Leiterin der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg

Montag, 21. März

Hamburg und seine Kolonialgeschichte: Nach Kolonialakteuren benannte Straßen in Hamburg
Referentinnen:
Frauke Steinhäuser, Historikerin;
HMJokinen, bildende Künstlerin und Stadtraumforscherin;
Ginnie Bekoe, Aktivistin und Beiratsmitglied der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD) Bund e.V.

Montag, 4. April

NS-belastete Straßennamen in Hamburg: Der Umgang mit der nationalsozialistischen Vergangenheit
Referentin:
Dr. Brigitta Huhnke, Sozial- und Medienwissenschaftlerin

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