Senatskanzlei

Gemeinschaftsprojekt von EU, Agentur für Arbeit und der Freien und Hansestadt Hamburg bringt jugendliche Flüchtlinge in betriebliche Ausbildung

Gemeinschaftsprojekt von EU, Agentur für Arbeit und der Freien und Hansestadt Hamburg bringt jugendliche Flüchtlinge in betriebliche Ausbildung

Die Zweite Bürgermeisterin Christa Goetsch und der Leiter der  Agentur für Arbeit Hamburg Rolf Steil haben heute im Hamburger Rathaus an die Hamburger Betriebe appelliert, auch jugendliche Flüchtlinge als Auszubildende einzustellen. „Auf der einen Seite stehen ausbildungswillige, ausbildungsfähige und ausbildungsbereite Jugendliche, auf der anderen Seite suchen Hamburger Betriebe händeringend  nach geeigneten Auszubildenden. Das ist doch eine Chance für beide Seiten“, sagte Christa Goetsch.

Selbst für den Lebensunterhalt sorgen, seine Fähigkeiten ausbilden und einsetzen können, an der Gesellschaft teilhaben: Das alles war für jugendliche Flüchtlinge, die oft schon lange Jahre mit einer Duldung in Hamburg leben, lange nicht erreichbar. Die seit 2006 und 2007 gültigen neuen Bleiberechtsregelungen eröffnen nun neue Chancen für die Jugendlichen und auch für ausbildende Betriebe. Die zweite Bürgermeisterin Christa Goetsch stellte heute gemeinsam mit Rolf Steil von der Agentur für Arbeit das Netzwerk „Fluchtort Hamburg“ vor, das geduldete Jugendliche bei der Aufnahme einer betrieblichen Ausbildung unterstützt. Mit dabei waren Maren Gag von „Fluchtort Hamburg“ sowie mit Farid Norozian (Auszubildender Fa. Surimex), Alexandra Seeger-Breitung (Firma Surimex), Seroos Sharifzada, Auszubildender (Firma Nottelmann) und Marco Nottelmann, Firma Nottelmann Auszubildende und Ausbilder, die von ihren Erfahrungen berichteten.

„Die Jugendlichen erhalten endlich eine Lebensperspektive und die Betriebe gewinnen gut vorbereitete, hoch motivierte und engagierte Auszubildende. Davon profitieren beide. Ich wünsche mir, dass wir noch viele weitere Betriebe dafür gewinnen können, Jugendliche Flüchtlinge auszubilden“, sagte Christa Goetsch heute.

„Junge Menschen mit ihren unterschiedlichen kulturellen Wurzeln stellen ein großes Potenzial dar, das Unternehmen unbedingt nutzen sollten. Als Folge der demografischen Entwicklung erfahren Betriebe, dass weniger Schulabgänger auf den Markt kommen. Der Wirtschaftsstandort Hamburg braucht diese Fachkräfte für Morgen“ bekräftigte Rolf Steil.

Das „ESF-Bundesprogramm zur arbeitsmarktlichen Unterstützung für Bleibeberechtigte und Flüchtlinge mit Zugang zum Arbeitsmarkt“ will die Chancen jugendlicher und erwachsener geduldeter Flüchtlinge verbessern, eine Arbeit aufnehmen zu können. Eines von bundesweit 43 Netzwerken ist in Hamburg unter der Leitung der passage gGmbH im Oktober 2008 gestartet. Sieben Einzelprojekte sind in dem Netzwerkverbund „FLUCHTort Hamburg PLUS“ zusammengeschlossen. Das Projekt wird vom Europäischen Sozialfonds, dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales und der Freien und Hansestadt Hamburg finanziert.

Mit dem Programm sollen rund 800 jugendliche und erwachsene Flüchtlinge erreicht werden, die gezielte Vermittlung von Jugendlichen in betriebliche Ausbildung ist ein Teil davon. 134 Jugendliche haben bislang die Projekte durchlaufen Sie sind beraten worden und haben berufsvorbereitende Maßnahmen, ein kontinuierliches Coaching sowie begleitende Hilfen und Stützmaßnahmen erhalten. Dabei arbeitet das Netzwerk eng mit der Agentur für Arbeit zusammen. 16 Jugendliche sind bisher durch das Netzwerk Fluchtort Hamburg in Ausbildung vermittelt worden. Sie werden auch während der Ausbildung unterstützt, die Netzwerkmitarbeiter sind zudem Ansprechpartner für die Betriebe. Etwa 40 Jugendliche sind ausbildungsbereit und brauchen einen Ausbildungsplatz.

Die bundesweite Flüchtlings- und Asylpolitik hat sich verändert, auch geduldete Flüchtlinge und Asylbewerberinnen und Asylbewerbern können heute eine Arbeit oder eine Ausbildung aufnehmen. Nach vier Jahren Aufenthalt mit einer Duldung erhält man uneingeschränkten Zugang zum Arbeitsmarkt, sofern das Abschiebehindernis nicht selbst verursacht war. Damit ist eine schwerwiegende Hürde in der Beschäftigungsverfahrensverordnung abgeschafft worden, die Flüchtlinge und Asylbewerberinnen und –bewerber faktisch von Arbeit und Ausbildung ausgeschlossen hatte. Denn früher durften sie nur Stellen annehmen, für die sich kein anderer Bewerber finden ließ.

Wer bis Ende 2009 nachweist, dass er seinen Lebensunterhalt selbst bestreiten kann, dem kann ein endgültiges Bleiberecht gewährt werden. Das Hamburger Einwohnerzentralamt entscheidet darüber bis zum April 2010.

Das „Aktionsprogramm der Bundesregierung zum Beitrag der Arbeitsmigration zur Sicherung der Fachkräftebasis in Deutschland“ verschafft zudem Jungendlichen einen erleichterten Zugang zu Ausbildung, die weniger als vier Jahre, aber mindestens ein Jahr mit einer Duldung in Deutschland sind. Nach vier Jahren Aufenthalt mit einer Duldung erhalten Jugendliche Leistungen nach dem BAFög und Bundesausbildungsbeihilfen (BAB).

Der Beschluss des Hamburger Senats erlaubt langjährig in Hamburg lebenden Flüchtlingen aus Afghanistan den Aufenthalt und den damit verbundenen Zugang zu Ausbildung und Arbeitsmarkt.

Kontakt: 

FLUCHTort Hamburg PLUS:
Michaela Ludwig
Mobil: 0173 614 7099
E-Mail: michaela.ludwig@t-online.de

 

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Farid Norozian hat die Fachhochschulreife, kommt aus Afghanistan und ist seit 12 Jahren in Deutschland. Er ist Auszubildender zum Kaufmann im Groß- und Außenhandel bei der Firma SURIMEX

Alexandra Seeger-Breitung, Firma SURIMEX SUPERMERCADO, Import von Spezialitäten aus aller Welt (Lateinamerika, Spanien, Portugal)

Seroos Sharifzada, hat den Hauptschulabschluss, kommt aus Afghanistan und ist seit 8 Jahren in Deutschland. Er ist Auszubildender zum Metallbauer bei der Firma  Nottelmann.

Marco Nottelmann, Metalbaubetrieb Nottelmann