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Wider das Vergessen: 2000. Stolperstein verlegt

Wider das Vergessen: 2000. Stolperstein verlegt

Der 2000. Stolperstein in Hamburg wurde heute in Anwesenheit von Kultursenatorin Prof. Dr. Karin v. Welck und der Schirmherrin des Projektes in Hamburg, Bischöfin Maria Jepsen, vor dem Thalia Theater enthüllt – in Gedenken an das Schicksal der Schauspielerin Hanne Mertens, die 1945 im KZ Neuengamme ermordet wurde. An der Einweihung des Steins nahmen außerdem u. a. die Chefdramaturgin des Thalia Theaters Sonja Anders, die Schauspielerin Verena Reichardt, der Künstler Gunter Demnig, die Patin des Stolpersteins, Sibylle Friedländer-Gobert, und der Initiator der „Stolpersteine“ in Hamburg, Peter Hess, teil.

Seit 1995 erinnert das Projekt „Stolpersteine“ des Kölner Künstlers Gunter Demnig an Menschen, die unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft umgebracht wurden. Bisher wurden in mehr als 270 Städten in Deutschland, Österreich und Ungarn rund 13.000 dieser Steine verlegt, auf deren Messingoberfläche die Lebensdaten der Opfer eingraviert sind. In Hamburg gibt es die ehrenamtliche Initiative seit dem Sommer 2002. Inzwischen machen in den Hamburger Straßen 2.000 Stolpersteine auf die Opfer des Nationalsozialismus aufmerksam.

Kultursenatorin Prof. Dr. Karin v. Welck betonte die Bedeutung des Projekts für die Erinnerungsarbeit: „2.000 Stolpersteine sind eine große, aber auch eine bedrückende Zahl, denn sie bedeuten 2.000 leidvolle Menschenschicksale. Daran gemahnt jeder einzelne Stein. Damit leistet die Initiative ‚Stolpersteine gegen das Vergessen’ eine hervorragende und beispielhafte Erinnerungsarbeit an eine Zeit in Deutschland, in der auch die Freiheit der Kunst, die uns heute so selbstverständlich erscheint, nicht existieren durfte.“

Schirmherrin Bischöfin Maria Jepsen sagte in ihrer Rede: „Hanne Mertens hat gegen Ungerechtigkeit an ihrem Arbeitsplatz aufbegehrt. Sie hat sich nicht ängstlich und feige angepasst und hat damit ihre Karriere und ihr Leben riskiert. Sie muss eine große Kraft besessen haben, die von innerer Aufrichtigkeit bestimmt war, von einem Glauben an Gerechtigkeit und Menschenwürde aller. Dass dieser Stolperstein mit seiner Aussage sichtbar und wirksam bleibe, dafür lassen Sie uns alle sorgen. Und Gott um Vergebung bitten, um die Kraft, für Gerechtigkeit und Frieden, und um seinen Segen.“

Patin des Gedenksteins für Hanne Mertens ist Sibylle Friedländer-Gobert. Alle Stolpersteine werden über Patenschaften finanziert. Getragen wird das Projekt in Hamburg darüber hinaus durch eine Reihe von Geschichtswerkstätten und Initiativen, die vor allem die regionale Recherche von Opferdaten durchführen oder Informationen zu einzelnen Opfergruppen ermitteln.

Am 13. April 1909 in Magdeburg geboren, startete Hanne Mertens ihre Schauspielkarriere in den 30er Jahren am Berliner Staatstheater und setzte sie am Düsseldorfer Schauspielhaus, der Berliner Volksbühne und den Münchener Kammerspielen fort. Am Hamburger Thalia Theater wurde sie im Frühjahr 1943 von dem damaligen Intendanten Robert Meyn engagiert. Aus ihrer Ablehnung des nationalsozialistischen Systems hatte Hanne Mertens nie ein Geheimnis gemacht. Auf einer privaten Feier in Hamburg Anfang Februar 1945 sang sie in Anwesenheit von Gestapo-Beamten das Lied „Es geht alles vorüber, es geht alles vorbei“ mit dem veränderten Text „… zuerst Hitler, dann die Partei“. Kurz darauf erfolgte ihre Festnahme wegen „Wehrkraftzersetzung“ und die Inhaftierung in Fuhlsbüttel. Angesichts der bevorstehenden Besetzung Hamburgs wurde Hanne Mertens am 20. April 1945 mit weiteren Häftlingen aus Fuhlsbüttel in das KZ Neuengamme gebracht, wo die Gruppe in den Nächten zwischen dem 21. und dem 23. April 1945 ermordet wurde.