Städtisches Grün ökonomisch bedeutsam!
Zweitägige Fachkonferenz GRÜN – MACHT – GELD in Hamburg-Wilhelmsburg
(igs )
Der Landschaftsarchitekt Professor Udo Weilacher von der Technischen Universität München warnte bei der Veranstaltung in Wilhelmsburg vor dem „verführerischen Klischee vom Wohnen im Grünen“. Jeden Tag, so Weilacher, würden in Deutschland 104 Hektar Freiflächen, unter anderem für den Bau von Wohnhäusern verbraucht. Die „Ressource Freifläche“ sei ebenso bedroht wie Wasser oder Klima. Wenngleich 71 Prozent der Bevölkerung von einem Einfamilienhaus am Stadtrand träumten, so Weilacher, heißt das Motto der Zukunft „Stadt als Lösung“. Es gelte die Wohndichte in den Städten hoch zu halten, um Flächen und Energie zu schonen. „Green is cool“ zitierte Weilacher den Stararchitekten Norman Foster, der mit Milano Santa Guilia meint, „die ideale Stadt“ zu schaffen. Zentrale Parks, wie in Mailand oder Manhattan empfiehlt auch Weilacher, statt „grüne Sauce“ über die Stadt zu verteilen. Trotz hoher Grün-Quote in Frankfurt am Main, beklagten sich die Einwohner der Metropole über zu wenig Parks, so Weilacher.
Gleichwohl ist verteiltes Grün in der Stadt der Zukunft offenbar erlaubt: Ob „pocket parks“ im Kopenhagener Nordhavnen-Projekt, arabische Schattenhöfe in der Kunststadt Masdar Eco City bei Abu Dhabi oder „Salons de Pinos“ in Madrid – Beispiele von der Fachkonferenz in Wilhelmsburg.
Wie Bürgerengagement bei der Grünplanung zu nutzen ist, beschrieb bei der Fachkonferenz die Journalistin Christine Mattauch am Beispiel High Line Park in New York. Private Initiative, Sponsoring durch Prominente und schließlich die Unterstützung durch die Stadt habe aus der still gelegten Hochbahn ein grünes Band durch Chelsea werden lassen. Die Touristenattraktion, investiert wurde bisher rund 150 Millionen Dollar, löste inzwischen unternehmerische Folgeinvestitionen in Milliardenhöhe aus. Ökonomischer Erfolg stellte sich auch mit der Umgestaltung der Hohen Bleichen in Hamburg ein. Investor Andreas Barke warb bei der Fachkonferenz für das Modell des „Business Improvement District“ (BID), wie sie Immobilienbesitzer hier für Aufwertung des Geschäftsquartiers praktiziert hätten. Der BID „Hohe Bleichen“ mit seinen nicht unumstrittenen, frisch gepflanzten Lebensbäumen von elf Metern Höhe, sei „einzigartig für Deutschland“ so Planer Friedrich Henning Breimann.
„Offene Planungsverfahren gehören in unsere Zeit“, so der Apell der Soziologin Margot Deerenberg und der Architektin Marie-Theres Okresek. Ihr Team Agropolis München war Sieger im Wettbewerb ohne Vorgaben, der Open Scale München. Mit Kreativität aus der Bevölkerung und Planungsteams aus verschiedenen Disziplinen wollen die beiden Frauen starre Planungsstrukturen aufbrechen.
Die 10. Fachkonferenz GRÜN – MACHT – GELD ging mit Baustellen-führungen am Donnerstag Abend über das Gartenschaugelände in Wilhelmsburg und Exkursionen am Freitag zu Ende.

Mister Wong
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