Senatskanzlei

Senat beschließt Drucksache zur Übernahme weiterer Anteile an Hapag-Lloyd

Bürgermeister Scholz: „Ein großes und wichtiges Unternehmen Hamburgs soll nicht in falsche Hände geraten.“ - Finanzsenator Dr. Peter Tschentscher: „Gefahr des Mehrheitsverkaufs endgültig abgewendet; Hapag-Lloyd bleibt auf Dauer Hamburger Reederei.“

Der Senat hat in seiner Sitzung am Dienstag eine Drucksache zur Übernahme weiterer Anteile der Reederei Hapag-Lloyd durch das Konsortium Albert Ballin beschlossen. Nachdem der Reisekonzern TUI zu Beginn des Jahres sein vertraglich vereinbartes Andienungsrecht für 33,3 Prozent der Hapag-Lloyd-Aktien wahrgenommen hat, konnten die Beteiligten sich Mitte Februar auf eine Verhandlungslösung einigen. In der jetzt vom Senat beschlossenen Drucksache wird die Bürgerschaft um Zustimmung gebeten.

Senat beschließt Drucksache zur Übernahme weiterer Anteile an Hapag-Lloyd

„Durch die Beteiligung am Hamburger Unternehmen Hapag-Lloyd wollen wir das Unternehmen am Standort Hamburg sichern. Dieses verstärkte Engagement soll zeitlich begrenzt sein. Wir wollen die zusätzlichen Anteile  in einem absehbaren Zeitraum an seriöse Partner veräußern“, sagte Bürgermeister Olaf Scholz. Es gehe dem Senat darum, „sicherzustellen, dass ein großes und wichtiges Unternehmen unserer Stadt nicht Opfer eines globalen Monopoly wird. Hapag-Lloyd soll nicht in falsche Hände geraten“.

Mittelfristig sollen die sich nach einem Börsengang von Hapag-Lloyd ergebenden Möglichkeiten zur Umplatzierung von Aktien genutzt werden, soweit dies die Entwicklung der Reederei nicht beeinträchtigt. Dabei wird auch das jeweils aktuelle Marktumfeld mit der Zielsetzung zu beachten sein, neben den Einstands- auch die Finanzierungskosten der Hamburger Gesellschaft für Vermögens- und Beteiligungsmanagement mbH (HGV) abzudecken. Für die jetzt hinzu erworbenen Aktien wurde im Gegenwert von rund 150 Mio. Euro schon eine Option verhandelt. Für den restlichen Teil wird die Möglichkeit einer Umtauschanleihe geprüft.

Scholz betonte weiter, die Vertreter des Albert Ballin-Konsortiums, an dem die städtische HGV und namhafte Hamburger Unternehmen beteiligt sind, hätten „ein gutes Ergebnis erzielt, das den Interessen unserer Stadt und den Anforderungen der Reederei gerecht wird“. Die Reederei sei für den Wirtschaftsstandort wichtig und für den Hafen von größter Bedeutung. Die Erhöhung der Beteiligung der Stadt auf 36,9 Prozent sei nicht auf Dauer angelegt, sondern diene unter den gegebenen vertraglichen Bedingungen einer nachhaltigen Standortsicherung der Traditionsreederei in Hamburg.

Finanzsenator Dr. Peter Tschentscher unterstrich, das zusätzliche Risiko durch die erhöhte Beteiligung der HGV sei angesichts der standortpolitischen und regionalwirtschaftlichen Bedeutung der weltweit viertgrößten Containerreederei gerechtfertigt. Bei der aus heutiger Sicht erwarteten wirtschaftlichen Entwicklung von Hapag-Lloyd ließen sich die Finanzierungskosten der HGV ab 2013 durch entsprechende Einnahmen aus Dividenden ausgleichen. „Und wir haben mit dem Logistikunternehmer Klaus-Michael Kühne bereits einen Käufer für einen Teil der Anteile in Sicht“, sagte der Finanzsenator. Der Senat denke und handle pragmatisch. „Das heißt: Wir kümmern uns um eine gute Zukunft für die Stadt Hamburg, den Hamburger Hafen und Hapag-Lloyd.“

Im Falle eines Verzichts auf den Kauf weiterer Anteile von der TUI wäre der vertraglich vereinbarte Prozess des Andienungsrechts fortgeschritten. Ab Herbst 2012 hätte TUI eine Mehrheit an Hapag-Lloyd verkaufen können.

Unabhängig von einer satzungsmäßigen Absicherung des Unternehmenssitzes hätte ein mehrheitlicher Erwerb von Unternehmensanteilen durch einen ausländischen Wettbewerber zu einem beherrschenden Einfluss auf Hapag-Lloyd führen können.

Negative Entwicklungen in der Containerschifffahrt in der Zukunft könnten seriös zwar nicht ausgeschlossen werden. Der Hapag-Lloyd AG sei es aber unter allen großen internationalen Reedereien am besten gelungen, sich in dem negativen Marktumfeld im Jahr 2011 zu behaupten. So konnte im vergangenen Jahr ein höheres Transportvolumen und hierdurch ein operatives Ergebnis von über 100 Mio. Euro erzielt werden.

Die erzielte Verständigung sieht vor, dass zunächst ein hoch verzinstes TUI-Darlehen in Höhe von 100 Mio. Euro durch Hapag-Lloyd getilgt und im Umfang von 125 Mio. Euro durch das Konsortium Albert Ballin angekauft wird. Anschließend wandeln Albert Ballin KG und TUI ihre Darlehen von jeweils 125 Mio. Euro in Eigenkapital. Für das Unternehmen bedeutet das eine Reduzierung von Zinszahlungen in Höhe von 47 Mio. Euro pro Jahr.

In einem weiteren Schritt haben die Verhandlungspartner vereinbart, dass das Konsortium Albert Ballin für 475 Mio. Euro 17,44 Prozent der Anteile von TUI übernimmt. Auf Grundlage dieser Verständigung verzichtet TUI auf ihr vertragliches Andienungsrecht und Mehrheitsverkaufsrecht.

Das sich daraus ergebende Gesamt-Investment von Albert Ballin in Höhe von 600 Mio. Euro verteilt sich auf die Stadt mit 420 Mio. Euro, den Logistikunternehmer Klaus-Michael Kühne mit 160 Mio. Euro, sowie die Versicherungen Hanse-Merkur mit 13 Mio. Euro und Signal Iduna mit 7 Mio. Euro.

Hintergrund:

Die Stadt ist seit 2008 über die Hamburger Gesellschaft für Vermögens- und Beteiligungsmanagement mbH (HGV) am Albert Ballin-Konsortium beteiligt, das bislang rund 61,6 Prozent der Anteile an Hapag-Lloyd hält. Als zweitgrößte Gesellschafterin dieses Konsortiums hält die HGV derzeit einen durchgerechneten Anteil von rund 23,6 Prozent am Unternehmen. 2008 wurde der TUI das Recht eingeräumt, vom Albert Ballin-Konsortium den Kauf von 33,3 Prozent an Hapag-Lloyd anzudienen. Sollte bis zum September keine Einigung erzielt werden, hätte TUI das Recht, die Anteile an einen Dritten zu veräußern. Dabei hätte Albert Ballin so viele Anteile mit verkaufen müssen, dass insgesamt eine Mehrheit an der Reederei hätte veräußert werden können.

Hapag-Lloyd hat sich in den letzten 160 Jahren zur größten deutschen Linienreederei entwickelt und ist heute die viertgrößte Reederei weltweit. Die Seeschifffahrt hat große Auswirkungen auf die Beschäftigungslage im Hamburger Hafen und für den Wirtschaftsstandort insgesamt. Von den weltweit rund 6900 Mitarbeitern der Hapag-Lloyd sind rund 1100 Mitarbeiter in der Hamburger Unternehmenszentrale beschäftigt. Rund 20.000 Arbeitsplätze in der Metropolregion sind mittelbar von Hapag-Lloyd abhängig.

Hapag-Lloyd erbringt seine Transportleistungen jedoch nicht „Stand-alone“, sondern gemeinsam mit sechs weiteren Containerreedereien in der im Dezember 2011 zusammengeschlossenen G6-Alliance, einer strategischen Verbindung zur Optimierung von Schifffahrtsdiensten zwischen Asien und Nordeuropa. Dadurch sichert Hapag Lloyd ein Umschlagsvolumen von über 40 Prozent im Hamburger Hafen, der wesentlich zur Wirtschaftskraft und den Steuereinnahmen der Stadt beiträgt. Allein das  Volumen der im Hafen vergebenen Aufträge der G 6 Alliance beläuft sich jährlich auf rd. 500 Mio Euro.

Rückfragen Finanzbehörde:

Pressestelle der Finanzbehörde
Björn Domroese
Tel.: 040 428 23 20 33
Mail: Bjoern.Domroese@fb.hamburg.de