Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration

Jugendberufsagentur Berufsberatung und Jugendhilfe unter einem Dach

Im Herbst wird in Hamburg die erste Jugendberufsagentur eröffnet

Hamburg wird als erstes Bundesland flächendeckend eine Jugendberufsagentur (JBA) einrichten, um junge Menschen künftig zuverlässig und gezielt in Ausbildung und Arbeit zu vermitteln.

Hamburg gründet Jugendberufsagentur

vergrößern Zwei Bäckerinnen rollen Teig Ausbildung im Handwerk (Bild: Paul-Georg Meister / pixelio.de) An zunächst zwei Standorten wollen die Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration (BASFI) und die Behörde für Schule und Berufsbildung (BSB) gemeinsam mit der Agentur für Arbeit Hamburg, dem Jobcenter team.arbeit.hamburg und den sieben Hamburger Bezirksämtern junge Menschen unter 25 Jahren künftig unter einem Dach beraten.

An der für junge Menschen entscheidenden Schnittstelle zwischen Schule und Beruf unterstützt die Jugendberufsagentur sie in allen Fragen rund um die Themen Berufswahl und -vorbereitung, Ausbildung und schulische Bildungswege.

Im September 2012 werden in Hamburg-Mitte und in Hamburg-Harburg die ersten beiden Standorte der Jugendberufsagentur eröffnet. Weitere Standorte sollen bis Ende 2014 folgen.

„Mir liegt sehr viel daran, dass junge Menschen schnell und nachhaltig auf dem Hamburger Ausbildungsmarkt Fuß fassen“, betont Arbeitssenator Detlef Scheele. Denn ich möchte nicht, dass der Übergang in den Beruf misslingt und dass ihnen dadurch eine dauerhafte Langzeitarbeitslosigkeit droht. Jeder Mensch hat Stärken, die er in seinem Beruf einsetzen kann. Dieses Potenzial wollen wir mit Hilfe der Jugendberufsagenturen entdecken und nutzen: Keiner darf verloren gehen.“

„Alle Jugendlichen sollen entweder das Abitur oder einen Berufsabschluss erwerben. Mit der Jugendberufsagentur wird es erstmals möglich, Jugendliche aktiv auf den Weg bis zum Berufsabschluss zu unterstützen“, sagt Schulsenator Ties Rabe.

„Die Jugendberufsagentur ist als Startblock zu verstehen, von dem aus Hamburger Schülerinnen und Schüler ihren Weg in eine Ausbildung oder ein Studium gehen werden“, sagt Sönke Fock, Geschäftsführer der Arbeitsagentur Hamburg. Viele von ihnen schaffen direkt und ohne große Mühe den Sprung ins Berufsleben. Und diejenigen, die es schwerer haben, erhalten künftig in der Jugendberufsagentur koordinierte und übergreifende Hilfe.“

„Es macht mich betroffen, wenn ich junge Leute sehe, deren berufliche Lebensperspektive mit Arbeitslosigkeit und Hartz IV beginnt“, sagt Friedhelm Siepe, Geschäftsführer des Jobcenters team.arbeit.hamburg. „Vielfach fehlt den jungen Menschen ein Schul- oder Berufsabschluss, im Einzelfall kommen auch noch persönliche Probleme hinzu, Wohnung, Schulden, Gesundheit. Ich unterstütze deshalb die neue Jugendberufsagentur, in der alle Beteiligten jungen Menschen eine tragfähige Zukunft eröffnen.“

„Um den Übergang von der Schule über Ausbildung in den Beruf erfolgreich zu meistern, benötigen unsere Jugendlichen qualifizierte Beratung und Hilfestellung aus einer Hand“, betont Thomas Völsch, Bezirksamtsleiter im Bezirk Harburg. „Art, Umfang und Intensität müssen hierbei ganz individuell auf die Bedarfe der jungen Menschen und je nach familiärem Umfeld und Voraussetzungen zugeschnitten sein.“

Wirtschaft und Gewerkschaften tragen die Jugendberufsagentur aktiv mit. Zu den Partnern gehören die Handelskammer Hamburg und die Handwerkskammer Hamburg, der Unternehmensverband Nord (UVNord) sowie der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB).

„Es ist gut, dass der Senat die Lücke schließt und die Vermittlungstätigkeit intensiviert. Denn auch wenn jeden Monat immer neue „Jobwunder“ verkündet werden: Die Lage ist angespannt. Mehr als 40 Prozent aller Ausbildungsplätze werden mit leistungsstarken Bewerbern aus dem Umland besetzt - wir brauchen aber jede und jeden“, sagt Uwe Polkaehn, Vorsitzender des DGB Bezirk Nord. „Die Jugendberufsagentur schafft Perspektiven - für die Schulabgänger und für die Firmen, die ihre Personalprobleme von morgen lösen können."

„Wir können es uns nicht leisten, Jugendliche auf dem Weg in Ausbildung und Arbeit zu verlieren“, betont UVNord-Hauptgeschäftsführer Michael Thomas Fröhlich. „Der Übergang von der Schule in die Ausbildung stellt die Weichen für das gesamte (Arbeits-) Leben. Die Wirtschaft ist auf alle Jugendlichen dringend angewiesen, denn sie sind die Fachkräfte von morgen. Selten waren ihre Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt so gut wie heute.“

Ziele und Aufgaben

Die Jugendberufsagentur soll jungen Menschen unter 25 Jahren neue berufliche Perspektiven eröffnen. Denn wer beruflich integriert ist, hat gute Chancen auf ein selbstbestimmtes Leben, das wirtschaftlich und sozial abgesichert ist.

Deshalb unterstützt die Jugendberufsagentur Jugendliche und junge Erwachsene an der Schnittstelle zwischen Schule und Beruf bei ihrer Suche nach einem Ausbildungs- oder Arbeitsplatz - unabhängig davon, welche Institutionen im jeweiligen Fall zuständig sind.

Im Fokus stehen dabei junge Menschen, die (noch) keinen Schulabschluss oder nur eine geringe Berufsqualifikation haben. Gleichwohl soll die Jugendberufsagentur Ansprechpartner für alle jungen Menschen sein.

Mit ihren jeweiligen Kernkompetenzen stehen die Jugendämter der Bezirke, die Arbeitsagentur und das Jobcenter jungen Menschen erstmals an einem Standort beratend zur Seite, wenn es um ein selbstbestimmtes Leben mit Arbeit und Ausbildung geht – einschließlich der sozialen Rahmenbedingungen. In der Jugendberufsagentur werden bestehende Ressourcen gebündelt, das heißt es wird keine neue Institution mit eigenem Personal, Haushalt und Rechtsform geschaffen.

Die wichtigsten Ziele im Überblick:

  • Möglichst frühe und dauerhafte Teilnahme junger Menschen am Erwerbsleben, auch um die Langzeitarbeitslosigkeit zu senken, die fehlende berufliche Qualifikationen auslösen können
  • Verbesserung der beruflichen Integration, vor allem um dem drohenden Fachkräftemangel effektiv entgegenzuwirken
  • zeitnahe Vermittlung in einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz durch eine systematische, verbindliche und kontinuierliche Vernetzung aller beteiligten Akteure unter einem Dach – individuelle und kompetente Beratung sowie eine aktive Begleitung, d.h. alle schulpflichtigen Jugendlichen werden aktiv angesprochen, bis sie das (Fach)abitur oder einen Ausbildungsabschluss erworben haben
  • Doppelstrukturen und Förderungslücken im Leistungs- und Beratungsangebot verringern sowie die Verweildauer junger Menschen im Bezug von ALG I und ALG II verkürzen

Es wird erwartet, dass sich aufgrund der systematischen Berufsorientierung und -vorbereitung in den Schulen und der anschließenden Begleitung durch die Jugendberufsagentur der Zeitraum zwischen Schulabschluss und Ausbildungsbeginn deutlich verkürzen wird. Damit soll die Zahl der ausbildungs- und arbeitslosen Jugendlichen dauerhaft deutlich gesenkt werden. Die Jugendberufsagentur wird damit im Ergebnis die berufliche Integration junger Menschen verbessern und damit u.a. einen wesentlichen Beitrag zur Deckung des zukünftigen Fachkräftebedarfs leisten.

Kooperationen - Aufbau und Arbeitsweise

  • Schulische Ebene: Berufsorientierung ab Klassenstufe 8, verbindliche Zusammenarbeit mit der Berufsberatung der Agentur für Arbeit Hamburg, Begleitung der Jugendlichen bis zum Übergang in das Erwerbsleben. Alle schulpflichtigen Jugendlichen werden so lange aktiv angesprochen, bis sie eine Ausbildung bzw. Arbeit  aufgenommen haben. Schülerinnen und Schüler der Sek II, die die Schule abbrechen, wird ebenfalls Beratung angeboten.
  • Regionale Ebene: Zusammenarbeit der Agentur für Arbeit, des Jobcenters, der Schulbehörde und des zuständigen Bezirks an einem Ort, umfassende Beratung und Begleitung der Jugendlichen, bessere Abstimmung der einzelnen Angebote durch Fallkonferenzen
  • Landesebene: gemeinsame Steuerung der Jugendberufsagentur, enge Abstimmung über Maßnahmenplanung und Bündelung der Ressourcen, aktive Einbeziehung der Wirtschafts- und Sozialpartner

Die Jugendberufsagentur ist keine neue Institution mit eigenem Personalkörper,  Haushalt und eigener Rechtsform. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bleiben bei ihren jeweiligen Dienstherren.

Die Zusammenarbeit soll innerhalb des jeweiligen rechtlichen Rahmens in einer gemeinsamen Beratungseinrichtung effektiver gestaltet werden. Hierzu schließen die Partner eine Vereinbarung ab, die die Grundsätze der Zusammenarbeit regelt und die jährlich über Ziel- und Leistungsvereinbarungen konkretisiert wird.

Zahlen und Fakten

Die Jugendberufsagentur steht allen jungen Menschen unter 25 Jahren offen, die sich unter einem Dach über mögliche Studien- und Berufsperspektiven informieren wollen. Auch wenn im Herbst erst zwei Standorte eröffnet werden, gilt das Prinzip „Keiner darf verloren gehen“ für die gesamte Stadt Hamburg.

Nach Schätzungen der Agentur für Arbeit und des Jobcenters werden künftig durch die Arbeit der Jugendberufsagentur rund 30.000 junge Menschen erreicht, von denen die Mehrzahl einen Studien- oder Ausbildungsplatz erhalten wird, ohne dass sie das Angebot der Jugendberufsagenturen in Anspruch nehmen müssen.

Voraussichtlich rund 7.000 Jugendliche werden hingegen auf eine umfassende Beratung angewiesen sein. Alle Partner haben sich darauf verständigt, die Jugendberufsagentur bereits im Jahr 2013 zu evaluieren, um frühzeitig eine erste Zwischenbilanz ziehen zu können.

Ressourcen und Personal

Die Jugendberufsagentur wird ihre Arbeit aus den vorhandenen Ressourcen aller Partner bestreiten. Um die erwarteten höheren Fallzahlen bewältigen zu können, wird das Personal der Berufsberatung der Agentur für Arbeit für einen befristeten Zeitraum um 15 Stellen aufgestockt. Diese Stellen werden aus Mitteln der Arbeitsmarktpolitik befristet finanziert.

Die Bezirke werden zudem jeweils zwei zusätzliche Stellen für die Beratung der Jugendlichen einsetzen. Sie erhalten dafür zusätzliche personelle Ressourcen, die vom  Personalamt finanziert werden.

„Keiner darf verloren gehen“

Damit keiner verloren geht, erfassen die Schulen alle Jugendlichen der Abgangsklassen im berufsorientierenden Unterricht. Mit einer Einverständniserklärung stimmen die Jugendlichen bzw. ihre Erziehungsberechtigten der Datenübermittlung an die Jugendberufsagentur zu, damit diese ihnen konkrete Dienstleistungen anbieten kann, um sie auch nach Verlassen der Schule zu beraten, zu vermitteln und zu fördern. Der Hamburgische Datenschutzbeauftragte hat dazu sein Einverständnis gegeben. 

Zeitplan und Standorte

Am 1. September 2012 sollen zunächst zwei Standorte in Hamburg-Mitte und in Harburg eröffnet werden. Weitere regionale Standorte sollen dann auf der Grundlage der gesammelten Erfahrungen eingerichtet werden. Dieser Prozess wird bis ins Jahr 2014 andauern.

Hintergrundinformationen

Auf Bundesebene haben das Bundesministerium für Arbeit und Soziales mit der Bundesagentur für Arbeit im Jahr 2010 eine Vereinbarung mit dem Ziel getroffen, die berufliche Integration junger Menschen in Ausbildung zu erhöhen, um die Jugendarbeitslosigkeit zu senken. Hierzu soll bundesweit die Zusammenarbeit zwischen den Rechtskreisen des Sozialgesetzbuches (SGB) II, III und VIII verbessert werden. Hamburg wurde im Januar 2011 als eine von 20 Modellregionen ausgewählt, um diese Zusammenarbeit praktisch umzusetzen.

Hamburg ist das erste Bundesland, das eine Jugendberufsagentur gründet. Auf kommunaler Ebene ist die erste Jugendberufsagentur in Deutschland im Jahr 2008 in Mainz entstanden Inzwischen gibt es weitere Jugendberufsagenturen  in folgenden deutschen Städten und Regionen: Braunschweig, Bremen, Chemnitz,  Düsseldorf, Dortmund, Darmstadt, Bielefeld, Nürnberg, Rhein-Hunsrück-Kreis, Kyffhäuser Kreis,  Saalfeld-Rudolfstadt, Wittenberg, Nienburg, Regensburg, Rhein-Lahn-Kreis, Teltow-Fläming, Salzgitter und Kassel. In Hamburg wird das Übergangssystem eines gesamten Bundeslandes umgestellt, in den andere Städten und Regionen handelt es sich um eine Zusammenarbeit ausschließlich auf kommunaler Ebene, also um eine Art von Bürogemeinschaften, die nicht wie in Hamburg konsequent das übergeordnete Ziel verfolgen, dass keiner verloren gehen darf.                   

Für Rückfragen der Medien

Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration
Pressestelle | Nicole Serocka
T +49 40 428 63- 2889
pressestelle@basfi.hamburg.de | www.hamburg.de/basfi

Behörde für Schule und Berufsbildung
Pressestelle | Peter Albrecht

T +49 40 428 63- 2003 | F +49 40 428 63 - 4626
pressestelle@bsb.hamburg.de | www.hamburg.de/bsb

Arbeitsagentur Hamburg
Pressestelle | Knut Böhrnsen

T +49 40 2485 - 2230 |  F +49 40 2485 2616
Hamburg.PresseMarketing@arbeitsagentur.de | www.arbeitsagentur.de

Jobcenter team.arbeit.hamburg
Pressestelle | Heike Böttger

T +49 40 600 98 104 | F +49 40 600 98 199
heike.boettger@jobcenter-ge.de | www.team-arbeit-hamburg.de

Bezirksamt Harburg
Pressestelle | Petra Schulz

T +49 40 428 71- 4010| F +49 40 42790-7888
Petra.Schulz@harburg.hamburg.de  | www.hamburg.de/harburg

DGB - Deutscher Gewerkschaftsbund
Pressestelle | Felix Hoffmann

T +49 40 2858-247 | F +49 40 2858-251
felix.hoffmann@dgb.de | www.hamburg.dgb.de

UVNord - Vereinigung der Unternehmensverbände
in Hamburg und Schleswig-Holstein e. V
Pressestelle | Sebastian Schulze

T +49 40 637851-23 | F +49 40 637851-51
schulze@uvnord.de | www.uvnord.de