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Preisverleihung 8. Agathe-Lasch-Preis verliehen

Belgischer Sprachwissenschaftler im Rathaus geehrt

Der renommierte Agathe-Lasch-Preis des Hamburger Senats ist erstmals an einen ausländischen Sprachwissenschaftler vergeben worden: Dr. Tom Smits von der Universität Antwerpen erhielt die Ehrung für seine Dissertation „Strukturwandel in Grenzdialekten. Die Konsolidierung der niederländisch-deutschen Staatsgrenze als Dialektgrenze.“

8. Agathe-Lasch-Preis verliehen

Das Preisrichterkollegium hatte aus sieben Arbeiten von Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern auszuwählen, die auf dem Gebiet der niederdeutschen Sprache forschen. Den Expertinnen und Experten zufolge hat Herr Dr. Smits in seiner Doktorarbeit von 2007 plausibel gemacht, dass sprachliche Grenzen nicht nur politische Grenzen beeinflussen, sondern auch umgekehrt politische Grenzen im Lauf der Jahrzehnte die Entwicklung der jeweiligen Sprachen und Dialekte dies- und jenseits der Staatsgrenze beeinflussen und dass die jeweilige Hochsprache dabei auf unterschiedliche Weise auf den Dialekt einwirkt.

Wissenschaftssenatorin Dr. Dorothee Stapelfeldt: „Die Namensgeberin des Agathe-Lasch-Preises setzt dieser Auszeichnung einen hohen Anspruch. Wer ihn bekommt, muss an den Grenzen der Sprachwissenschaften und der Niederdeutschen Sprache forschen. Dr. Tom Smits hat an der politischen, sprachlichen und dialektalen Grenze zwischen den Niederlanden und Deutschland bei Achterhoek und Westmünsterland geforscht. Die Entscheidung des Preiskomitees für einen ausländischen Wissenschaftler zeigt, wie grenzüberschreitend die niederdeutsche Sprachwissenschaft arbeitet.“ 

Über den Preisträger:

Dr. Tom Smits wurde 1976 in Antwerpen geboren. Er studierte Germanistik und Anglistik mit Schwerpunkt Linguistik an den Universitäten Antwerpen und Wien. Heute ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Sprachwissenschaft der Universität Antwerpen. 

Über den Preis:

Seit 1992 wird vom Senat der Freien und Hansestadt Hamburg alle drei Jahre der mit 5.000 Euro dotierte Agathe-Lasch-Preis an Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler verliehen, die herausragende Leistungen auf dem Gebiet der niederdeutschen Sprachforschung erbracht haben. In diesem Jahr wurde der Preis zum achten Mal in Folge vergeben. Im Vorfeld der Verleihung waren insgesamt sieben Arbeiten von Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern nach den Kriterien der Satzung identifiziert und vom Preisrichterkollegium erörtert worden.

Über Agathe Lasch:

Die Philologin Agathe Lasch, geboren am 4. Juli 1879 in Berlin, war die erste Professorin an der Universität Hamburg und erste Germanistikprofessorin in Deutschland überhaupt. 1909 an der Universität Heidelberg promoviert, lehrte und forschte sie zunächst mehrere Jahre an einem amerikanischen Frauencollege, bevor sie 1917 ihre Arbeit am Deutschen Seminar des Hamburgischen Kolonialinstituts aufnahm. Hier übernahm sie sogleich die Leitung der "Sammelstelle für das Hamburgische Wörterbuch" und begann mit den Vorarbeiten für ein vollständiges wissenschaftliches Wörterbuch der Hamburger niederdeutschen Sprache. 1919 habilitierte sie sich an der im selben Jahr neu gegründeten Hamburgischen Universität und wurde dort 1923 zur Professorin ernannt. Im selben Jahr fasste sie gemeinsam mit ihrem Kollegen Conrad Borchling den Plan, ein weiteres Wörterbuchprojekt in Angriff zu nehmen, die vollständige Neubearbeitung des "Mittelniederdeutschen Handwörterbuchs" von Lübben/Walther. 1926 wurde sie schließlich auf das Extraordinariat für niederdeutsche Philologie berufen. Agathe Laschs Tätigkeit an der Hamburgischen Universität endete mit der Herausgabe der siebten Lieferung des Mittelniederdeutschen Handwörterbuchs im Jahre 1934. Als Frau konnte sich Agathe Lasch auf ihrem wissenschaftlichen Weg in Deutschland gegen alle Widrigkeiten behaupten und durchsetzen, als Jüdin in Deutschland wurde sie dagegen Opfer der nationalsozialistischen Barbarei: 1934 vorzeitig aus dem Hochschuldienst entlassen, mit Publikationsverbot belegt, ihrer Bibliothek beraubt, wird sie am 15. August 1942 nach Riga deportiert und dort am 18. August, dem Tag ihrer Ankunft, ermordet. Der Philologin Agathe Lasch wird heute in vielfältiger Weise gedacht. In Hamburg-Othmarschen gibt es seit 1970/71 einen Agathe-Lasch-Weg und die Hamburger Universität hält seit 1999 mit dem Agathe-Lasch-Hörsaal die Erinnerung an ihre erste Professorin wach. Zwei Stolpersteine, einer vor dem Haus Nr. 9 der Gustav-Leo-Straße (früher Rehhagen) und einer auf dem Bürgersteig vor dem Universitätshauptgebäude, erinnern an Agathe Lasch.