Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration

Umfrage 98% der Hamburgerinnen und Hamburger fühlen sich in ihrer Stadt wohl

Sozialbehörde stellt Ergebnisse der Bevölkerungsumfrage vor

Im Auftrag der Sozialbehörde hat das Projektbüro Angewandte Sozialforschung der Universität Hamburg eine Bevölkerungsumfrage zum „Zusammenleben in Hamburg“ durchgeführt. Ziel dieser Befragung waren die Analyse und die Bewertung des Standes der Integration und der Qualität des Zusammenlebens und des Zusammenhalts in der Stadt. Die Ergebnisse zeigen einerseits einen hohen Wohlfühlfaktor als Lebensgefühl in Hamburg und zugleich das Bedürfnis nach noch engerem Zusammenleben.

98% der Hamburgerinnen und Hamburger fühlen sich in ihrer Stadt wohl

vergrößern Titelseite der Studie (Bild: FHH) Ein zentraler inhaltlicher Schwerpunkt des im Februar 2014 vorgelegten Integrationskonzeptes ist die Zielsetzung, den Zusammenhalt von Menschen mit und ohne Migrationshintergrund zu stärken. Zugleich wird der Anspruch formuliert, Integration bzw. Integrationsfortschritte sichtbar und messbar zu machen.

Die Bevölkerungsumfrage dient der Information darüber, welche Ansätze des Integrationskonzeptes fortgesetzt werden können und wo ggf. weiterer Handlungsbedarf ist. Die Bevölkerungsbefragung soll darüber hinaus eine bessere Planungsgrundlage insbesondere für die Präventionsarbeit zur Umsetzung des im November 2013 veröffentlichten Landesprogramms „Hamburg – Stadt mit Courage/Landesprogramm zur Förderung demokratischer Kultur, Vorbeugung und Bekämpfung von Rechtsextremismus“ schaffen.

„Über die Ergebnisse der Befragung bin ich insgesamt sehr froh. Sie zeigen, dass sich nicht nur die allermeisten Hamburgerinnen und Hamburger in unserer Stadt wohlfühlen. Sie zeigt auch, dass die Durchmischung der Bevölkerung in den Stadtteilen von 94% der Bewohnerinnen und Bewohner begrüßt wird. Das ist auch vor dem Hintergrund einer anhaltend hohen Zahl ankommender Menschen ein gutes Zeichen für die Willkommenskultur in Hamburg. Dennoch dürfen wir in unseren integrationspolitischen Bemühungen nicht nachlassen.“, sagt Senator Detlef Scheele.

Zentrale Ergebnisse

Die Befragung konzentriert sich im ersten Teil auf Fragen zum Zusammenleben, also Kontakterfahrungen, Benachteiligungen und die Frage zur Integrationsverantwortung. Erfragt wurde darüber hinaus die jeweils individuelle Einstellung zu ausgewählten Personengruppen.

  • Die befragten Hamburgerinnen und Hamburger fühlen sich wohl an ihrem Wohnort: 98% von ihnen gaben an, sich in ihrem Stadtteil und in der Hansestadt insgesamt wohl zu fühlen.
  • 90% der Befragten sind der Ansicht, dass Deutsche und Zuwanderer in ihrem Stadtteil gut miteinander auskommen. 94% begrüßen es, wenn in ihrem Stadtteil Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammenleben.
  • Die Ergebnisse zeigen, dass sich 55% der Deutschen noch mehr Kontakt zu Zuwanderern wünschen und sich mit 60% auch ein ähnlich großer Anteil der Zuwanderer mehr Kontakt zu Deutschen ohne Migrationshintergrund wünscht.
  • 52% der befragten Migrantinnen und Migranten bezeichnen sich selbst eher nicht als solche.
  • Menschen mit Migrationshintergrund berichteten in 29% von Benachteiligungen bei Hamburger Behörden und in 28% bei der Wohnungssuche.
  • Die Einstellungen zu Sinti und Roma sind insgesamt weniger positiv als zu allen anderen abgefragten Gruppen.
  • Die Einstellungen von Menschen mit und ohne Migrationshintergrund unterscheiden sich im Großen und Ganzen nicht sehr.

Fazit

Senator Detlef Scheele: „Die Umfrage zeigt deutlich, dass Hamburg eine Stadt ist, in der Menschen aller Kulturen willkommen sind. Sie macht zugleich deutlich, an welchen Stellen wir gemeinsam noch etwas tun können, denn Rassismus und Vorbehalte sind nach wie vor in Teilen der Gesellschaft verankert. Zentrale Handlungsstrategien sind für uns nach wie vor die Einbürgerung, die Interkulturelle Öffnung der Verwaltung, der Abbau von Diskriminierung und die Förderung des Zusammenhalts. Der Abbau von Ressentiments gegenüber einzelnen Personengruppen funktioniert am besten über das persönliche Kennenlernen. Deshalb ist das ehrenamtliche Engagement in dieser Stadt von herausgehobener Bedeutung für das Zusammenleben in Hamburg.“

Folgen

Es hat sich gezeigt, dass der zentrale Ansatz des Landesprogramms gegen Rechtsextremismus, jede Form der menschenverachtenden Abwertung von Gruppen zu bekämpfen, der richtige Weg ist. Das zivilgesellschaftliche Engagement gegen Ausgrenzung ist wirksam und wird weiterhin finanziell gefördert. Bereits in 2014 wurden Mittel in Höhe von 100.000 Euro für niedrigschwellige Projekte bereitgestellt. Diese Förderung wird 2015/16 fortgesetzt.

Neben dem Beratungsnetzwerk gegen Rechtsextremismus, in dem staatliche und nicht-staatliche Organisationen miteinander zusammenarbeiten, dem Mobilen Beratungsteam, das Betroffene berät, hat zwischenzeitlich auch ein Projekt zur Präventionsarbeit mit rechtsaffinen Jugendlichen seine Arbeit aufgenommen.

Das Grundschema lässt sich auch bei der Bekämpfung von religiös motiviertem Extremismus anwenden. Mit dem Erstarken des sog. Islamischen Staates steht zu befürchten, dass die Islamfeindlichkeit zunimmt. Der Abbau antimuslimischer Diskriminierung ist daher ein weiterer Schwerpunkt: Zielorientiert Projekte mit den muslimischen Religionsgemeinschaften (Schura, DITIB, VIKZ) und der Alevitischen Gemeinde sind bereits in Planung.

Den Zusammenhalt in Hamburg zu stärken, ist eine zentrale Forderung des Integrationskonzeptes. Insbesondere die Mitglieder des Integrationsbeirats haben sich für diese Thematik ausgesprochen. Die Auszeichnung und Förderung von nachbarschaftlichen Projekten wird deshalb auch in den kommenden Jahren einen Schwerpunkt Integrationsarbeit sein.

Darüber hinaus wird die Interkulturelle Öffnung der Verwaltung weiterhin mit Nachdruck fortgeführt, zum Beispiel über die gezielte Ansprache und Einstellung von Nachwuchskräften mit Migrationshintergrund. Außerdem wird der Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund in den kollegialen öffentlich rechtlichen Beschluss- und Beratungsorganen gemäß dem Integrationskonzept weiter erhöht.

Die Beratungsstelle amira hat im Juli 2014 ihre Arbeit aufgenommen; sie steht Hamburgerinnen und Hamburgern mit Migrationshintergrund offen, die Diskriminierungserfahrungen gemacht haben.

Hamburg unterstützt gegenwärtig die Bewerbung eines Trägers um ein 5-jähriges Bundesprojekt, dessen Ziel der Abbau von negativen Einstellungen gegenüber Roma und Sinti ist. Die Integration dieser Personengruppen erfordert vor dem Hintergrund der individuellen Gesellschaftsgeschichte eine besondere Sensibilität und kann nur im Zusammenwirken mit Roma und Sinti gelingen.

Die Bevölkerungsumfrage steht unten als Download zur Verfügung.

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