Behörde für Kultur und Medien

Peggy Parnass mit Bundesverdienstkreuz geehrt

Kultursenatorin würdigt eine „starke Frau“ für ihr Lebenswerk

Heute, am 25. August 2008, erhielt die Hamburgerin Peggy Parnass durch die Senatorin für Kultur, Sport und Medien, Prof. Dr. Karin v. Welck, das Bundesverdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik für ihr Lebens- und besonders ihr publizistisches Werk.

Peggy Parnass mit Bundesverdienstkreuz geehrt

Die Hamburgerin, die vor allem als engagierte Gerichtsreporterin bekannt wurde, nahm die Auszeichnung bei einem Abendessen im kleinen Kreis entgegen, an dem unter anderem der Autor Ralph Giordano, der Künstler Ulrich Rölfing, Staatsrat a. D. Gert-Hinnerk Behlmer, Antje Blumenthal (MdB) sowie weitere Weggefährten und Angehörige teilnahmen.

Die Senatorin würdigte Peggy Parnass als eine „starke Frau“, die sich nicht von herrschenden Meinungsbildern beeinflussen lasse: „Der Antrieb für Peggy Parnass’ politisches Engagement war nie die intellektuelle, die ideologische Vorentscheidung, sondern vielmehr das Verständnis und das Mitgefühl für den Menschen in Bedrängnis und Not. Mit ihrem unbefangenen, neugierigen, nie verstellten Blick auf die Welt gibt Peggy Parnass jedem Menschen eine Chance. Das mindert jedoch nicht ihre Entschiedenheit, wenn sie zu einem gültigen Eindruck gekommen ist.“

Peggy Parnass, geboren in Hamburg, wurde im Jahr 1939, kurz vor der Ermordung ihrer Eltern, Großeltern und mehr als hundert weiterer Verwandter im Konzentrationslager, zusammen mit ihrem Bruder mit einem Kindertransport nach Schweden verbracht. Sie studierte in Stockholm, London, Hamburg und Paris und erarbeitete sich ihren Lebensunterhalt unter anderem als Sprachlehrerin, Kolumnistin und Dolmetscherin für die Kriminalpolizei. Heute lebt Peggy Parnass wieder in Hamburg, wo sie sich für die sozial Schwachen, gegen soziale Missstände und nicht zuletzt für ihren Stadtteil St. Georg engagiert.

 

Mit ihren kritischen Gerichtsreportagen für die Monatszeitschrift konkret wurde Peggy Parnass bundesweit bekannt, ihr Name und ihre journalistische Arbeit stehen für eine oft unbequeme, aber unverzichtbare kritische Öffentlichkeit in Deutschland. Ihre Reportagen und Artikel wurden mehrfach publiziert: „Prozesse 1970–1978“, im Jahr 1978 bei Zweitausendeins veröffentlicht, hat inzwischen die 16. Auflage erreicht. Im Konkret Literatur Verlag erschienen unter anderem „Unter die Haut“ (1983), „Kleine radikale Minderheit“ (1985), „Süchtig nach Leben“ (1990) und „Mut und Leidenschaft“ (1993). Das filmische Werk von Peggy Parnass, dem das Metropolis Kino im Juni dieses Jahres einen Abend widmete, umfasst Filme von, mit und über die Reporterin, Publizistin und Schauspielerin. Die nach Peggy Parnass’ Kolumne benannte Dokumentation „Von Richtern und anderen Sympathisanten" (1982) von Axel Engstfeld wurde mit dem Bundesfilmpreis ausgezeichnet, Walter Krieg drehte 1983 das Porträt über Peggy Parnass „Mit Paragraphen leben“.

 

Peggy Parnass erhielt zahlreiche Auszeichnungen, wie zum Beispiel die St.-Georg-Medaille (2005), die Biermann-Ratjen-Medaille der Freien und Hansestadt Hamburg (1998), den Fritz-Bauer-Preis der Humanistischen Union (1980) und den Joseph-Drexel-Preis (1979) für hervorragende Leistungen im Journalismus.