Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz

Beratungsangebot Psychisch gesund am Arbeitsplatz

Beratungsstelle „Perspektive Arbeit und Gesundheit“ für Beschäftigte und Betriebe eröffnet

Die psychische Gesundheit und Beschäftigungsfähigkeit der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Hamburg erhalten und fördern – das ist das Ziel der neuen Anlaufstelle „Perspektive Arbeit und Gesundheit“ (PAG). Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks hat die Einrichtung heute eröffnet. In der Schanzenstraße 75 können Beschäftigte und betriebliche Akteure ab sofort eine kostenlose Beratung rund um die psychische Gesundheit am Arbeitsplatz erhalten.

Hamburger Beratungsstelle „Perspektive Arbeit und Gesundheit“ für Beschäftigte und Betriebe eröffnet

„Psychische Belastungen bei der Arbeit gehören inzwischen zu den wesentlichen Ursachen für Gesundheitsgefährdungen oder Krankmeldungen am Arbeitsplatz. Deshalb ist es wichtig, dass Unternehmen verstärkt präventiv tätig werden und die Gesundheit ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schützen“, sagt Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks. „Die neue Anlaufstelle wird Betriebe sowie ihre Beschäftigten dabei unterstützen und Hilfestellungen anbieten. Damit schließen wir eine bislang bestehende Beratungslücke in Hamburg.“

Psychische Belastungsfaktoren bei der Arbeit sind in den letzten Jahren enorm gestiegen. So belegen der Stressreport Deutschland und die Beschäftigtenbefragung der BGV ein hohes Niveau psychischer Belastung bei der Arbeit. Dabei spielen Multitasking, starker Termin- und Leistungsdruck, monotone Arbeit und Unterbrechungen bei der Arbeit für viele Beschäftigte eine große Rolle; zwischen 44 und 58 Prozent der Befragten sind von diesen Belastungsfaktoren häufig betroffen.

Fast 17 Prozent aller Arbeitsunfähigkeitstage bundesweit, in Hamburg sogar 22 Prozent, gehen auf psychische Erkrankungen zurück. Diese stehen damit nach den Muskel- und Skeletterkrankungen auf Platz zwei (DAK-Gesundheitsreport 2015). 43 Prozent der bundesweiten Renten-Neuzugänge aufgrund von Erwerbsunfähigkeit waren 2014 auf diese Diagnose zurückzuführen (Statistik der Deutschen Rentenversicherung 2015). Die betroffenen Frührentnerinnen und Frührentner sind zudem mit durchschnittlich 48 Jahren relativ jung, wenn sie aus dem Erwerbsleben ausscheiden müssen.

Auch vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels sollten Betriebe durch gute Arbeitsbedingungen die Gesundheit ihrer Beschäftigten erhalten und fördern. Der Hamburger Senat verfolgt mit seiner Fachkräftestrategie auch das Ziel, die Erwerbsbeteiligung zu steigern und ein vorzeitiges Ausscheiden aus dem Erwerbsleben zu vermeiden.

Sozialsenatorin Melanie Leonhard: „Eine alters- und alternsgerechte Unternehmenskultur, der Erhalt und die Weiterentwicklung von Kompetenzen der Beschäftigten und die Stärkung ihrer Ressourcen sowie die Unterstützung bei Veränderungsprozessen während des gesamten Erwerbslebens tragen wesentlich mit dazu bei, Gesundheit und Beschäftigungsfähigkeit zu sichern.“

In Unternehmen gehört die vorbeugende Gefährdungsbeurteilung einschließlich psychischer Belastungsfaktoren bei der Arbeit zu den gesetzlichen Pflichten von Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern. Sie müssen Belastungen am Arbeitsplatz ermitteln, beurteilen und Maßnahmen zur Prävention ergreifen.

Michael Gümbel, Leiter der Anlaufstelle: „Viele Unternehmensleitungen wissen nicht, wie sie mit dem Thema „Psychische Belastung am Arbeitsplatz“ systematisch umgehen sollen. Wir wollen Arbeitgeber, Führungskräfte, betriebliche Arbeitsschutzakteure und Betriebsräte darin unterstützen, psychische Belastungen richtig einzuschätzen und geeignete betriebliche Maßnahmen zu entwickeln.“

Für Beschäftigte bietet die Anlaufstelle eine vertrauliche und kostenlose Beratung an. Arbeitnehmerinnen oder Arbeitnehmer, die sich aufgrund ihrer Bedingungen am Arbeitsplatz belastet fühlen oder befürchten, dass ihre Gesundheit oder Arbeits- und Beschäftigungsfähigkeit gefährdet ist, können mit professioneller Hilfe individuell und vertraulich ihre Belastungssituation klären und Lösungsmöglichkeiten entwickeln. Gehören Qualifizierung oder berufliche Beratung zu den möglichen Problemlösungen, kooperiert die Anlaufstelle mit der Agentur für Arbeit Hamburg. Zunächst für Beschäftigte der Pflegebranche hält die Agentur einen zentralen Ansprechpartner vor, der ihnen kurzfristig einen Beratungstermin vermittelt.

Die Anlaufstelle startet als zweijähriger Modellversuch und wird von den Hamburger Behörden für Gesundheit und Verbraucherschutz (BGV) und für Arbeit, Soziales, Familie und Integration (BASFI) finanziert. Das Modellvorhaben wird durch die Agentur für Arbeit Hamburg mit einem speziellen Beratungsangebot begleitet und zudem von den Partnern der ArbeitsschutzPartnerschaft Hamburg sowie dem „Aktionsbündnis für Bildung und Beschäftigung – Hamburger Fachkräftenetzwerk“ unterstützt. Träger der Beratungsstelle ist der Verein „Arbeit & Gesundheit“.

Weitere Informationen: http://www.pag-hamburg.org/

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