Behörde für Umwelt und Energie

Bürgerbeteiligung Ohlsdorf 2050 – jetzt mitgestalten!

Friedhof vor neuer Zukunft – Aufruf zur Ideen-Findung

Die Bestattungskultur ändert sich, die Nachfrage nach Grabflächen sinkt. Das bietet die Chance, Europas größten Friedhof in Hamburg-Ohlsdorf behutsam auch für neue Nutzungen zu öffnen. Vor diesem Hintergrund startet die Behörde für Umwelt und Energie jetzt eine umfangreiche Bürgerbeteiligung  und ruft die Hamburgerinnen und Hamburger auf, ihre Ideen einzubringen.

Bürgerbeteiligung Parkfriedhof Ohlsdorf 2050

Erste Überlegungen sehen vor, dass die Beisetzungen sich zukünftig auf eine Friedhofsfläche von rund 100 ha konzentrieren und neue Grab­stätten nur noch auf diesen Flächen vergeben werden. Es könnten Obstwiesen und Blumengärten entstehen, auch Kutschfahrten oder eine kulturelle Nutzung ausgedienter Kapellen sind eine Möglichkeit. Maßgebend dabei ist, dass die Ideen in sensiblem Einklang stehen mit dem weltgrößten Parkfriedhof als Kultur- und Gartendenkmal, als Naturraum und natürlich als Trauer- und Gedenkort.

Umweltsenator Jens Kerstan erklärt dazu: „Ohlsdorf 2050 ist ein Pionierprojekt. Fast alle Friedhöfe in Deutschland sind für Sargbeisetzungen ausgelegt, deren Rückgang auf den Friedhöfen große ungenutzte Flächen hinterlassen. Diese gilt es jetzt klug neu zu nutzen. Was hier in den kommenden Jahren erprobt wird, soll später auch auf andere Friedhöfe übertragbar sein. Der Friedhof Ohlsdorf ist eine unserer wertvollsten Grünflächen in einem immer enger werdenden urbanen Raum. Diese Einzigartigkeit gilt es zu erhalten und behutsam in die Zukunft zu führen. Dies muss mit Rücksicht auf die Nutzung als letzte Ruhestätte geschehen und soll gleichzeitig die Attraktivität des Geländes auch für Erholungssuchende oder Nachbarn des Areals steigern. Ich bin gespannt, welche Ideen für neue und weitere Nutzungen die Bürgerbeteiligung uns bringen wird. Ich freue mich, dass unser Vorhaben vom Bundesumweltministerium unterstützt wird.“

Die Beteiligung

Interessierte erfahren auf www.hamburg.de/ohlsdorf2050 mehr über die Weiterentwicklung des Ohlsdorfer Friedhofs und erhalten dort die Möglichkeit, bisher erarbeitete Pläne zu bewerten sowie eigene Vorstellungen und Ideen einzubringen und sich über Veranstaltungen und aktuelle Termine zu informieren. Auch thematische Friedhofsführungen, Info-Stände in angrenzenden Stadtteilen und der Innenstadt sowie der Tag der Städtebauförderung am 21. Mai 2016 im Bestattungsforum Ohlsdorf bieten  Gelegenheit für die Hamburgerinnen und Hamburger sich für die Zukunft dieses bedeutenden  Friedhofes zu interessieren und sich aktiv einzubringen. Es wird Impuls-Abende und Entwurfswerkstatt-Gespräche geben.

Erste Ideen: Obstwiesen, Blumengärten und Kutschfahrten

Die Anlage von Obstwiesen oder Blumengärten wie auch Kutschfahrten in der Anlage zählen zu den ersten Ideen. Auch eine gemeinsame Bestattung von Mensch und Haustier auf dafür abgegrenzten Arealen ist als Möglichkeit genannt worden. Ziel ist es außerdem, den Durchgangsverkehr in der Anlage erheblich zu reduzieren.

Der Umgang mit der frei werdenden Fläche und Kapellen soll den Denkmalschutz, die Wirtschaftssituation des Friedhofs und die Ansprüche der Bürgerinnen und Bürger an den Parkfriedhof berücksichtigen. Orte des Austauschs, der Meditation sowie der Besinnung und Erholung stehen im Vordergrund – der Ohlsdorfer Friedhof soll dabei Friedhof bleiben. Wie die Entstehung des Friedhofs zeigt, verlaufen Friedhofsentwicklungen naturgemäß langsam. Die Ergebnisse heutiger Planungen werden daher wahrscheinlich erst in vielen Jahren Auswirkungen zeigen.

Was geschieht mit bestehenden Flächen?

Schon seit mehr als zehn Jahren werden nicht mehr auf der gesamten Fläche des Ohlsdorfer Friedhofs Grabstätten neu vergeben, vier Kapellen stehen nicht mehr für Trauerfeiern zur Verfügung. Daneben wird es auf Natur- und Parkflächen weiterhin möglich sein, auf bestehenden Grabstätten beizusetzen und diese zu verlängern. Auf diesen Flächen sollen jedoch künftig keine neuen Grabstätten mehr vergeben werden. So werden sie im Laufe der Jahrzehnte eine geringere Grabdichte aufweisen.

Finanzielle Unterstützung erhält die Behörde für Umwelt und Energie vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau- und Reaktorsicherheit. Im Rahmen des „Bundesprogramms Nationale Projekte des Städtebaus“ fördert das Bundesministerium die „nachhaltige Sicherung und Entwicklung des weltgrößten Parkfriedhofs als bedeutende denkmalgeschützte Friedhofs- und Gartenanlage“ bis 2018 mit zwei Millionen Euro. Die Stadt Hamburg beteiligt sich mit einer weiteren Million Euro an diesem Projekt.

Hintergrund rückläufige Belegungszahlen und veränderte Bestattungskultur

Die Ausdehnung dieses größten Parkfriedhofs der Welt und die Vielzahl seiner Einrichtungen beruhen auf historischen und demographischen Grundlagen , die heute weitgehend überholt sind: Die Beisetzungen haben sich in der Hansestadt seit 1995 als Folge zurückgehender Sterbefälle um 22 Prozent verringert, der Anteil der Sargbeisetzungen ist dabei von 40 auf fast 25 Prozent zurückgegangen. Hamburger Haushalte bestehen zu über 50 Prozent aus einer Person. Viele Kapellen bleiben leer, weil viele Abschiede ohne Trauerfeiern stattfinden. So entsteht Raum für Neues, für Kunst und Kultur, für Natur aber auch für Freizeit und Erholung.

Rückfragen der Medien:

Behörde für Umwelt und Energie, Pressestelle, Jan Dube, Tel.: 040 / 428 40 - 8006,

oder

Hamburger Friedhöfe -AöR- Lutz Rehkopf, Öffentlichkeitsarbeit, Tel.: 040 / 593 88 -830