Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz

Innovationsfonds Innovative Modelle für die gesundheitliche Versorgung in Hamburg

Landeskonferenz Versorgung unterstützt mehrere Projekte für den Innovationsfonds des Bundes

Mit Unterstützung der Hamburger Landeskonferenz Versorgung sollen mehrere Projekte für eine bessere gesundheitliche Versorgung für den Innovationsfonds auf Bundesebene vorgeschlagen und mit finanzieller Unterstützung daraus in der Hansestadt realisiert werden. In diesem Fonds stehen vier Jahre lang jeweils 300 Millionen Euro für neue Versorgungsformen und die Versorgungsforschung zur Verfügung. Die ausgewählten Projekte wurden von der Landeskonferenz einstimmig empfohlen.

Landeskonferenz Versorgung unterstützt mehrere Projekte für den Innovationsfonds des Bundes

„Wir brauchen innovative Projekte, um auch in Zukunft die bestmögliche gesundheitliche Versorgung für die Menschen in der Stadt und im Umland sicher stellen zu können“, so Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks. „Die Empfehlungen der Landeskonferenz Versorgung werden hoffentlich dazu beitragen, dass diese Projekte aus Mitteln des Innovationsfonds gefördert und schnell umgesetzt werden.“

Im Rahmen des ersten Projektes „Gesundheitsfördernde Stadtteilentwicklung in Bill-stedt und Horn“ sollen in den beiden Stadtteilen ein innovatives Versorgungsmanagement aufgebaut, Gesundheitsförderung und Prävention etabliert, Ärztinnen und Ärzte entlastet und die ambulante wohnortnahe Versorgung gestärkt werden. In Billstedt und Horn leben viele Menschen mit unterdurchschnittlichem Einkommen, der Anteil der Sozialhilfeempfänger und der Anteil von Migrantinnen und Migranten ist groß. Gleichzeitig ist der medizinische Versorgungsgrad niedriger als in anderen Stadtteilen. Um die Situation zu verbessern, sollen im Rahmen des Projektes niedergelassene Ärztinnen und Ärzte, Krankenhäuser und Krankenkassen, soziale Einrichtungen sowie weitere Akteure aus dem Gesundheitswesen zusammenarbeiten, um den Gesundheitsstatus der Menschen durch eine höhere Versorgungsqualität, eine wohnortnahe Versorgung sowie eine stärkere Vernetzung zu verbessern. Das Projekt wird u.a. getragen vom Ärztenetz Billstedt-Horn, der Stadtteilklinik Mümmelmannsberg, der OptiMedis AG, dem NAV-Virchowbund und der AOK Rheinland/Hamburg.

Das zweite Projekt, das die Unterstützung der Landeskonferenz gefunden hat, ist das „NetzWerk LebenPlus“ (NWLP). Das Vorhaben, das als Pilotprojekt im Bezirk Eimsbüttel geplant ist, soll Menschen im hohen Alter und bei Pflegebedürftigkeit ein möglichst selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden ermöglichen. Durch die Vernetzung von Hilfsangeboten sowie eine gezielte Beratung und Begleitung soll die ambulante Versorgung zuhause zu einer Alternative für ältere Menschen werden, die aufgrund ihrer gesundheitlichen Situation bislang vollstationäre Pflege benötigen und aus diesem Grund in eine Pflegeeinrichtung ziehen. Das Netzwerk soll auch pflegende Angehörige unterstützen und Wege zum Einsatz von technischen Assistenzsystemen erproben. Das Projekt wird vom Albertinen-Krankenhaus und der Techniker Krankenkasse beantragt.

Das ebenfalls befürwortete Projekt „Modell der sektorenübergreifend-koordinierten, schweregrad-gestuften Versorgung psychischer Erkrankungen“ (RECOVER) hat das Ziel, die Versorgung für Menschen mit psychischen Erkrankungen zu verbessern. Es geht unter anderem darum, Wartezeiten auf eine Behandlung zu verkürzen, ein sprach- und kultursensibles Angebot für Menschen mit Migrationshintergrund zu schaffen und neue Verknüpfungen ambulanter Versorgungsformen zu erproben, um stationäre Behandlungen möglichst zu vermeiden. Im Rahmen des Projektes sind beispielsweise Zentren für Diagnostik und Krisenintervention geplant, die eine sofortige Untersuchung anbieten und rund um die Uhr in akuten Krisenfällen Patientinnen und Patienten betreuen. Das Projekt ist als Vergleichsstudie angelegt und soll daher sowohl in Hamburg als einer großstädtischen Region wie auch in Itzehoe als einer ländlich-kleinstädtischen Region durchgeführt werden. Angebunden ist das Projekt am Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf, beteiligt sind die Barmer GEK, die Verhaltenstherapie Falkenried und das Klinikum Itzehoe.

Weitere Projekte, die unabhängig von der Landeskonferenz Versorgung aus Hamburg angemeldet werden, sind „CARDIOGO Medical – Organisation, Implementierung und Evaluation einer telemedizinischen Lösung im Bereich Kardiologie zur Prozess- und Indikationsoptimierung bei undefinierten Beschwerden“ (beantragt durch Innovation Health Partners) sowie das bundesweit ausgerichtete Versorgungsforschungsprojekt „Interventionelle Versorgungsforschungsstudie – Evaluation unterschiedlicher Behandlungsformen von Patienten mit hochgradiger Aortenklappenstenose und mittlerem operativen Risiko“ (formal angesiedelt u.a. beim UKE Herzzentrum).

Hintergrund

Aus Mitteln des Innovationsfonds können neue gesundheitliche Versorgungsmodelle gefördert werden, die über die bestehende Regelversorgung hinausgehen und eine sektorenübergreifende Versorgung zum Ziel haben. Beantragt werden können Fördermittel aus dem Innovationsfonds beim Gemeinsamen Bundesausschuss. Dieser wurde vom Gesetzgeber damit beauftragt, über die Förderanträge zu beraten und zu entscheiden. Gefördert werden diejenigen Kosten, die für die Entwicklung und Einführung eines Versorgungsmodells notwendig sind und nicht über die Vergütungssysteme der Regelversorgung abgedeckt werden.
In der Landeskonferenz Versorgung beraten 18 Vertreterinnen und Vertreter aus verschiedenen Bereichen der Gesundheitsversorgung unter Vorsitz von Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks regelmäßig über aktuelle Hamburger Gesundheitsfragen. Die Landeskonferenz kann Anregungen und Empfehlungen zur gesundheitlichen Versorgung und Entwicklung medizinischer Versorgungsstrukturen abgeben.