Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz

SCHULBUS-Studie Erfreulicher Trend: Hamburger Jugendliche konsumieren weniger Suchtmittel

SCHULBUS-Studie macht Rückgang beim Rauchen, Binge-Drinking und Cannabiskonsum deutlich – Problematische Online-Nutzung steigt hingegen

Die Ergebnisse der aktuellen Schüler- und Lehrerbefragungen zum Umgang mit Suchtmitteln (SCHULBUS) aus 2015 zeigen erfreuliche positive Entwicklungen bei allen Substanzen: Immer weniger Jugendliche in Hamburg greifen zu Alkohol, Tabak oder Cannabis. Bei der Nutzung von Glücksspielen, Computerspielen und beim problematischen Internetgebrauch ist hingegen ein Anstieg zu verzeichnen. Hierbei gibt es große Unterschiede im Nutzungsverhalten von Jungen und Mädchen, während beim Konsum von Substanzen eine Angleichung der Geschlechter stattgefunden hat.

SCHULBUS-Studie macht Rückgang beim Rauchen, Binge-Drinking und Cannabiskonsum deutlich – Problematische Online-Nutzung steigt hingegen

Das höhere Einstiegsalter und der anhaltende Rückgang des Konsums von Alkohol und Tabak sind gute Nachrichten. Auch zeigen unsere Bemühungen in der Cannabisprävention offenbar Erfolg: Der Anteil der Jugendlichen die kiffen ist rückläufig. Wir werden deshalb nicht nachlassen, auf die Schädlichkeit von Cannabis hinzuweisen“, so Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks. „Der Anstieg beim Glücksspiel und bei der Internetnutzung zeigt, wie wichtig aktuelle Daten und eine zielgruppenspezifische Prävention sind. Glückspiel ist ein Problem, das ganz überwiegend Jungen betrifft. Bei Mädchen nimmt die problematische Nutzung Sozialer Netzwerke zu. Unser Ziel ist, die Prävention noch stärker geschlechtsspezifisch auszurichten.“

Mit der von Sucht.Hamburg gGmbH zum sechsten Mal durchgeführten Befragung von 1090 Jugendlichen, die seitens der Gesundheitsbehörde und vom SuchtPräventionsZentrum des Landesinstitutes für Lehrerbildung unterstützt und gefördert wird, liegen für Hamburg aktuelle Daten zur hiesigen Verbreitung des Suchtmittelgebrauchs und seiner Veränderungen bei Jugendlichen von 14 bis 17 Jahren vor. Erstmals wurden auch Daten zum Suchtmittelkonsum in grenznahmen Regionen in Bayern, Nordrhein-Westfalen und Sachsen erhoben. Der Konsum von Alkohol und Tabak bei Jugendlichen liegt in diesen Regionen deutlich über dem in Hamburg (bis zu 20 Prozentpunkte). Bei Cannabis, einem vorwiegend städtischem Problem, liegt Hamburg leicht über den anderen Regionen, bei den anderen illegalen Drogen gleichauf.

Theo Baumgärtner, Autor der Studie und wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Sucht.Hamburg: „In Bezug auf den jugendlichen Umgang mit den legalen und illegalen Suchtmitteln weisen die aktuellen SCHULBUS-Ergebnisse für Hamburg auf einen insgesamt erfreulichen Abwärtstrend hin. Insbesondere unter den Jüngeren haben der exzessive Alkoholkonsum, das Rauchen und auch der Umgang mit Cannabisprodukten deutlich an Attraktivität verloren. Gleichwohl nehmen die Herausforderungen, vor denen die Suchtprävention steht, nicht ab.“

Einzelne Ergebnisse für Hamburg:

Alkohol

Das Alter der Jugendlichen, die erstmals Alkohol konsumieren, steigt weiterhin an. Im Vergleich zu den Vorjahren greifen weniger 14 bis 15-Jährige zum Alkohol. Beim sogenannten „Binge-Drinking“, das heißt dem Genuss von fünf oder mehr Gläsern bei einer Gelegenheit, gibt ein Fünftel der Jugendlichen an, dies mindestens einmal monatlich zu betreiben. 2012 war es hingegen noch ein Drittel der Jugendlichen. Wie es sich in den Vorjahren schon abzeichnete, haben die Mädchen ihr Konsumverhalten dem ihrer männlichen Altersgenossen angeglichen.

Tabak

Bei keinem anderen Suchtmittel lassen sich derartig positive Veränderungen im Konsumverhalten ausmachen wie beim Tabak: Waren es Mitte der 2000er Jahre noch 70 Prozent der 14- bis 17-Jährigen, die mindestens einmal in ihrem Leben geraucht haben, so bejahen 2015 noch 35 Prozent diese Erfahrung.  Elf Prozent der 16- bis 17-Jährigen gaben 2015 an, regelmäßig zu rauchen, 2004 waren es hingegen noch 24 Prozent.

Cannabis

Der Anteil der Jugendlichen, die aktuell Haschisch und/oder Marihuana konsumieren, ist von 2012 mit 17 Prozent auf 12 Prozent in 2015 gesunken. Auch der Anteil der Jugendlichen mit problematischem Konsum ist um einen Prozentpunkt von sieben auf sechs Prozent gesunken. Überdurchschnittlich stark ist der Rückgang bei den unter 16-Jährigen.

Andere illegale Drogen

Im Vergleich zu den bisher genannten Suchtmitteln spielen andere Drogen bei Jugendlichen eine untergeordnete Rolle. Aufgrund des erhöhten Risikopotenzials von Rauschmitteln, wie zum Beispiel Ecstasy, LSD oder Kokain, fallen die gesundheitlichen Konsumfolgen und die bestehenden Suchtgefahren aber stark ins Gewicht.

Bei der Analyse der Lebenszeit-Prävalenz der verschiedenen Suchtmittel zeigt sich, dass der Höchststand Mitte der 2000er Jahre erreicht wurde (10 Prozent), sich bis 2009 mehr als halbierte (4 Prozent), 2012 wieder anstieg (7 Prozent) und sich 2015 auf dem zweitniedrigsten Stand (5,5 Prozent) befand.

Glückspiel, Computerspiele und Internetnutzung

Das Glückspielverhalten unter Jugendlichen nimmt zu – ein Phänomen vor allem männlicher Jugendlicher. Eine regelmäßige, also mehrmals monatliche Teilnahme an mindestens einem Glückspiel um Geld geben in Hamburg etwa 17 Prozent der männlichen und drei Prozent der weiblichen Jugendlichen an. Ebenso werden PC-Spiele vor allem von Jungen genutzt: Fast die Hälfte von ihnen spielt täglich, während unter den weiblichen Schülerinnen in Hamburg nur rund sieben Prozent ein solches Nutzungsverhalten zeigen. Der als problematisch eingeschätzte Internetgebrauch nimmt hingegen vor allem bei Mädchen zu. Ihre Zahl hat sich in den letzten drei Jahren, vor allem durch die Nutzung sozialer Netzwerke, nahezu verdoppelt.

„Suchtprävention ist nicht allein von der Politik oder staatlichen Institutionen zu leisten“ so Gesundheitssenatorin Prüfer-Storcks. „Eltern, Familienangehörige und Freunde leben etwas vor, das das Wertesystem und das Konsumverhalten der Kinder und Jugendlichen beeinflusst. Deshalb werden wir nicht müde, auf diese Gruppen Einfluss zu nehmen, etwa mit Elternbroschüren, Peeransätzen oder den verstärkten Hinweisen auf den Jugendschutz. Suchtprävention ist und bleibt ein gesamtgesellschaftliches Thema.“

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