Senatorin von Welck zum Theaterstück „Marat, was ist aus unserer Revolution geworden?“
„Einzelpersonen an den Pranger zu stellen, ist eine billige, populistische Form, Kritik auszudrücken“
Zur umstrittenen Inszenierung, die am vergangenen Freitag, den 24. Oktober, am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg Premiere hatte, sagte Prof. Dr. Karin von Welck, Senatorin für Kultur, Sport und Medien:
„Am Sonntag hatte ich die Möglichkeit, die kurzfristig umbenannte Inszenierung „Marat, was ist aus unserer Revolution geworden?“ in der Inszenierung von Volker Lösch zu sehen. Nicht nur als Mitglied des Senats ist mir natürlich bewusst, dass das, was auf der Bühne erzählt und gelesen wird, juristisch unangreifbar ist. Menschlich sehe ich das anders. Einzelpersonen an den Pranger zu stellen, ist in meinen Augen eine billige, populistische Form, Kritik auszudrücken. Es ist hoch problematisch und unfair. Ich traue einem Regisseur, der an einem Theater wie dem Deutschen Schauspielhaus inszenieren kann, differenziertere und reifere Möglichkeiten zu, unser Gesellschaftssystem kritisch zu hinterfragen und den Zuschauer zum Nachdenken zu bewegen. Ich freue mich, wenn Kunst Diskussionen auslöst, und ich bin froh, wenn ich dadurch angeregt werde, auch Dinge zu überdenken, die mir selbstverständlich geworden sind. Doch wünsche ich mir dafür eine niveauvolle Basis. Zum Glück gibt es heute in unserem Land künstlerische Freiheit, weswegen ich als für Kultur zuständige Senatorin und selbst als Aufsichtsratsvorsitzende des Schauspielhauses nicht in einzelne Inszenierungen eingreifen will und darf. Aber ich kann als Bürgerin ausdrücken, dass mir die Art und Weise, wie in dieser Inszenierung einzelne Menschen in Misskredit gebracht werden, zuwider ist. Was durch diese selbstgefällige Kritik zu kurz kommt, ist die Tatsache, dass die genannten Personen große Wohltäter Hamburgs sind. Es sind Menschen, die vielen ermöglichen, an den Angeboten dieser Stadt teilzuhaben. Es sind Menschen, die nicht nur durch ihre sehr großzügigen Spenden der Hansestadt und ihren Bürgern wohl tun, sondern auch über die Steuern, die sie zahlen. Ohne sie würden wir alle in einer ärmeren Stadt leben.“

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