Behörde für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung

Förderpreis Neunter Agathe-Lasch-Preis verliehen

Förderpreis des Hamburger Senats geht an Kieler Nachwuchswissenschaftlerin

Neunter Agathe-Lasch-Preis verliehen Förderpreis des Hamburger Senats geht an Kieler Nachwuchswissenschaftlerin

Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank hat heute im Rahmen eines Senatsempfangs im Hamburger Rathaus den renommierten Agathe-Lasch-Preis übergeben. Preisträgerin ist Dr. Viola Wilcken von der Christian-Albrecht-Universität zu Kiel. Der mit 5.000 Euro dotierte Förderpreis des Senats würdigt Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler, die herausragende Leistungen auf dem Gebiet der niederdeutschen Sprachforschung erbracht haben. Der Agathe-Lasch-Preis wird seit 1992 alle drei Jahre verliehen.

Katharina Fegebank, Senatorin für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung: „Mit dem Agathe-Lasch-Preis wollen wir die Erinnerung an eine exzellente Sprachforscherin und unbeugsame Frau wachhalten. Gleichzeitig soll der Preis auch Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler ermutigen und auszeichnen, die sich mit ihrer Arbeit ebenfalls um die norddeutsche Sprachforschung verdient gemacht haben. Frau Dr.  Wilcken führt mit ihrer Forschung das Werk von Agathe Lasch fort und belebt das ‘Plattdüütsch‘. Daher freue ich mich besonders, ihr heute den Preis überreichen zu können und gratuliere ganz herzlich.“

Das Preisgericht hatte aus sieben Arbeiten von Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern zu wählen. Dr. Viola Wilcken erhält die Auszeichnung für ihre Dissertation „Historische Umgangssprachen zwischen Sprachwirklichkeit und literarischer Gestaltung. Formen, Funktionen und Entwicklungslinien des ‚Missingsch.‘“ Sie widmet sich in ihrem Werk dem „Missingsch“ als einer ausgeprägten Kontaktvarietät mit niederdeutschen und hochdeutschen Anteilen. Der Jury zufolge hat es Wilcken durch eine systematische und methodisch überzeugende Analyse geschafft, die historische Entwicklung und räumliche Differenzierung der Varietät detailliert nachzuzeichnen. Wilkens Dissertation vereint dabei methodisch fundiert kontaktlinguistische, dialektologische und mediale Aspekte. Mit der Frage nach der Rekonstruierbarkeit historischer Mündlichkeit berührt sie ein aktuelles Thema der historischen Linguistik. Laut Expertinnen und Experten zeichnet sich ab, dass die Studie das Potential eines Standartwerks zum Thema „Missingsch“ besitzt.

vergrößern Dr. phil. Viola Wilcken, Niederdeutsche Abteilung des Germanistischen Seminars der Christian-Albrechts-Universität Kiel Dr. phil. Viola Wilcken, Niederdeutsche Abteilung des Germanistischen Seminars der Christian-Albrechts-Universität Kiel (Bild: © Dr. Viola Wilcken)

Über die Preisträgerin

Dr. Viola Wilcken studierte Deutsch und Wirtschaft/Politik auf Lehramt an Gymnasien an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Seit 2007/08 ist sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin und Lehrende an der Niederdeutschen Abteilung des Germanistischen Seminars der Christian-Albrechts-Universität Kiel tätig.

Über den Preis

Seit 1992 wird vom Senat der Freien und Hansestadt Hamburg alle drei Jahre der mit 5.000 Euro dotierte Agathe-Lasch-Preis an Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler verliehen, die herausragende Leistungen auf dem Gebiet der niederdeutschen Sprachforschung erbracht haben. In diesem Jahr wurde der Preis zum neunten Mal vergeben. Im Vorfeld der Verleihung waren insgesamt sieben Arbeiten von Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern nach den Kriterien der Satzung identifiziert und vom  Preisgericht erörtert worden.

Über Agathe Lasch

Die Philologin Agathe Lasch, geboren am 4. Juli 1879 in Berlin, war die erste Professorin an der Universität Hamburg und erste Germanistikprofessorin in Deutschland überhaupt. 1909 an der Universität Heidelberg promoviert, lehrte und forschte sie zunächst mehrere Jahre an einem amerikanischen Frauencollege, bevor sie 1917 ihre Arbeit am Deutschen Seminar des Hamburgischen Kolonialinstituts aufnahm. Hier übernahm sie sogleich die Leitung der "Sammelstelle für das Hamburgische Wörterbuch" und begann mit den Vorarbeiten für ein vollständiges wissenschaftliches Wörterbuch der Hamburger niederdeutschen Sprache. 1919 habilitierte sie sich an der im selben Jahr neu gegründeten Hamburgischen Universität und wurde dort 1923 zur Professorin ernannt. Im selben Jahr fasste sie gemeinsam mit ihrem Kollegen Conrad Borchling den Plan, ein weiteres Wörterbuchprojekt in Angriff zu nehmen, die vollständige Neubearbeitung des "Mittelniederdeutschen Handwörterbuchs" von Lübben/Walther. 1926 wurde sie schließlich auf das Extraordinariat für niederdeutsche Philologie berufen. Agathe Laschs Tätigkeit an der Hamburgischen Universität endete mit der Herausgabe der siebten Lieferung des Mittelniederdeutschen Handwörterbuchs im Jahre 1934.

Als Frau konnte sich Agathe Lasch auf ihrem wissenschaftlichen Weg in Deutschland gegen alle Widrigkeiten behaupten und durchsetzen, als Jüdin in Deutschland wurde sie dagegen Opfer der nationalsozialistischen Barbarei: 1934 vorzeitig aus dem Hochschuldienst entlassen, mit Publikationsverbot belegt, ihrer Bibliothek beraubt, wird sie am 15. August 1942 nach Riga deportiert und dort am 18. August, dem Tag ihrer Ankunft, ermordet.

Der Philologin Agathe Lasch wird heute in vielfältiger Weise gedacht. In Hamburg-Othmarschen gibt es seit 1970/71 einen Agathe-Lasch-Weg und die Hamburger Universität hält seit 1999 mit dem Agathe-Lasch-Hörsaal die Erinnerung an ihre erste Professorin wach. Zwei Stolpersteine, einer vor dem Haus Nummer neun der Gustav-Leo-Straße (früher Rehhagen) und einer auf dem Bürgersteig vor dem Universitätshauptgebäude, erinnern an Agathe Lasch.

Rückfragen der Medien

Julia Offen, Pressesprecherin
Behörde für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung
Telefon: (040) 428 63 – 2322
E-Mail: julia.offen@bwfg.hamburg.de